Glasfaseranschluss für 20.000 Euro im Außenbereich – da passen die Relationen nicht mehr

mlzKommentar

Zum geplanten Breitbandausbau für rund 2,6 Millionen Euro im Außenbereich von Südlohn und Oeding lesen Sie einen Kommentar von Bernd Schlusemann.

Südlohn

, 21.06.2019, 16:11 Uhr / Lesedauer: 1 min

Eines vorweg: Jedem Anwohner im Außenbereich, der jetzt noch über ein langsames Netz verfügt, wünsche ich, dass er möglichst schnell an das Hochgeschwindigkeitsnetz angeschlossen wird. Wenn es ihn nichts kostet, auch gut, soll er sich gerne freuen.

Jedoch muss man sich als Bürger und Steuerzahler wirklich fragen, ob da nicht gerade im ganzen Land übers Ziel hinaus geschossen wird. Es werden Millionen investiert, weil es 90 Prozent Zuschüsse gibt. Ohne diese würden die Haushalte wahrscheinlich noch in zehn Jahren mit geringem Tempo surfen.

Gut, dass die Kommune die Chance ergreift, ihr ist kein Vorwurf zu machen. Das Kopfschütteln gilt da eher der Großen Koalition in Berlin, die auf Biegen und Brechen jedes Haus auf die Datenautobahn bringen will. Egal, was es kostet.

20.000 Euro für einen Hausanschluss, 2,6 Millionen Euro Kosten dafür in der ganzen Gemeinde, wobei der Anschlusshaushalt keinen Cent für den Anschluss zahlen muss. Wie gesagt, es sei den Haushalten gegönnt.

Ich erinnere mich aber auch noch gut daran, dass beispielsweise in Stadtlohn-Büren die Anlieger im Außenbereich selber die Leitungen bis zu ihrem Haus gelegt haben. Da waren die Anschlüsse anschließend für alle Internet-Dienstleister interessant. Denn: Tiefbau ist mit rund drei Viertel der Gesamtkosten ein Kostentreiber beim Breitbandausbau im Außenbereich.

Und genau hier hätte der Gesetzgeber besser Anreize für den eigenwirtschaftlichen Ausbau geben sollen. Das, und damit der Anreiz zum Kostensparen, ist im Koalitionsvertrag vernachlässigt worden.

Die Anlieger im Außenbereich wird die kostenlose Glasfaserleitung frei Haus freuen. Wer seine Leitung im Außenbereich selber in die Erde gebracht hat und auch alle Hausanschlussnehmer im Innenbereich, die ihren Hausanschluss bezahlen mussten, dürften sich ruhig ein wenig wundern oder sogar ärgern.

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