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Flüssiggas statt Diesel: Spediteur Patrick Vogtt ist Vorreiter in seiner Branche

mlzOttensteiner Spedition

Die Ottensteiner Spedition Vogtt hat ihre Fahrzeugflotte erweitert. Statt auf Diesel setzt Patrick Vogtt (36) auf Flüssiggas. Damit ist er absoluter Vorreiter in der Branche.

Ahaus

, 21.03.2019 / Lesedauer: 4 min

August 2018: Nach monatelanger Hitze fallen die Temperaturen so langsam. Es ist das Ende eines Rekordsommers. Doch er sollte noch lange nachwirken. In das Klagelied der Landwirte stimmen schon bald die Autofahrer mit ein. Denn wegen des niedrigen Wasserstandes zahlreicher Flüsse kommt es zu Lieferengpässen. Der Liter Benzin kratzt teilweise an der 1,70 Euro-Marke. Und auch der Diesel ist auf einem Rekordhoch. „Die Kosten waren extrem. Es war der Moment, in dem ich mich intensiv nach Alternativen umgeschaut habe“, sagt Patrick Vogtt, Geschäftsführer der gleichnamigen Ottensteiner Spedition.

Mit „Alternativen“ meint der 36-Jährige alternative Antriebstechniken zum in der Branche bisher konkurrenzlosen Dieselmotor. „Weil auch die Diesel-Fahrverbote nicht weniger werden, habe ich mich mit zahlreichen Kollegen ausgetauscht und Fachblätter gewälzt“, so Vogtt. An einem Artikel in der wöchentlich erscheinenden Verkehrsrundschau bleibt er hängen. Darin wird ein Spediteur vorgestellt, der von seinen Erfahrungen mit Flüssigerdgas(LNG)-Motoren berichtet. „Das klang für mich hochinteressant. Erst recht, nachdem ich mir auch die Verbrauchswerte genau angeschaut habe“, sagt der Ottensteiner Geschäftsmann.

30.000 Euro teurer, aber deutlich geringerer Verbrauch

25 Prozent weniger verbraucht die LNG-Zugmaschine im Vergleich zur Diesel-Variante. Auch der CO2-Ausstoß ist 20 Prozent geringer. Dass er dafür 30.000 Euro mehr kosten soll, schreckt Patrick Vogtt nicht ab. Allerdings gibt es schon damals ein großes Problem, das bis heute besteht. „Wir haben genau drei LNG-Tankstellen in ganz Deutschland. Eine steht in Hamburg, eine in Berlin, eine im bayrischen Nördlingen.“ Für fast alle Spediteure in Deutschland ist das schon ein Ausschlusskriterium.

Doch Patrick Vogtt lässt die Idee nicht los. Und die Nähe zur niederländischen Grenze entpuppt sich als Standortvorteil. „Unsere Nachbarn sind in diesem Bereich viel weiter. 25 LNG-Tankstellen gibt es hier bereits“, sagt Vogtt. Eine davon liegt in Achterhoek, rund 30 Kilometer von Ottenstein entfernt. Bei der Spedition Vogtt packt man den Rechenschieber aus. Das Ergebnis: Es könnte sich rentieren.

Bestellung bei Volvo in Münster

Also informiert sich Patrick Vogtt bei den bekannten Herstellern über Angebote. „Ich habe schnell gemerkt, dass es in Deutschland eine ungewöhnliche Anfrage war“, berichtet Vogtt. Vier LNG-Zugmaschinen bestellt er schließlich Ende 2018 beim schwedischen Hersteller Volvo. Anfang März standen sie am Auslieferungsstandort Münster vollgetankt bereit.

Der erste Eindruck? „Sie fahren sich nicht anders als die Diesel-Fahrzeuge. Die Motoren sind genauso leistungsstark. Allerdings sind sie deutlich leiser“, sagt Patrick Vogtt. Eine gravierende Umstellung gibt es beim Tankvorgang. Weil das Flüssiggas auf minus 165 Grad runtergekühlt wird, braucht es eine spezielle Schutzkleidung. „Aber daran gewöhnt man sich schnell“, sagt Vogtt.

Flüssiggas statt Diesel: Spediteur Patrick Vogtt ist Vorreiter in seiner Branche

Das Flüssigerdgas (LNG) wird auf minus 165 Grad gekühlt. Deshalb braucht es besondere Sicherheitsvorkehrungen beim Tankvorgang. © Privat

Und auch seine Fahrer zeigen sich offen für die neuen Sattelschlepper. Mehrmals pro Woche werden seitdem frische Lebensmitteln nach Berlin und Hamburg gefahren. Andere Routen kommen aktuell aufgrund fehlender Tankstellen nicht infrage. Das könnte sich in Zukunft aber ändern. „Die Bundesregierung plant, dass Ende 2019 alle 300 Autobahnkilometer eine LNG-Tankstelle stehen soll. Das ist aber nicht einmal im Ansatz zu schaffen“, klagt Vogtt.

Drehkreuz Kassel könnte neue Routen eröffnen

Immerhin: In Kassel könnte nach aktuellem Stand der Dinge schon in den nächsten Monaten eine Flüssiggas-Tankstelle eröffnen. „Kassel ist durch seine Lage Dreh- und Angelpunkt für Deutschlands Spediteure. Das könnte uns neue Routen eröffnen“, erklärt der Ottensteiner. Auch um eine Tankstelle in Münster halten sich Gerüchte. „Die wäre aber frühestens im Februar 2020 fertig“, sagt Vogtt.

Wenn die Pläne der Politik irgendwann in die Tat umgesetzt werden sollten, kann sich Patrick Vogtt gut vorstellen, in Zukunft nur noch auf Flüssiggas zu setzen. Bisher machen die vier Fahrzeuge nur gut 15 Prozent seiner Flotte aus. „Es könnte der Treibstoff der Zukunft sein. Bei einem flächendeckenden Tankstellennetz, hätte ich auch jetzt schon gerne mehr investiert“, so den 36-Jährige. Denn die umweltschonende Motorenvariante wird auch vom Staat gefördert. „Die ersten zwei Kalenderjahre sind die LNG-Fahrzeuge mautbefreit. Nach meinen Kalkulationen könnten sie sich schon nach einem Jahr rentieren.“

Doch das ist noch Spekulation. Denn bei allen Vorteilen bleibt auch eine Unbekannte, wie Patrick Vogtt erklärt: „Es gibt noch keine großen Erfahrungswerte, auf die wir uns beziehen können. Aber wir haben uns bewusst für die Rolle des Vorreiters entschieden.“

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