Alfred Thiel: Frauen wollen sich im Schützenverein nicht als Anhängsel fühlen

mlzSchützen Oldenburg

Der Schützenverein Oldenburg nimmt jetzt auch Frauen auf. Seit diese Entscheidung öffentlich wurde, hat Präsident Andreas Thiel viele Reaktionen bekommen – von Befürwortern und Gegnern.

Ahaus

, 16.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ist Schützenfest Männersache? Für Alfred Thiel ist das keine Frage mehr. Sein Schützenverein Oldenburg hat bei der Generalversammlung beschlossen, Frauen ab 16 Jahren aufzunehmen. Und das mit nur einer Enthaltung, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion noch einmal betont.

Auf keinen Fall, auch das betont er, will er andere Vereine nötigen, diesem Beispiel zu folgen. Auch nicht beim internen Treffen der fünf Ahauser Stadtschützenvereine im Januar. Thema allerdings, das hatte Andreas Lackmann, Chef des Protokolls beim Bürger- und Junggesellenschützenverein Ahaus, gesagt, könnte die Mitgliedschaft von Frauen dann schon sein. Thema, so berichtet Alfred Thiel, war die Entscheidung seines Vereins in diesen Tagen auch bei vielen Schützenvereinen, auch außerhalb von Ahaus.

Schon 15 neue Mitglieder

Für Alfred Thiel gibt es gar keine Zweifel: „Ohne Frauen kann kein Schützenfest gefeiert werden.“ Seit der Generalversammlung sind bereits 15 Frauen in den Verein eingetreten. Ihre Kommentare zitiert er so: „Warum habt ihr das nicht schon lange gemacht.“

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Der Präsident erläutert: „Wir werden und sind immer wieder von Alleinstehenden, Geschiedenen, Verwitweten und vielfach auch von ganz jungen Frauen (auch unseren Töchtern und deren Freundinnen) angesprochen worden, ob sie nicht in den Verein eintreten könnten, um sich nicht als geduldetes Anhängsel zu fühlen und alles, wirklich alles, mitmachen zu können.“

Alfred Thiel selbstbewusst: „In der Bundesrepublik Deutschland spricht man überall von Gleichberechtigung – wir leben sie“. Er verweist auf die Bundeswehr, in der ja Frauen dienen und das auch in Kriegs- und Krisengebieten. Warum also nicht auch Schützinnen in Vereinen, die sich darauf beziehen, vor Jahrhunderten wehrhaft zum Schutz der Städte beigetragen zu haben.

Schon einige Vereinsmeisterinnen

Dass Frauen mit der Waffe gut umgehen können, zeigen sie auch im Schützenverein Oldenburg. „Bei uns sind schon mehrmals Frauen als Vereinsmeister geehrt worden, Sie haben besser geschossen als alle Männer.“

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Argumente, Frauen dürften ja mitmarschieren und mitfeiern, lässt Thiel nicht gelten. „Entweder Frauen sind integriert mit allen Rechten oder nicht.“ Im Blick hat er besonders eine Zielgruppe: „Es gibt immer mehr Menschen, die alleine leben. Sie sollen alle mitmachen können.“

Alleinstehende fühlen sich Almosenempfänger

Er nennt ein Beispiel. Alleinstehende und verwitwete Damen werden vom Verein immer ausdrücklich eingeladen, bei Aktivitäten mitzumachen. Zum Beispiel zum Kaffeetrinken und Kuchenessen. Für Mitglieder ist diese Aktivität im Beitrag enthalten. „Aber sie wollen nicht kommen, weil sie sich wie Almosenempfänger fühlen.“

Ob die Frauen im Verein irgendwann sich auch im Ehrenamt engagieren wollen, sei es im Vorstand oder als Offizier also, oder ob eine Frau den Vogel von der Stange schießen will, das werde die Zukunft zeigen. Alfred Thiel: Wir sind hierfür bereit.“

Und noch eines sagt er: Der Vorstoß von Olaf Scholz, reinen Männervereinen die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt. Wie die meisten Schützenvereine sind auch die Oldenburger nicht gemeinnützig. Thiel: „Das allerdings ist meiner Meinung nach nicht richtig.“

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