Ahauser Gastronom Franco Lombardi wagte sieben Mal den Neuanfang – der nächste steht an

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Mehr als ein Vierteljahrhundert prägt Franco Lombardi die Ahauser Gastronomieszene. Das Besondere: Sechs Mal ist der Italiener mit seinen Lokalen umgezogen. Jetzt plant er den nächsten.

Ahaus

, 20.12.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Seit 1993 bietet Franco Lombardi in Ahaus italienische Küche an. Vielfalt stand dabei nicht nur auf seinen Speisekarten, sondern war auch bei seinen Standorten angesagt. Sechs Mal ist er innerhalb von Ahaus umgezogen, jetzt im Ortsteil Wessum angekommen. Das passt zu seinem Leben. Fest verwurzelt ist er nur in der italienischen Küche. Und in seinem Heimatdorf. Aber dazu später mehr.

Mit 18 Jahren von Italien nach Deutschland gekommen

Mit 18 ist Franco Lombardi von Italien weg, nach Deutschland. Das war 1966. Sein erstes Ziel war Leverkusen, dort hat er in einer Fabrik gearbeitet. 1968 wechselte der junge Italiener dann in die Gastronomie: Er nahm einen Job in einem Hotel in Goslar an. „Ich wollte kellnern“, blickt er zurück. Schon als Kind und Jugendlicher habe er diesen Berufswunsch entwickelt, denn Kellner und Kellnerinnen in Italien in ihrer adretten Arbeitskleidung hatten immer Eindruck gemacht beim jungen Franco Lombardi.

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Aber statt im Service fing er in der Spülküche des Hotels an. „Aber nur eine Woche“, erinnert er sich schmunzelnd, „dann hat der Küchenchef mich in die Küche geholt“. 1978 wechselte er nach Bad Harzburg. In einem Hotel in dem bekannten Kurort sammelte er weitere Erfahrungen auch in der deutschen Küche.

Nach acht Jahren Arbeit in deutschen Hotels machte er sich selbstständig im Harz.

Um dann noch einmal in sein Heimatland zurückzukehren: In den Sommermonaten arbeitete er von 1986 bis 1993 in den Sommermonaten als Hotelkoch im beliebten Badeort Rimini und in den Wintermonaten in Pizzerien. Seinerzeit legte er auch in Italien die Meisterprüfung im Hotelfach ab. „Das entspricht nicht der deutschen Meisterprüfung, ist aber Voraussetzung, um in Italien eine Gaststätte zu führen“, erklärt der Italiener.

Zufällig nach Ahaus gekommen

1993 kam er dann nach Ahaus. „Das war Zufall“, sagte er. Er war von Italien aus wieder nach Deutschland, zu Verwandten nach Dortmund gezogen. „Dann habe ich Arbeit gesucht, die habe ich in Epe gefunden.“ Von dort suchte er dann ein Ladenlokal, um sich selbstständig zu machen. Und fand eins in Ahaus.

Sein erster Standort: Parallelstraße/Ecke Schorlemerstraße. An der Ampelkreuzung, an den Bahnschienen. „Mona Lisa“ hat er sein Lokal genannt. Und Fischgerichte angeboten, als erstes der italienischen Restaurants. „Ich habe einen Haufen Fisch verkauft“, erinnert er sich. Ein bis zwei Jahre später zogen die Mitbewerber nach, doch zunächst hatte Franco Lombardi das Alleinstellungsmerkmal „Fisch, mediterran zubereitet“.

Der Ahauser Unternehmer Fritz-Dieter Pietsch genoss das eine oder andere von Franco Lombardi zubereitete italienische Gericht im „Mona Lisa“ und brachte ihn dazu, in die von-Braun-Straße umzuziehen. Praktisch neben das Unternehmen Pietsch, mitten ins Gewerbegebiet. „Den Namen habe ich mitgenommen“, sagt der Italiener.

Gute Zutaten für den Belag – das ist neben einem lange und gut gereiften Teig wichtig für eine gelungene Pizza, sagt Franco Lombardi.

Gute Zutaten für den Belag – das ist neben einem lange und gut gereiften Teig wichtig für eine gelungene Pizza, sagt Franco Lombardi. © Markus Gehring

Ein Restaurant mit 90 Plätzen im Gewerbegebiet – war das eine gute Entscheidung? Franco Lombardi lehnt sich etwas zurück. „Da war ein richtiger Ansturm“, sagt er rückblickend. Viele Geschäftsessen fanden statt im „Mona Lisa“, und die „normale“ Kundschaft kam auch noch dazu. Drei italienische Restaurants gab es seinerzeit in Ahaus.

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„Fünf Jahre harte Arbeit“, fasst Franco Lombardi zusammen und sagt damit, warum er den nächsten Standort, das nächste Projekt anging: Er gab das „Mona Lisa“ ab (das noch unter dem selben Namen an der von-Braun-Straße exisitert) und eröffnete mit seiner damaligen Frau ein Ladenlokal in einem selbst gebauten Haus an der Ridderstraße. Auf der anderen Seite der Schorlemer Straße, auch im Gewerbegebiet.

