Fußballstar José Holebas fühlt sich von Ahauser um 80.000 Euro geprellt

mlzBetrugsprozess

Der Betrugsprozess begann mit einer Morddrohung und endete mit einem Freispruch. Prominenter Zeuge war der Fußballstar José Holebas, der eigens mit dem Auto aus London angereist war.

Ahaus

, 01.07.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Montag, kurz vor 11 Uhr im Amtsgericht Ahaus. Ein Justizbeamter flüstert dem Richter ins Ohr. Der erklärt dann laut für alle: „Wir haben eine Bedrohungslage. Ein Zeuge hat den Justizbeamten berichtet, dass er aus der Türkei eine Morddrohung erhalten habe. Es sei seine Erschießung im Gerichtssaal angekündigt worden.“ Der Richter bleibt gelassen und wendet sich an den Justizbeamten: „Ich hoffe, Sie wissen das zu verhindern“. Der Justizbeamte nickt. Die Sicherheitsmaßnahmen seien schon verschärft worden. In seiner Sicherheitsweste nimmt er am Zuhörereingang Platz. Der Prozess kann beginnen. Die Morddrohung wird in den nächsten vier Stunden keine Rolle mehr spielen.

Fußballprofi im Zeugenstand

Ungewöhnlich bleibt der Prozess dennoch. Vor allem wegen des Auftritts eines prominenten Zeugen: Profifußballer José Holebas. Gegen ihn richtete sich die Morddrohung nicht. Der in Aschaffenburg geborene, 35-jährige griechische Nationalspieler steht in der englischen Premier League beim Londoner Klub FC Watford unter Vertrag. Zuvor kickte er aber auch schon für 1860 München, Olympiakos Piräus und spielte in der Champions League für den AS Rom.

Jetzt lesen

Ins Ahauser Amtsgericht führte ihn aber nicht der Fußball, sondern sein „Hobby“: die Mode und das Design. „Ich habe am iPad das Design für Hoodies und T-Shirts gemacht.“ Die wollte er in seinem Onlineshop verkaufen. Um die Produktion der Textilien sollte sich ein 46 Jahre alter Ahauser mit besten Kontakten zu Textilproduzenten in der Türkei kümmern. Er steht am Montag als Angeklagter vor dem Ahauser Amtsgericht.

„Ich war totaler Amateur“

Ihm hatte der Fußballprofi gleich 80.000 Euro Vorschuss gezahlt, obwohl zunächst nur 40.000 als Anzahlung ausgemacht waren. „Ich wollte, dass es schnell geht“, sagt Holebas vor Gericht. Und: „Ich war in Sachen Mode totaler Amateur. Ich habe diesem Mann vertraut.“

Jetzt lesen

Tatsächlich sind die Textilien nie produziert worden. Einblicke in die Details gibt Holebas betont lässig und mitunter demonstrativ genervt. „Das ist alles drei, vier Jahre her. Ich weiß es nicht mehr so genau.“ Klar ist nur, dass die produzierten Muster Holebas nicht zusagten, als der Ahauser sie dem Fußballprofi in dessen Privathaus in Aschaffenburg vorstellte. Danach, so sagt Holebas, habe er nie wieder von dem Angeklagten gehört. „Da war völlige Funkstille.“

Angeklagter bestreitet Betrugsvorwurf

Der Beschuldigte verwahrte sich im Strafprozess gegen den Betrugsvorwurf. „Ich habe das ganze Design gemacht. Ich bin mehrfach in die Türkei gereist, um dort Absprachen zu treffen. Der Holebas hatte ja keine Ahnung von Textilien. Immer wieder hatte er neue Wünsche. Ich war fix und fertig.“ Kurzum: die 80.000 Euro seien angemessen für seine Leistungen. Der finanzielle Verlust schmerzte den Fußballprofi offenbar nur wenig. Zivilrechtlich machte er bislang keine Ansprüche gegen den Ahauser geltend.

Junger Mann fühlt sich ruiniert

Einen 27-jährigen Mann aus Merbusch führte eine ähnliche geschäftliche Verbindung zum Ahauser Angeklagten in den Ruin. Wie der Fußballprofi wollte der 27-jährige Fitnesstrainer ins Textilgeschäft einsteigen. Dafür nahm er einen KfW-Existenzgründerkredit auf. Für die Produktion von Tanktops und Jogginganzügen zahlte er dem Angeklagten über 20.000 Euro. Auch er bekam dafür nur einige Muster. Dann brach der Kontakt ab. „Ich habe E-Mails und Einschreiben abgeschickt. Da ist nie mehr etwas zurückgekommen“, so der 27-Jährige. Vor Gericht sagt er: „Es war ein teurer Fehler, dass ich so gutgläubig war.“

Der Angeklagte macht auch hier immer neue Änderungswünsche seines Auftraggebers geltend. Die Aufträge seien am Ende von den Zeugen storniert worden. Er glaube, dass die angeblich Geschädigten seine Designmuster dazu nutzten, um woanders in der Türkei noch günstiger produzieren zu lassen.

„Im Zweifel für den Angeklagten“

Nach fast vier Stunden Beweisaufnahme raucht dem Richter der Kopf: „Es ist ein sehr undurchsichtiges Bild.“ Der Staatsanwalt sieht klarer: „Im Strafprozess ist der Angeklagte im Zweifel freizusprechen“, stellt er gleich zu Beginn seines Plädoyers fest. Betrügerische Absicht sei dem Angeklagten nicht nachzuweisen. Alle Verträge seien nur mündlich geschlossen worden.

Andere Beispiele zeigten, dass der Angeklagte durchaus Verträge erfüllt habe. Die Vertragsdetails zivilrechtlich zu bewerten, sei nicht die Aufgabe des Strafprozesses. Der Richter schließt sich diesem Plädoyer an und spricht den Angeklagten frei. Der muss sich aber noch wegen ähnlich gelagerter Fälle in weiteren Prozessen verantworten.

Mit der Mode „total im Minus“

Der 27-jährige Merbuscher, der immer noch seinen Existenzgründerkredit abstottern muss, nimmt das Urteil fassungslos zur Kenntnis. Fußballprofi José Holebas ist seinem „Hobby“ Mode treu geblieben. Für 300.000 Euro hat er inzwischen mit einem anderen Partner Textilien produzieren lassen. Eingenommen hat er damit in drei Jahren aber nur 30.000 Euro. „Da bin ich total im Minus“, sagte er beiläufig. Das Urteil wartet er nicht in Ahaus ab. Er ist bereits mit dem Auto wieder auf dem Weg nach London: „Heute ist Trainingsauftakt!“ Zuvor hat der Richter dem Fußballmillionär noch ein Formular für die Fahrtkostenerstattung überreicht.

Lesen Sie jetzt