Feuerwehr-Chef möchte sich für Ahaus die Katastrophe von Notre-Dame nicht vorstellen

mlzFeuer in Kirchen

Die Bilder der Katastrophe in der Kathedrale Notre-Dame haben auch den Ahauser Feuerwehrchef Berthold Büter tief bewegt. Ein Szenario, das er sich für Ahaus nicht vorstellen möchte.

Ahaus

, 16.04.2019, 15:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Drehleiter der Ahauser Feuerwehr ist 30 Meter lang. Bis zur Turmspitze ragt die Ahauser Kirche St. Mariä Himmelfahrt in der Innenstadt 68 Meter hoch in den Himmel. Doch auch abgesehen von dieser Lücke ist eine Kirche für jede Feuerwehr eine enorme Herausforderung.

Das liegt auf der Hand: „Nicht nur wegen der Gebäudehöhe, sondern auch wegen der Bauweise“, erklärt Berthold Büter, Leiter der Feuerwehr Ahaus, gegenüber unserer Redaktion. Schließlich sind Dach- und Glockenstühle in der Regel aus Holz. „Das lagert dort oben meist mehrere Jahrhunderte“, so Berthold Büter weiter. Auch wenn es sich um besonders hartes Holz handele, könne es extrem schnell abbrennen. Durch den Wind in größeren Höhen würden die Flammen immer wieder angefacht. „Auch das konnte man auf den Videobildern aus Paris ja gut sehen“, erklärt er.

Schwere Abwägung binnen weniger Augenblicke

Ist so ein Turm denn überhaupt zu retten, wenn es brennt? Eine allgemein gültige Antwort mag Berthold Büter dazu nicht geben. „Man muss sich überlegen, welchen Gefahren man Einsatzkräfte und umstehenden Personen aussetzt und welchen Erfolg man bestenfalls hätte“, sagt der Feuerwehrleiter. Weitreichende Grundsatzentscheidungen für die es im Ernstfall, nur wenige Augenblicke Zeit gibt.

Feuerwehr-Chef möchte sich für Ahaus die Katastrophe von Notre-Dame nicht vorstellen

Auch mit der modernsten Drehleiter kommt die Feuerwehr nicht bis an die Spitze der Kirchen. Dachstuhlbrände müssen sowieso von innen gelöscht werden. © kippic

Und die können den Einsatzleiter vor Ort eben auch dazu zwingen, den Turm aufzugeben und nur ein Ausbreiten der Flammen zu verhindern. „Das ist immer eine Abwägung“, erklärt er. Die Einsturzgefahr sei aber bei so einem Feuer immer ein hoher Risikofaktor. Auch da müsse man prüfen, ob man Einsatzkräfte noch in ein Gebäude schickt, oder nicht.

Leiter reicht ungefähr bis zum Turmkranz

Doch zurück zur Drehleiter. Das Ahauser Fahrzeug kann bis in eine Höhe von rund 30 Metern arbeiten. Damit würde sie bei der Kirche St. Maria Himmelfahrt ungefähr bis zum Turmkranz reichen. Doch auch das bringt im Zweifel nur wenig. „So einen Dachstuhlbrand kann man nicht von außen löschen“, erklärt der Fachmann. Bleibt nur der Weg über die schmalen Wendeltreppen: „Wir begehen auch die Kirchen regelmäßig, einfach damit wir eine Vorstellung davon haben, wie es in den Gebäuden aussieht.“

Die Schläuche über die schmalen Stiegen in die Höhe zu verlegen, koste Zeit. Und diese Zeit reiche den Flammen, um sich auszubreiten. „Ein Feuer hat immer einen Vorlauf. Deswegen ist unser wichtigster Faktor auch die Zeit. Nur schnelle Hilfe ist gute Hilfe“, erklärt Berthold Büter. Allein in der Enstehung sei ein Feuer gut zu bekämpfen.

Solche Brände seien aber, ganz gleich mit welcher Ausstattung, nur sehr schwer zu beherrschen. „Man hat ja gesehen, mit welch riesigem Equipment die Feuerwehr in Paris im Einsatz war“, sagt er. In Ahaus brannte die Kirche zuletzt beim großen Stadtbrand 1863 komplett aus. In jüngerer Vergangenheit kann sich Berthold Büter an keine ähnlichen Einsätze erinnern. „Und da möchte ich auch am Liebsten noch nicht mal dran denken“, erklärt er.

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