„Finnah Packtec“-Pleite: kein Investor gefunden, 42 Mitarbeiter betroffen

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Anfang des Jahres hat das Ahauser Unternehmen „Finnah Packtec“ Insolvenz angemeldet. Die Hoffnung auf einen Investor zerschlug sich. 42 Mitarbeiter verloren daher ihren Job.

Ahaus

, 30.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon Ende August rückten in der Ahauser Einsteinstraße die Lastwagen an. Möbelpacker räumten die letzten verbliebenen Sachen aus Lagerhallen und Büroräumen des Ahauser Unternehmens „Finnah Packtec“. Seitdem steht das Gebäude leer, drinnen herrscht eine Geisterkulisse. Auf dem Briefkasten steht: „Bitte keine Post etc. mehr einwerfen. Die Firma Finnah Packtec ist erloschen.“

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Nun bestätigte Insolvenzverwalter Stefan Meyer von der Pluta Rechtsanwalts GmbH, was schon lange kein Geheimnis mehr war: „Der Geschäftsbetrieb musste Ende März insolvenzbedingt stillgelegt werden.“ Nur noch die bestehenden Aufträge wurden seitdem planmäßig abgearbeitet.

Corona erschwert die Suche nach Investoren

Das im Ahauser Industriegebiet ansässige Unternehmen hatte im Januar dieses Jahres aufgrund von Liquiditätsschwierigkeiten einen Insolvenzantrag stellen müssen. Es war bereits der dritte innerhalb von elf Jahren. Der vorsichtige Optimismus, den Insolvenzverwalter Stefan Meyer damals noch gezeigte hatte („Die Mitarbeiter verfügen über großes Know-how und sind sehr motiviert. Das ist eine gute Basis für den Investorenprozess“), erwies sich als unbegründet.

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Heute erklärt der Sanierungsexperte: „Im Februar und März führten die Verantwortlichen Gespräche mit mehreren potenziellen Investoren. Es konnte jedoch trotz vieler Bemühungen leider kein Investor für den Traditionsbetrieb gefunden werden.“ Grund dafür sei zum einen die aktuell „schwierige gesamtwirtschaftliche Lage“ im Zuge der Coronakrise.

Hoher Kosten- und Konkurrenzdruck

Allerdings führt Meyer auch den hohen Kosten- und Konkurrenzdruck in der Branche ins Feld. Keinen Hehl macht er daraus, dass nach der bereits dritten Insolvenz nur noch eine geringe Bereitschaft der Interessenten bestanden habe, „erneut in eine zukünftige Neuausrichtung des Geschäftskonzepts der Finnah Packtec GmbH mit komplexen Verpackungsmaschinen zu investieren“.

Das Gebäude an der Einsteinstraße steht seit einem guten Monat leer.

Das Gebäude an der Einsteinstraße steht seit einem guten Monat leer. © Markus Gehring

Schlechte Nachrichten sind das vor allem für die 42 ehemaligen Mitarbeiter des Ahauser Unternehmens. Wie man mit ihnen verblieben ist, darüber machte der Insolvenzverwalter keine Angaben. Er bedauere aber die Entwicklungen. Besonders deshalb, weil die Mitarbeiter im vorläufigen Insolvenzverfahren die Betriebsfortführung „sehr motiviert“ unterstützt hätten.

Zweimal fand sich ein Investor

Zweimal war die Suche nach einem Investor in der Vergangenheit positiv verlaufen. 2009 hat das Ahauser Unternehmen erstmals Insolvenz angemeldet, nachdem die 130 Mitarbeiter ein Jahr lang keinen Lohn bekommen und schließlich die Arbeit niedergelegt hatten. Damals fand sich ein Käufer. Doch nur fünf Jahre danach musste auch der Insolvenz anmelden. 90 Mitarbeiter bangten im Jahr 2014 um ihre Jobs. Vier Monate nach dem Insolvenzantrag gab es gute und schlechte Nachrichten.

Ein Investor übernahm das Unternehmen. Jedoch kündigte er 28 Mitarbeitern, der Rest musste einem Haustarifvertrag zustimmen, nachdem die Mitarbeiter 40 statt 35 Stunden pro Woche für denselben Lohn arbeiten sollten.

Die Finnah Packteck GmbH baute seit 1975 Abfüll- und Verpackungsmaschinen, die hauptsächlich in der Molkerei- und Getränkeindustrie zum Einsatz gekommen sind.

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