Pater Anselm Grün beim Schlossgespräch in der Marienkirche © Andreas Bäumer
Ahauser Schlossgespräch

Für unerträgliche Menschen nutzt Pater Anselm Grün ein „geistiges Zellenverbot“

Sinn, Verantwortung, Hoffnung, Rituale – wie spirituelles Denken und Handeln das familiäre Miteinander in der Pandemie stützen, beschrieb Benediktiner-Pater Anselm Grün beim Schlossgespräch.

Einem interessierten Publikum mit vielen Fragen begegnete Benediktiner-Pater Anselm Grün beim Schlossgespräch – und auch der Ehrfurcht vor ihm, dem vielschreibenden Mönch. Die Gesamtauflage seiner mehr als 30 Buchtitel entspreche mit 20 Millionen der von Cornelia Funke, erwähnte Winfried Terwolbeck vom Ehemaligenverein des Alexander-Hegius-Gymnasiums eingangs.

Im Zentrum des Vortrags lag das im letzten Jahr erschienene Buch „Quarantäne! Eine Gebrauchsanleitung: So gelingt friedliches Zusammenleben zu Hause“. Spirituell und doch lebensnah, immer wieder mit Bezug auf persönliche Gespräche und moderne Philosophen sprach Pater Anselm in der ausverkauften Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt vor rund 160 Menschen. Dabei schuf er geistige Welten um Begriffe wie Akzeptanz, Sinn, Ritual, Verantwortung und Hoffnung.

Anselm Grün trägt sich in das goldene Buch der Stadt Ahaus ein.
Benediktiner-Pater Anselm Grün trägt sich – dazu eingeladen von Bürgermeisterin Karola Voß – in das goldene Buch der Stadt Ahaus ein. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Der 76-Jährige trug sich in das goldenen Buch der Stadt Ahaus ein, dann interviewten ihn die Organisatoren Winfried Terwolbeck und Dr. Nikolaus Schneider, Leiter der VHS. Nach dem Vortrag stellte er sich über ein Web-Formular gesammelten Publikumsfragen. Dabei begegnete er den Anwesenden und den über den Stream Teilhabenden lebensnah, klar und zugewandt.

Seine Antwort auf die Frage, was er täglich esse: „Ich ess, was auf den Tisch kommt.“ Sein Weg mit der Außenwelt Kontakt zu halten während der Quarantäne des Klosters: Instagram und Facebook. Zum erträglichen Umgang mit unerträglichen Menschen nutzt er ein geistiges Zellenverbot für diese Menschen. Er denkt daheim in seiner Mönchszelle nicht über diese Menschen nach. Andererseits aber sieht Grün solche Begegnungen auch als Spiegel dafür, „was in mir nicht erträglich ist.“

Winfried Terwolbeck interviewte Anselm Grün.
Winfried Terwolbeck vom Ehemaligenverein des AHG und Dr. Nikolaus Schneider, dem Leiter der VHS interviewten Anselm Grün zum Einstieg in der Vortrag. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Grün wurde nach dem Abitur Benediktiner

Schon als 13-Jähriger ging Grün in das Internat der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg, wo er nach dem Abitur sein Noviziat begann. Nach der Promotion als Theologe und einem BWL-Studium war er von 1977 bis 2013 Cellerar der Abtei und somit wirtschaftlicher Leiter der Klosterbetriebe.

Innerhalb des Ordens beschäftigt seine Mitbrüder und ihn das Mönch-Sein in einer neuen Zeit und fernöstliche Meditation. Mit seinem Brüdern singt Grün frühmorgens in Mönchs-Skolar gregorianische Gesänge: „Wir versuchen, so zu singen, dass das Schweigen hörbar wird.“ Inzwischen stehen sie in Münsterschwarzach 5 Minuten früher auf, um pünktlich um 5 Uhr mit dem Morgenlob zu beginnen, berichtet Grün.

Anselm Grün signiert eines seiner Bücher.
Bestsellerautor mit Fangemeinde: Anselm Grün signiert eines seiner Bücher. Mehr als 300 Titel sind derzeit von ihm erhältlich. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Als Autor und Referent hat Grün einen vollen Terminplan. Somit war nicht nur die Pandemie der Grund dafür, dass er erst jetzt in Ahaus vortrug, obwohl die Idee dafür kurz nach Neujahr 2020 entstanden war. Dass die Schlossgespräche diesmal in der St.-Marien-Kirche stattfand, gab Grüns frei geführter, eindringlicher Rede einen passende Umgebung und ermöglichte, dass Organist Jan Willem Dokter die Worte wundervoll mit meditativer Musik umrahmen konnte.

Jan Willem Dokter an der Orgel
Das erste Schlossgespräch mit Musik: Jan Willem Dokter spielte meditativ an der Orgel. © Andreas Bäumer © Andreas Bäumer

Rituale, so sagte Anselm Grün, „schaffen Heimat und geben Anteil an den Wurzeln.“ Das könne schon mit den ersten Tätigkeiten des Morgens beginnen, zum Beispiel damit den Segen Gottes in die Räume strömen zu lassen, indem die Vorhänge weggezogen und die Fenster geöffnet werden. Am Abend dann können wir „den Tag Gott hinhalten und mit der Brille der Dankbarkeit auf den Tag schauen.“

Als Beispiel für ein Ritual und vielleicht auch als Hinweis auf den Reichtum der christlichen Tradition betete Grün am Ende mit den Anwesenden ein 1600 Jahre altes Gebet unter der für ihn „umarmenden Geste“ des Kreuzes.

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