Father John sammelt Spenden für einen Brunnen in seinem Heimatdorf in Nigeria

AHAUS Am Sonntag ist Weltwassertag. Und John Nwaogaidu, Kaplan der Ahauser Mariengemeinde erreicht das "Jesusalter". Was das eine mit dem anderen zu tun hat, erzählt Father John im Inverview mit Stefan Grothues.

18.03.2009, 15:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Father John sammelt Spenden für einen Brunnen in seinem Heimatdorf in Nigeria

<p>Wasser ist Leben - und in Nigeria ein besonders knappes und kostbares Gut. Father John will seinem Heimatdorf helfen, einen eigenen Brunnen zu bohren. Grothues</p>

Denken Sie bitte an Ihre Heimat. Und denken Sie an Wasser. Welches Bild sehen Sie vor ihrem geistigen Auge?

Father John: Ich sehe mich als Kind, das morgens noch vor der Schule Wasser vom Fluss holen muss, in einem Blecheimer auf dem Kopf, barfuß, über vier Kilometer weit. Auch andere Kinder sind dabei. Wir singen. Aber es ist heiß und der Eimer ist schwer. Und wir müssen jeden Tag schleppen. Das war eine schwierige Erfahrung.

In Ihrem Dorf gab es keinen Brunnen?

Father John: Nein. Und den gibt es heute auch noch nicht. Manchmal kommt ein Tankwagen und verkauft Trinkwasser. Aber die Menschen sind arm. Das kann sich kaum einer leisten. Also gehen sie zum Fluss.

Ist das Flusswasser denn sauber?

Father John: Das ist egal. Es gibt ja keine Wahl. Es sieht sauber aus. Ob es sauber ist, wissen wir aber nicht. Sicher ist aber: Zu oft werden Kinder krank. Schlechtes Wasser begünstigt Cholera, Malaria und andere Krankheiten. Weltweit sterben 4000 Kinder, weil sie kein sauberes Trinkwasser haben - jeden Tag.

Seit zwei Jahren leben Sie in Ahaus. Wie erleben Sie Wasser hier?

Father John: Es ist unglaublich: Hier fließt überall Wasser: in der Küche, im Bad. Da wo ich herkomme, gibt es kein fließendes Wasser, keine Dusche, kein Schwimmbad. Das ist für mich normal. Hier gibt es Wasser im Überfluss. Und für die Leute hier ist das etwas Selbstverständliches.

Schon im Alten Testament ist die Rede von Dürrezeiten, von Streit um Brunnen, aber auch von verheerenden Überschwemmungen. Hat der Schöpfer das Wasser schlecht verteilt?

Father John: (lacht und überlegt) Nein, nein. Das ist ja Natur. Gott hat die Welt geschaffen. Wasser ist überall zu finden. Nur manchmal ist es nicht direkt verfügbar.

Wasser hat im Christentum auch eine symbolische Bedeutung: Es steht für das Leben. Gibt es in diesem Sinne gelegentlich auch Wasserarmut in Deutschland?

Father John: Jein. Das Taufwasser erfüllt den Menschen mit Leben. Das Wasser des Lebens ist reichlich da, aber die Leute nehmen zu wenig davon zu sich. Wenn man den Geist der Taufe nicht in seinem Leben wirken lässt, kann das Herz vertrocknen. Es verliert seine Lebendigkeit.

In den Psalmen heißt es: "Er weidet mich auf grüner Au und führet mich zu frischem Wasser ... "

Father John: (lacht) Ja, beten hilft. Die Menschen in meinem Dorf beten auch um Wasser. Und sie wollen etwas dafür tun und einen Brunnen bohren. Sie sind aber zu arm. Ihnen fehlen die notwendigen Mittel.

Das wollen Sie aber ändern.

Father John: Ja. Ich werde am Sonntag 33 Jahre alt. Das ist für Priester etwas besonderes: Es ist das Jesusalter. Mit 33 hat Jesus sein Leben für uns gegeben. Ich möchte zum Geburtstag keine Geschenke. Aber ich möchte mit Hilfe der Gemeinde etwas geben: Spenden für einen Brunnen in meinem Heimatdorf.

Der lässt sich dort bohren?

Father John: Wie gesagt: Wasser ist überall. Aber wir müssen über 300 Meter tief bohren. Das kostet über 14 000 Euro. Das ist viel mehr als das Dorf sich leisten kann. Ich will das ändern. Ein Priester in meinem Dorf ist nicht nur ein Seelsorger. Er muss sich um alles kümmern.

Lesen Sie jetzt