Finnah meldet Insolvenz an

130 Arbeitsplätze in Gefahr

AHAUS Die Auftragsbücher sind voll - dennoch hat die Finnah Engineering und Packaging GmbH an der Einsteinstraße in Ahaus gestern Insolvenz angemeldet. Betroffen sind rund 130 Mitarbeiter des Produzenten von Verpackungsmaschinen, die nun einer ungewissen Zukunft entgegen sehen und bereits seit Monaten die Krise "am eigenen Leib" gespürt haben.

von von Manfred Elfering und Sylvia Lüttich-Gür

, 10.07.2009, 16:21 Uhr / Lesedauer: 2 min
<p>Die Belegschaft von Finnah Engineering fühlt sich von der Geschäftsleitung im Regen stehen gelassen.  Lüttich-Gür</p>

<p>Die Belegschaft von Finnah Engineering fühlt sich von der Geschäftsleitung im Regen stehen gelassen. Lüttich-Gür</p>

Den letzten Ausschlag für die aktuell eingetretene, komplette Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens sieht der vom Amtsgericht Münster als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Ralph Schmid aus Coesfeld darin, dass die Belegschaft die Arbeit eingestellt hatte. Und das mit gutem Grund: Die Beschäftigten sollen nämlich bereits seit geraumer Zeit keinen Lohn mehr ausgezahlt bekommen haben. Und ohne Produktion gab es weder Absatz noch Umsatz, sprich Einnahmen.

Drei Monate Verzug

Dass die Belegschaft auf ihren Lohn warten musste, bestätigt auch der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Bocholt, Hans-Joachim Hebing: Über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr seien die Löhne erheblich zeitverzögert ausgezahlt worden, und zwar etwa drei Monate später - genau der Zeitraum, in dem Insolvenzgeld gezahlt werden kann. "Der Arbeitgeber hat sich somit auf Kosten der Arbeitnehmer praktisch selbst einen Kredit genehmigt und dabei den Zeitraum ausgenutzt, den das Gesetz als Rahmen für das Insolvenzgeld vorsieht", so Hebing.

Die IG Metall habe die gewerkschaftlich organisierten Finnah-Mitarbeiter - und das ist die Mehrzahl der Belegschaft - bereits über einen längeren Zeitraum dabei unterstützt, die Rückstände vor Gericht einzuklagen - was dann auch zu einer Auszahlung geführt habe. Die Konsequenz aus Sicht von Hebing: "Hätte die Finnah-Geschäftsführung nicht den Antrag auf ein Insolvenzverfahren gestellt, dann hätte die IG Metall diesen Antrag gestellt."

Auch im laufenden Insolvenzverfahren werde die IG Metall ihre Mitglieder bei Finnah weiter informieren und unterstützen sowie über den DGB-Rechtsschutz betreuen lassen. Mehr lasse sich zurzeit noch nicht absehen.

Viel mehr konnte der Insolvenzverwalter gestern auch noch nicht sagen - weder zur konkreten Situation, noch zur eventuellen Zukunft des Unternehmens. "Das Problem ist, dass wir uns über eine Bestandsaufnahme erst einmal ein Bild machen müssen, um dann auszuloten, ob und wenn ja welche langfristigen Perspektiven es gibt", erklärte Schmid gestern auf Anfrage der Münsterland Zeitung.

"Meine Aufgabe ist es, zu schauen, ob das Unternehmen wieder fit zu machen ist, das Vertrauen der Kunden zurück zu gewinnen und alle Kanäle anzuwerfen, um Geld flüssig zu machen", so Schmid weiter, der den Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung am Freitagmorgen "reinen Wein" eingeschenkt hat. Wie die Zukunft aussehen könne, stehe aber zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig in den Sternen: "In zwei Wochen kann ich dazu sicher mehr sagen." "Schmerzgrenze erreicht" „Die Schmerzgrenze ist erreicht“, sagt Robert Brandt, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender von Finnah. Hätte nicht gestern die Geschäftsleitung den Insolvenzantrag gestellt, wäre die Belegschaft diesen Schritt gegangen: „Wir hatten nach einer Betriebsversammlung mit einstimmigen Votum dafür schon alles vorbereitet, denn so konnte es nicht weiter gehen.“ „Im Februar erst haben wir den Dezemberlohn bekommen, im April den für Januar“, so Brandt. Und am 15. Juni sei das letzte Mal Geld an die Mitarbeiter überwiesen worden – „das letzte Viertel des ausstehenden März-Gehalts.“ Das mache auf die Dauer kein Vermieter mit, weiß Brandt, und wer Kredite abzutragen habe, stehe ebenfalls auf dem Schlauch. Dass die Belegschaft in dieser Situation die Arbeit in der Produktion niedergelegt habe, sei richtig – „aber so weitermachen, war undenkbar“, sagt der 58-Jährige, der schon seit 26 Jahren dem Unternehmen die Treue hält – davon über 20 Jahre im Betriebsrat. In der Insolvenz sehen Brandt uns seine Kollegen eine Chance – nicht nur dafür, endlich wieder (Insolvenz-)Geld mit nach Hause bringen zu können. „Wir hoffen sehr, dass sich ein Interessent findet, der das Unternehmen weiter führt.“ Denn die Produktpalette des Sondermaschinenherstellers sei gefragt und die Auftragslage gut. Das Problem: Die Spezialfirmen kosteten schnell einige Millionen Euro. Früher seien Anzahlungen der Kunden üblich gewesen, seit der Wirtschaftskrise werde erst bei Auslieferung gezahlt. 

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