Feuerwehr braucht Neubau, weil die Ahauser Wache zu klein ist und zu viele Mängel hat

mlzFeuer- und Rettungswache

„Drangvolle Enge“ – dieser Begriff war allgegenwärtig, als es im Ausschuss für Stadtentwicklung um die Feuer- und Rettungswache ging. Es besteht Handlungsbedarf. Ein Neubau wäre eine Lösung.

Ahaus

, 05.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dass die Feuer- und Rettungswache am Adenauerring aus allen Nähten platzt, ist bekannt. Doch dass der Handlungsbedarf so groß ist, wie es jetzt die Bedarfsanalysen ergeben haben, mag doch überrascht haben. Sicherheitsmängel, Gesundheitsgefährdung, Unfallgefahr, Verstoß gegen Arbeitsstättenregeln sind Begriffe, die im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Planen mehr als einmal fielen.

Simone Mattedi, Vorstand der K-Plan AG, stellte den Politiker die Bedarfsanalysen sowohl für die Feuer- und Rettungswache als auch für den Baubetriebshof vor. Beide nutzen das gleiche Gelände, es gibt auch Synergieeffekte. Zur Feuer- und Rettungswache sagte sie: „Überall spürt man die drangvolle Enge. Der Anzug passt nicht mehr. Er ist in der Kindergröße stecken geblieben.“ Container, die kommen sollen, so Simone Mattedi, lösen das Problem nicht.

1987 wurde die Wache ursprünglich als Haus für die Freiwillige Feuerwehr gebaut. Inzwischen ist hier der hauptamtliche Brandschutz 24 Stunden am Tag im Einsatz. „Von außen sieht man es nicht, aber es gibt überall Handlungsbedarf“, so Simone Mattedi.

Jetziger Bau ist nicht in neues Konzept zu integrieren

Ihr Fazit ist, so viel sei vorweggenommen, dass Flächen hinzugewonnen werden müssen. Während einer Bauzeit muss der Betrieb schließlich aufrechterhalten werden. Für die Expertin steht fest, dass der jetzige Bau nicht in ein neues Konzept zu integrieren ist.

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Ihre Liste ist lang. Die technische Ausrüstung entspricht nicht dem Stand der Technik. Es gibt zu wenig Alarmparkplätze. Die Atemübungsstrecke im Untergeschoss entspricht nicht der DIN, die Deckenhöhe ist dort zu niedrig und es gibt weder eine getrennte Umkleide noch eine Garderobe. Im Untergeschoss ist auch die Schlauchpflege. Es gibt allerdings nur einen Lastenaufzug, sodass keine Schwarz-Weiß-Trennung besteht.

Gesundheitsgefahren in der Fahrzeughalle

Die Fahrzeughalle hat zu wenig Stellplätze. Es gibt 15 Fahrzeuge für elf Stellplätze. „Und es müssten 21 sein“, so Simone Mattedi. Die Spinde stehen offen in der Halle und sind den Abgasen der Einsatzfahrzeuge ausgesetzt und die Temperatur ist auch nicht für einen Umkleidebereich ausgelegt. „Das ist gesundheitsschädlich.“ Weil die Spinde hinten in der Halle stehe, werden zudem die notwendigen Abstandsflächen nicht eingehalten.

So geht die Aufzählung weiter für Umkleiden, Sanitärräume, Außenbereich. Immer wieder der Kommentar „drangvolle Enge“. Simone Mattedis Fazit: „Bei der Feuerwehr geht es um jede Sekunde. Aber hier gibt es lange Wege und Unfallgefahren.“

Alles ist viel zu klein

Deutlich sind auch die Zahlen beim Raum- und Flächenbedarf. Bei der Fahrzeughalle müssten es 1200 Quadratmeter sein, es sind 685 Quadratmeter. Die Nutzungsfläche der Hauptwache beträgt zurzeit 2000 Quadratmeter, 4400 müssten es sein. Und bei der Rettungswache steht der Bedarf von 831 Quadratmeter dem Ist-Zustand von 216 Quadratmetern gegenüber. Auch die Grundfläche für eine adäquate Feuer- und Rettungswache ist mit 9500 Quadratmetern um 3000 Quadratmeter zu klein.

Der Baubetriebshof und die Feuer- und Rettungswache teilen sich ein Gelände.

Der Baubetriebshof und die Feuer- und Rettungswache teilen sich ein Gelände. © Markus Gehring

Auch beim Baubetriebshof fehlen Flächen: Im Gebäude rund 1100 Quadratmeter, im Außenbereich 1600 Quadratmeter. Auch listete Simone Mattedi etliche Mängel bei der Instandhaltung und einen Reparaturstau auf. Die Organisation auf dem Grundstück sei unübersichtlich, teilweise chaotisch.

Passende Fläche hinter der Wache

Für die Politiker im Stadtentwicklungsausschuss steht fest, dass gehandelt werden muss,. Christian Rudde (CDU): „Dass wir hier neu bauen müssen, ist mir seit Langem klar.“ Sein Blick richtete sich auf die Fläche hinter der Feuer- und Rettungswache, die im Besitz der Stadt ist. Wichtig sei, so zu bauen, dass modulare Anbaulösungen mitgedacht würden. Prinzipiell solle man sich aber nicht auf diese Fläche festlegen.

Der Standort am Adenauerring ist gut, so die einhellige Meinung. Möglich sei vielleicht, die jetzige Feuerwache dem Baubetriebshof zuzuschlagen und die Wache dreigeschossig und mit Industriehalle neu zu bauen, so Hubert Kersting für die UWG. „Dann hat man nicht gedanklich zwei Neubauten. Bauen am offenen herzen verbietet sich.“ Norbert Rose erläuterte für die Stadtverwaltung, dass man über die Machbarkeitsstudie sehen werde, wie viel Bausubstanz erhalten werden könne.

Erste Fragen nach möglichen Kosten wollte Simone Mattedi nicht beantworten. Kurz war schon von einem zweistelligen Millionenbetrag die Rede. Ausschussvorsitzender Andreas Dönnebrink (SPD) lenkte den Blick auf die nächsten Schritte. Bis zum Frühjahr sollen Machbarkeitsstudien entstehen. Kosten: rund 75.000 Euro. Dem stimmten alle Politiker zu.

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