Freispruch für 55-jährigen Traktorfahrer aus Ahaus

Mangel an Beweisen

Mit einem Freispruch aus Mangel an Beweisen endete am Freitag ein Strafverfahren gegen einen 55-jährigen Ahauser Traktorfahrer wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Ahaus. Der Mann war mit seinem Traktor sowie einem unbeleuchteten Miststreuer in der Dunkelheit unterwegs und dabei mit einem Motorradfahrer kollidiert, der sich bei dem Unfall schwerste Kopfverletzungen zugezogen hatte.

AHAUS

, 12.02.2016, 14:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Unfallstelle vom Oktober 2014 auf dem Düwing Dyk in Unterortwick.

Die Unfallstelle vom Oktober 2014 auf dem Düwing Dyk in Unterortwick.

Nach Ansicht von Staatsanwalt und Richter hatte sich durch die Beweisaufnahme nicht mit der nötigen Sicherheit belegen lassen, dass der Beschuldigte den Zusammenstoß durch sein Verhalten verursacht hatte. Ereignet hatte sich der Verkehrsunfall Anfang Oktober 2014 gegen 20.45 Uhr.

Damals hatte der Beschuldigte mit seinem Trecker und dem Miststreuer einen Nebenweg in Unterortwick befahren, obwohl im bekannt war, dass die Beleuchtung des Miststreuers defekt war. Er ließ daher zunächst seinen Sohn mit einem PKW hinter dem Gespann herfahren, um für die nötige Beleuchtung zu sorgen. Kurz nach dem Linksabbiegen auf den Düwing Dyk in Richtung Ahaus kam es zum Zusammenstoß mit dem Motorrad eines 46-jährigen Mottoradfahrers aus Gronau, der die Straße aus Richtung Vreden befuhr.

Aussage verweigert

Vor Gericht wollte sich der Angeklagte nicht zum Unfallgeschehen äußern, auch sein 36-jähriger Sohn machte als Zeuge von seinem Auskunfts- und Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Ein Kraftfahrzeugsachverständiger schloss in seinem Gutachten den Abbiegevorgang des Gespanns als Unfallursache aus.

Der Traktor sei durch seine Leuchten und der Anhänger durch die Scheinwerfer des folgenden PKW beim Einfahren in die Hauptstraße für den Motorradfahrer erkennbar gewesen. Es gebe auch keinerlei Anhaltspunkte für eine Vorfahrtsverletzung, da die Kollision erst 13 Sekunden nach dem Abbiegen erfolgt sei. Der Motorradfahrer habe daher auch bei Tempo 100 genügend Zeit gehabt, auf das Gespann durch Bremsen oder Ausweichen zu reagieren. Bremsspuren waren am Unfallort aber nicht festgestellt worden.

Erinnerungslücken

Das 46-jährige Unfallopfer selbst gab vor Gericht gab an, sich nicht mehr an den Zusammenprall erinnern zu können. Er wisse nur noch, dass er von zuhause aus losgefahren sei. Der Mann war mit schwersten Kopfverletzung in die Klinik nach Enschede verbracht worden. Für ihn hatte der Aufprall auf den Anhänger weitreichende Folgen. Er kann seinen Beruf als Dachdeckermeister nicht mehr ausüben und ist inzwischen Frührentner. Zudem ist die Sehkraft auf beiden Augen beträchtlich gemindert und er hat sein Riech- und Schmeckvermögen fast völlig eingebüßt.

In seiner Urteilsbegründung machte der Richter deutlich, dass die Unfallursache nach Überzeugung des Gerichts wohl mit einer Verkettung von mehreren unglücklichen Zusammenhängen erklärt werden müsse.

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