Im Holzofen Pizza gebacken

Dort bot er Wein an, italienische Feinkost und stellte zwischen und Wein- und Feinkostregalen und Schaufenster Tische auf für ein kleines Restaurant in interessantem Ambiente. Dort bot er italienische Küche an, zunächst aber keine Pizza. Dann aber kam der Klassiker doch auf die Karte: Franco Lombardi investierte in einen Holzofen fürs Pizzabacken. Bis 2013 war er dort.

Kurze Zeit habe er dann gar nichts gemacht, blickt der Ahauser zurück. Kochen nur zu Hause – aber das ging nicht lange gut. Das Kochen liegt ihm einfach, sagt er. Und er ist überzeugt, dass es von Vorteil ist, dass er Italiener ist: „Wir haben schon als Babys Nudeln gegessen“, meint er vielsagend. Kochen sei auch Gefühlssache. Er genieße auch gern.

Kenntnisse des italienischen Kochens erweitert und verfeinert

Als er 14 war, zog er von seinem Heimatdorf weg nach Mailand, Arbeiten in einer Fabrik. „Mittags und abends sind wir in Gaststätten essen gegangen“, erinnert er sich. Zum Einen hat er die Kellner beobachtet und bewundert, und zum Anderen auch aus Sicht des Kunden die Gastronomie und die italienische Küche in Gaststätten kennengelernt und genossen. In all den Jahren habe er seine Kenntnisse des italienischen Kochens erweitert und verfeinert.

Zurück nach Ahaus ins Jahr 2015. Mittlerweile war sein Sohn Alessandro ins Geschäft eingestiegen, kümmerte sich um Handel und Vertrieb von italienischem Wein. In der ehemaligen Traditionsgasststätte „Alt Ahaus“ an der Bahnhofstraße richteten sie ein Ladenlokal ein. Damit war Franco Lombardi quasi erstmals in der Stadtmitte angekommen mit seinem Restaurant und angeschlossenem Weinhandel.

Auf die andere Straßenseite gezogen

Von dort zog er im Juli 2016 quasi nach gegenüber auf die andere Seite der Bahnhofstraße. Sohn Alessandro stieg mit ins Geschäft ein, die Lombardis legten den Fokus auf italienischen Wein. Aber der Elektro-Pizzaofen zog mit. Pizza außer Haus, von Franco Lombardie gebacken, war ein weiteres wichtiges Standbein.

2017 zog er nach Schwierigkeiten mit dem Vermieter um zur Schorlemer Straße, grob wieder in die Richtung von-Braun-Straße/Ridderstraße. „Vinoamano“ – „Wein aus guten Händen“ – heißt von da an das gemeinsame Geschäft von Franco und Alessandro Lombardi. Als dort Ende 2018 der Mietvertrag auslief, machten sich die Lombardis wieder auf die Suche nach einem neuen Standort. „Wir mussten mehr Platz haben“, sagt Franco Lombardi. Der Weinhandel war richtig in Schwung gekommen.

„Die Leute finden mich“

Der sechste Umzug brachte dann eine Neuheit mit sich: Das Geschäft zog nach Wessum. Erstmals Ortsteil. Ein Nachteil? „Der Standort war für mich noch nie ein Nachteil“ sagt der 71-Jährige und lächelt. „Die Leute finden mich.“ An der Schulstraße muss der Kunde im Kreisverkehr auf den Parkplatz von „Vinoamano“ abbiegen, wo Franco Lombardi wiederum seinen Elektro-Ofen aufgestellt hat.

In dem Ladenlokal in Wessum werden Weinproben abgehalten, dann gibt es auch feine Kleinigkeiten zu essen dazu. Aber: Das Ladenlokal ist keine Gaststätte, „zu mehr als 95 Prozent wird abgeholt“, sagt der 71-Jährige. Pizza und eine kleinste Auswahl an Salaten und Antipasti bietet Franco Lombardi zum Mitnehmen an.

Rückkehr in sein Heimatdorf Noepoli

Aber die Fans der Lombardi-Pizza müssen bald Abschied nehmen: Geplant Ende Mai 2020 wird Franco Lombardi, der immer italienischer Staatsbürger geblieben ist, in sein Heimatdorf Noepoli zurückkehren. „Ich mache aber kein Lokal auf“, kommt er der Frage zuvor. Aber auch, wenn er nicht mehr jeden Tag in der Küche stehen will: Er bleibt der gehobenen mediterranen Küche treu.

Er möchte mit den Produkten aus seiner Heimatregion Haltbares herstellen. Nudelsaucen mit dem Fleisch von Charolais-Rindern eines befreundeten Züchters oder auch zu Saisonzeiten Marmeladen oder Cardoncelli-Pilze sollen dann, gut konserviert, auch in Ahaus zu kaufen sein. Bei Alessandro Lombardi soll das Feinkost-Angebot das Weinangebot abrunden.

„Auch mit der deutschen Küche gute Erfahrungen gemacht“

Und wenn er dann nach Ahaus zu Besuch kommt, darf er sich auf sein deutsches Lieblingsgericht freuen: Gulasch hat er immer gern gegessen in den Hotels, in denen er gearbeitet hat. „Ich habe auch mit der deutschen Küche gute Erfahrungen gemacht.“

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