Gesundheitsminister üben Kritik an Anzeige des Medizinischen Dienstes Westfalen-Lippe

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Alfons Beckmann ärgert sich, wie der Medizinische Dienst der Krankenversicherung um Pflegefachkräfte wirbt. Zwei Minister beziehen Stellung.

Ahaus

, 22.11.2018, 05:31 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alfons Beckmann aus Ottenstein kennt sich im Gesundheitssystem bestens aus. Darum empörte sich der langjährige frühere Verwaltungsleiter des Caritasverbandes Ahaus-Vreden umso mehr über eine Stellenanzeige des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) Westfalen-Lippe.

Gesundheitsminister üben Kritik an Anzeige des Medizinischen Dienstes Westfalen-Lippe

Alfons Beckmann Foto © Foto (A)

„Familie! Beruf! Wochenenden frei! Endlich keine Schichtdienste mehr!“ Das seien doch gute Aussichten für Pflegefachkräfte, warb der MDK mit Ausrufezeichen in einem Wochenblatt in der Region. Der MDK versteht sich als modernes Dienstleistungsunternehmen und ist unter anderem Begutachtungs- und Beratungsdienst im Gesundheitswesen. Träger des MDK sind die gesetzlichen Krankenkassen.

Schreiben an Minister

In einem Schreiben an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann machte Alfons Beckmann im September seiner Verärgerung Luft. Die Stellenanzeige des MDK sei dem Berufsbild der Alten- und Krankenpflege abträglich, heißt es darin. Der Medizinische Dienst verschärfe die ohnehin bekannten, arbeitszeitlichen Nachteile von Pflegekräften.

Gesundheitsminister üben Kritik an Anzeige des Medizinischen Dienstes Westfalen-Lippe

Ein Ausschnitt aus der von Alfons Beckmann kritisierten Stellenanzeige des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung Westfalen-Lippe. © Repro Privat

Alfons Beckmann: „Ich halte es nicht für nötig und für das Berufsbild sogar kontraproduktiv, wenn die Behörde MDK sich als Arbeitgeber empfiehlt, zu dem man wechseln sollte.“ In einer für ihn „unverschämten Art und Weise“ werde deutlich, dass erfahrene und dem Menschen zugewandte Pflegekräfte zur MDK-Behörde wechseln sollten und dort bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Das sei nicht mehr vergleichende Werbung, „das ist Ausgrenzung auf dem Personalmarkt Pflege.“

Gesundheitsminister üben Kritik an Anzeige des Medizinischen Dienstes Westfalen-Lippe

Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen © picture alliance/dpa

So sieht das auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. „Ich teile die Kritik, die Sie an dieser Anzeige äußern“, antwortete der ebenfalls aus Ottenstein stammende Bundesminister vor Kurzem in einem Schreiben an Georg Beckmann. Das sei der MDK-Gemeinschaft unmittelbar nach Erscheinen der Anzeige durch Vertreter seines Hauses sehr deutlich gemacht worden.

Gespräche mit dem MDK geführt

„Die Anzeige wurde daraufhin nicht mehr veröffentlicht.“ Laut Jens Spahn habe die Anzeige die Anstrengungen konterkariert, die er und seine Kollegen in der Konzertierten Aktion Pflege unternehmen würden. Dabei gehe es um Maßnahmen und Ziele zur Verbesserung des Ansehens und der konkreten Arbeitssituation von Personen, die in der Pflege tätig seien. Eine Arbeitsgruppe befasse sich mit Entlohnungsbedingungen in der Pflege, Problemen wie Zeitarbeit oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) © dpa

Die Antwort von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann fiel ebenfalls eindeutig aus. In seinem Brief, den er an Alfons Beckmann schickte, steht: „Ich stimme Ihnen zu, dass die Stellenanzeige des MDK sehr fragwürdig ist, weil sie die eigentliche pflegerische Tätigkeit in Misskredit bringt.“ Damit werde das schwierige Bild der Pflege weiter zementiert. Gerade für die Wochenenden sei es nicht leicht, genügend Fachkräfte einzuplanen.

Mit Blick auf die MDK-Anzeige schreibt Karl-Josef Laumann: „Auch andere Unternehmen mit Bezug zu pflegerischen Fachkräften nutzen teils unfreundliche Abwerbemethoden.“ Aus Gesprächen mit Pflegenden wisse er aber auch, „dass diese sehr genau wissen, was sie von solchen Stellenangeboten zu erwarten haben.“

MDK ist verwundert

Der MDK Westfalen-Lippe, der etwa 210 Ärzte und rund 350 Pflegekräfte beschäftigt, antwortete per Mail an Alfons Beckmann. Das Unternehmen zeigt sich verwundert, dass der Ottensteiner dem Bestreben des Medizinischen Dienstes, seinem gesetzlichen Auftrag nachzukommen, derart negativ gegenüber eingestellt sei.

Sprecher Olaf Plotke teilte unserer Redaktion am Mittwoch auf Anfrage mit, dass die Reaktionen auf die Stellenanzeige den MDK überrascht hätten. Man habe niemanden „verärgern“ wollen. Der MDK habe intern entschieden, die Anzeige nicht mehr zu veröffentlichen. „Das ist auch dem Landes- und Bundesministerium zur Kenntnis gegeben worden.“

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