Geständnis des 62-jährigen Ahausers wirkte strafmildernd

Missbrauchsprozess

Erst erschlich er sich das Vertrauen der Familien, dann verging er sich an den Kindern: Wegen sexuellen Missbrauchs in 549 Fällen hat das Landgericht Münster einen 62-jährigen Ahauser am Dienstag zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Geständnis des Angeklagten wirkte sich strafmildernd aus.

AHAUS/MÜNSTER

02.02.2016, 15:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Durch Fahrdienste, Hilfe bei den Hausaufgaben und andere Gefälligkeiten nahm der Frührentner eine immer größere Rolle im Leben seiner Opfer und deren Familien ein. Zwei der insgesamt drei missbrauchten Mädchen im Alter von acht bis 14 Jahren brachte er ab einem gewissen Zeitpunkt nahezu täglich abends ins Bett. Diese Gelegenheiten nutzte er, um sich an den Mädchen zu vergehen. 

Von den über 1000 angeklagten Fällen in den Jahren 2000 bis 2015 sah das Gericht 549 als erwiesen an und verurteilte den nicht vorbestraften Mann zu acht Jahren und sechs Monaten Haft. Von der Anordnung einer Sicherungsverwahrung im Anschluss an die Haftstrafe sah das Gericht ab. Laut einem psychiatrischen Gutachten sind die medizinischen Voraussetzungen dafür nicht gegeben. 

Umfassendes Geständnis zu Prozessbeginn

Zum Prozessauftakt hatte der Angeklagte, der seit sieben Monaten in Untersuchungshaft sitzt, ein umfassendes Geständnis abgelegt. Das wirkte sich nun strafmildernd aus. "Ohne Geständnis", das betonte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung, "wäre diese Fülle an Taten nicht festzustellen gewesen." Eines der Opfer hatte bei der polizeilichen Vernehmung kaum brauchbare Angaben gemacht. Durch das Geständnis blieb den Geschädigten eine Aussage am Landgericht erspart. Auch die Tatsache, dass die Übergriffe ohne Anwendung von Gewalt erfolgten, wertete die Kammer zugunsten des Angeklagten.

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Auf der anderen Seite war Gewalt aber auch gar nicht nötig, weil die Kinder in dem Mann eine Art Großvater sahen und ihm vertrauten. Der schamlose Vertrauensmissbrauch sei - abgesehen von der "unfassbaren Anzahl" der Vorfälle - der wesentliche strafschärfende Faktor, so der Richter weiter.  

Strafmaß

Mit dem Urteil blieb die Kammer unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die neun Jahre gefordert hatte. Die Vertretungen der Nebenklagen hatten jeweils von einem konkreten Strafantrag abgesehen, jedoch ein Urteil "kurz vor der Höchststrafe" (15 Jahre) angeregt. Die Verteidigung hatte ein Strafmaß von "nicht über acht Jahren" beantragt.

Opfer kämpfen mit Problemen

Bis heute lehnen die Opfer eine Therapie ab. Die Anwältin der heute 28-Jährigen berichtete von einem Suizidversuch ihrer Mandantin im Alter von 16 Jahren. Heute leitet die Frau eine Supermarktfiliale in Düsseldorf. Die Schulnoten der heute 18-Jährigen, die an jedem der vier Verhandlungstermine anwesend war, haben sich seit Bekanntwerden der Vorfälle erheblich verschlechtert. Ihre jüngere Schwester (14) zeigt nach einem Klassenwechsel keine schulischen Auffälligkeiten mehr.

 

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