Pfarrer Stefan Jürgens befürwortet, dass Geistliche schnell gegen das Coronavirus geimpft werden. Auch sie seien in Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern im Einsatz. © Christian Bödding
Coronavirus

Geistliche wurden geimpft, obwohl sie nicht zur höchsten Kategorie zählten

Mitglieder des Seelsorgeteams in Ahaus sind bereits gegen das Coronavirus geimpft, obwohl sie bisher nicht zur höchsten Impf-Kategorie zählten. Pfarrer Stefan Jürgens erklärt warum.

Wurden Geistliche in Ahaus gegen das Coronavirus geimpft, obwohl sie bisher noch nicht in die höchste Kategorie eingruppiert wurden? Ja. Stefan Jürgens, leitender Pfarrer der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt, räumt das gegenüber unserer Redaktion ein.

Einige im Seelsorgeteam seiner Gemeinde seien geimpft worden. Sie hätten Dosen erhalten, die in den Pflegeheimen nicht verimpft werden konnten. „Das waren Angebote, die extrem kurzfristig kamen und für die man erreichbar sein musste“, sagt er. Dabei spricht er von teilweise nur zehn Minuten, die zwischen dem Anruf des jeweiligen Arztes und der eigentlichen Impfung vergangen seien. Andernfalls wäre die Impfdosis verfallen.

Datenschutz: Keine Details über geimpfte Geistliche

Wer in seinem Team wann und wo eine Impfung erhalten hat, beantwortet er nicht – und wirbt um Verständnis: nicht nur wegen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes. Sondern auch, um keine Neiddebatte anzustoßen. Für diese Diskussion hat er nur eine Bezeichnung: „Ganz schrecklich.“

Unabhängig davon befürworte er es ausdrücklich, wenn Geistliche geimpft würden. „Seelsorger machen Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen“, sagt er. Sie seien im Einsatz am Krankenbett oder bei Sterbenden. „Dafür wäre es gut, wenn alle Seelsorger auch geimpft würden“, erklärt Stefan Jürgens.

Auch der Caritasverband im Dekanat Ahaus-Vreden als Träger vieler Alten- und Pflegeheime in der Region beantwortet nicht, ob und welche Geistlichen in den Einrichtungen geimpft wurden. Christian Bödding, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Caritasverband, hat dafür die gleiche Begründung: Datenschutz.

Bistum möchte keine Vorzugsbehandlung für Geistliche

Das Bistum Münster lässt durch eine Sprecherin erklären, dass es der Auffassung sei, dass sich Priester und Diakone dann impfen lassen sollten, „wenn sie – entsprechend staatlicher Vorgaben – an der Reihe sind.“ Das hatte auch der Leiter des Katholischen Büros Nordrhein-Westfalen, Antonius Hamers, gegenüber dem Kölner „Domradio“ Anfang Februar so gesagt: „Der normale Seelsorger ist dann dran, wenn die Ständige Impfkommission das vorgesehen hat.“

Für die Impfung von Krankenhaus-, Polizei-, oder Notfallseelsorgern habe man sich an das Landesministerium gewandt. Ein Krankenhausseelsorger, der in die Abläufe eines Krankenhauses eingebunden sei, solle zusammen mit dem Krankenhauspersonal geimpft werden, so die Bitte.

Geistliche gehören erst seit Mittwoch zur ersten Kategorie

Die Frage dürfte sich in diesen Tagen von selbst erledigen: Der Kreis Borken rechnet die Geistlichen, die in Pflege- und Altenheimen oder Krankenhäusern tätig sind, seit Freitag mit zur obersten Kategorie der Empfänger einer Impfung. „Die Impfverordnung für NRW wurde gerade erst überarbeitet“, berichtet Kreispressesprecher Karlheinz Gördes auf Nachfrage unserer Redaktion am Freitag.

Das bestätigt das Gesundheitsministerium NRW gegenüber unserer Redaktion: Demnach zählen Seelsorger seit dem 17. Februar zur höchsten Kategorie für Impfungen, wenn sie regelmäßig in vollstationären Pflegeeinrichtungen tätig sind. Ihnen sollen Kreise oder kreisfreie Städte Impfungen anbieten. Das gilt auch für Personal von medizinischen Diensten von Hilfsmittel-Diensten oder Sanitätshäusern sowie Fußpfleger oder Frisöre.

Demnach würde der Kreis nun alle Heime anschreiben, um eine genaue Aufstellung derjenigen zu erhalten, die mit den Heimen in Verbindung stehen. Diese Personen sollen dann entsprechend in die Impflisten eingruppiert werden.

Vor Ort entscheidet das jeweilige mobile Impfteam, wer geimpft wird. Sollten Dosen übrig bleiben, liege es in deren Hand, weitere passende Impflinge zu finden. „Sie müssen dann nach Personen der Kategorie I suchen“, erklärt Karlheinz Gördes. Sollte das nicht möglich sein, werde über das weitere Vorgehen zusammen mit dem Impfzentrum entschieden.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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