Girokonten immer teurer: Kunden von Sparkasse und Volksbank betroffen

mlzKontoführungsgebühren

Die Sparkasse Westmünsterland erhöht zum 1. Januar die Gebühren für ihre Girokonten. Bei der Volksbank Gronau-Ahaus müssen viele Kunden schon seit Oktober tiefer in die Tasche greifen.

Ahaus

, 08.11.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kunden der Sparkasse Westmünsterland müssen sich zum 1. Januar 2020 auf eine Erhöhung der Kontoführungsgebühren von bis zu 28 Prozent einstellen. Davon betroffen ist nicht nur das Girokonto „Klassik“, sondern auch das Girokonto „Komfort“.

Zum Jahreswechsel erhöht sich die Gebühr für das Klassik-Konto von monatlich 3,50 Euro auf fortan 4,50 Euro. Das Komfort-Konto wird um 1,50 Euro teurer und kostet ab Januar 9 Euro pro Monat.

Auf Anfrage der Münsterland Zeitung äußert sich Pressesprecher Robert Klein zu den Hintergründen der Preiserhöhung: „Seit Juli 2017 (der letzten Preiserhöhung, Anm. d. Red.) haben wir erheblich in neue Funktionalitäten und Services unseres Girokontos investiert und unseren Kunden auch schon bereitgestellt.“

Außerdem habe man viel in verbesserte Leistungen investiert und in den Ausbau von Standorten investiert. Zum Beispiel am Ahauser Stadtpark oder am Gabelpunkt in Heek.

Sparkasse Westmünsterland reagiert auf zwei Trends

Außerdem habe man auf Trends reagiert. „Persönliche Beratung bei komplexeren Themen wird stärker nachgefragt, ebenso die digitalen Services für Alltagsgeschäfte. Letzteres führt dazu, dass unsere Kunden für Service-Angelegenheiten seltener als früher in unsere Filialen kommen“, sagt Klein.

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An größeren Standorten bündele man daher die Beratung aus kleineren Standorten, um „die Beratungsqualität dauerhaft sicherzustellen“. Dennoch bleibe die Sparkasse Westmünsterland in der Fläche mit Bargeldversorgung und SB-Angebot präsent.

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Selbst nach der Preiserhöhung im kommenden Jahr liege die Sparkasse Westmünsterland, so Robert Klein, „im Mittelfeld der aktuellen Preise des regionalen Marktes“. Er glaubt: „Unsere Preise und Leistungen sind also marktgerecht, transparent und attraktiv.“

Auch bei der Volksbank wurde an der Preisschraube gedreht

Auch viele Kunden der Volksbank Gronau-Ahaus müssen schon seit Oktober dieses Jahres tiefer in die Tasche greifen. Das mit dem Sparkassen-Komfort-Angebot vergleichbare „Girokonto Komfort“ kostet zum Beispiel seitdem 9,90 Euro statt zuvor 7,50 Euro monatlich, was einer Steigerung von 32 Prozent entspricht.

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In einer Presseerklärung heißt es dazu recht schwammig: „Im Rahmen der Einführung des Hausbankmodells (zum 1. Oktober, Anm. d. Red.) haben wir unsere Produkte und Entgelte dem veränderten Nutzungsverhalten angepasst. Wir haben einzelne Entgelte reduziert, erhöht oder belassen.“

Am „Hausbankmodell“ nehmen automatisch alle Volksbank-Kunden mit einem Girokonto teil. Je mehr Produkte ein Kunde bei der Volksbank Gronau-Ahaus hat, desto höher der Bonus. Bis zu 96 Euro pro Konto werden hier jährlich ausgeschüttet.

Zur starken Preiserhöhung des Kontos heißt es hier: „Wir kalkulieren unsere Entgelte verursachungsgerecht. Das bedeutet, dass wir unsere Aufwendungen für zum Beispiel IT-Kosten ermitteln und diese in die Ermittlung der Kontoführungsentgelte einbeziehen.“

Auch bei der Volksbank Gronau-Ahaus verweist man auf das große Leistungsspektrum, das die Girokonten abdecken: „Als Beispiel sind im Konto Komfort zwei Kontokarten inkludiert, eine Freigrenze für Kontoüberziehungen eingeräumt und der Kunde kann kostenlos Geld in Echtzeit überweisen.“

Unterschiedliche Äußerungen zur Zinspolitik der EZB

Unterschiedlich äußern sich die beiden Filialbanken zur Zinspolitik der EZB. Von Seiten der Sparkasse heißt es: „Eine Quersubventionierung von Girokonten aus der Zinsmarge war früher üblich. Heute ist das wegen der EZB-Politik mit niedrigen und negativen Zinsen nicht mehr möglich.“

Die Volksbank Gronau-Ahaus erklärt: „Die Entgelte für unsere Dienstleistungen kalkulieren wir unabhängig von der Zinspolitik der EZB.“ Genau wie die Sparkasse würde man allerdings begrüßen, dass die EZB – wider erwarten – den Leitzins anhebt. „Dann können wieder Zinsen gezahlt werden.“

Banken sind grundsätzlich berechtigt, Preise zu erhöhen

„Banken und Sparkassen sind grundsätzlich berechtigt, Preise zu erhöhen“, heißt es dazu von der Verbraucherzentrale. Offensichtlich sind auch starke Steigerungen möglich. „Tatsächlich liegen die Voraussetzungen für Wucher oder ein sonst sittenwidriges Rechtsgeschäft (§ 138 BGB) in aller Regel nicht vor“, so die Verbraucherzentrale.

„Reagieren Sie nicht bis zum Stichtag, bedeutet das meist eine Zustimmung. Dann müssen Sie die neuen Gebühren zahlen“, ordnet die Verbraucherzentrale die Situation ein.

Info:

Ein kostenloses Girokonto für Schüler, Studenten und Azubis gibt es sowohl bei der Sparkasse Westmünsterland (bis zum 27. Geburtstag) als auch bei der Volksbank Gronau-Ahaus (bis zum 28. Geburtstag).
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