Gemeinden organisieren Unterkunft für serbische Familie

Kirchenasyl in Ahaus

Familie Arifovic hat vorerst ein neues Dach über dem Kopf. Die katholische Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt gewährt der fünfköpfigen Familie Kirchenasyl. Ein Vorstoß, den auch die evangelische Christusgemeinde so mitträgt. Das haben die Pfarrer Heinrich Plaßmann und Olaf Goos am Freitag unserer Redaktion bestätigt.

AHAUS

, 04.11.2016, 19:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bereits am Donnerstagnachmittag hatte ein runder Tisch mit Vertretern der Kirchengemeinden, einiger Parteien, Integrationslotsen und dem Ehepaar Arifovic getagt. Dort war die Idee für das Kirchenasyl diskutiert worden. Zunächst sollte jedoch die Zustimmung der Gemeindegremien eingeholt werden. „Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat tragen den Vorschlag gemeinsam mit“, erklärte Pfarrer Heinrich Plaßmann. Parallel sollen weiter Gespräche geführt werden.

Wie Pfarrer Olaf Goos von der evangelischen Christus-Kirchengemeinde Ahaus erklärte, stelle sich auch seine Gemeinde uneingeschränkt hinter das Angebot der katholischen Kirche. Das habe das Presbyterium in einer eilig einberufenen Sondersitzung einstimmig entschieden. „Wir waren uns schnell einig“, so Goos. Gemeinsam werde man der Familie Asyl anbieten, sagte er.

Besonderes Schicksal

„Unser Ziel ist es, eine Lösung für die Familie zu finden“, so Plaßmann. Wie lange das dauern werde, sei im Moment aber noch offen.

Im Rahmen der Besprechung am Donnerstag war den Beteiligten wichtig, die besondere Situation der Familie zu betonen: Man engagiere sich so sehr für die Familie, weil der Kreis Borken als Ausländerbehörde den Rat der Härtefallkommission ignoriere. „Das hebt die Familie von anderen schweren Schicksalen ab“, erklärte Jens Steiner, der als Grüner Kreistagspolitiker den Stein ins Rollen gebracht hatte. Somit entstehe durch diese Familie auch kein Präzedenzfall: „Die Härtefallkommission gibt ja nur sehr selten so eine Empfehlung ab“, sagte er.

Kirchenasyl ist keine dauerhafte Einrichtung. „Wir verschaffen der Familie so aber genügend Zeit, dass offene Fragen geklärt werden können“, erklärte Plaßmann weiter. So läuft gerade noch ein Antrag an den Petitionsausschuss des Landtags. Auch der soll sich noch mit dem Fall beschäftigen. Würde er sich hinter die Entscheidung der Härtefallkommission stellen und damit für ein Bleiberecht der Familie Arifovic eintreten, wäre auch das nicht bindend: Es wäre lediglich ein Zeichen in Richtung Kreisverwaltung und Ausländerbehörde.

CDU steht hinter dem Kreis

Während die Kirchen in Ahaus die Familie in Schutz nehmen, stellt sich die Ahauser CDU hinter die Entscheidung des Kreises: Dr. Michael Räckers, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands, stellte gestern in Frage, wie weit man die Hintergründe für die Entscheidung von Ahaus aus beurteilen könne. „Der Kreis hat in diesem Fall sicherlich richtig entschieden“, sagte er. Man müsse alle Betroffenen gleich behandeln, sagte er.

Bürgermeisterin sieht keine Handhabe

Auch Bürgermeisterin Karola Voß teilte gestern den Standpunkt des Kreises. Bei allem Verständnis für das Engagement für die Familie sah sie keine Handhabe mehr: Rechtlich sei der Fall klar. Und daran sei sie als Bürgermeisterin gebunden.

Am Samstag sollen auf dem Oldenkottplatz Unterschriften für ein Bleiberecht der Familie Arifovic gesammelt werden.
Von 10 bis 12.30 Uhr wollen SPD, Grüne und UWG, die Gemeinden sowie weitere Helfer die Passanten auf das Schicksal der Familie aufmerksam machen. Bereits bis Freitagmittag seien schon hunderte Unterschriften zusammengekommen, hieß es auf Nachfrage der Münsterland Zeitung.

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