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Glaube und die Unschärfe der Wahrheit

Schlossgespräch mit Ulrich Schnabel

Warum glaubt der Mensch? Und wie wirkt der Glaube? Über diese Fragen sprach am Mittwochabend Ulrich Schnabel, Physiker und Wissenschaftsredakteur der ZEIT, beim gut besuchten Ahauser Schlossgespräch – kurzweilig, humorvoll und mit vielen medizinischen, psychologischen und kunstgeschichtlichen Exkursen.

AHAUS

von von Stefan Grothues

, 13.04.2011 / Lesedauer: 6 min
Glaube und die Unschärfe der Wahrheit

Wer hat wen geschaffen? Ulrich Schnabel beim Ahauser Schlossgespräch vor Michelangelos Fresko mit dem Schöpfungsakt.

Jetzt kommt die Religion ins Spiel. Schnabel: „Sie lehrt uns Methoden und Wege, die Ich-Zentriertheit zu durchbrechen“, und zwar in allen Kulturen und auf die verschiedenste Art und Weise. Der Glaube zeige dabei vielfältige Wirkungen. Das lasse sich im Hirn magnetresonanztomographisch nachweisen. Aber auch im Leben. Als Beleg führte Schnabel vielfältige wissenschaftliche Untersuchungen und Experimente zur heilenden Wirkung des Glaubens an. Allerdings: „Die entscheidende Frage ist dabei nicht, was Sie glauben, sondern ob Sie wirklich dran glauben.“

Unbehagen im großen Publikum, das der Einladung von VHS und Alexander-Hegius-Gymnasium gefolgt war: „Aber was ist mit der Wahrheit? Glaube darf doch nicht nur eine Funktion haben!“ Schnabel stimmt den kritischen Stimmen von Lehrern und Schülern zu: „Sicher ist die Wahrheitskategorie für den Gläubigen entscheidend – aber diese Frage lässt sich für uns Menschen nun mal nicht klären.“ Da gehe es den Gottsuchenden nicht besser als den Physikern. Schnabel: „Die Quantenphysik brachte auch der Naturwissenschaft die erschütternde Erkenntnis, dass es auch in den kleinsten Dingen unauflösbare Unschärfen, und Unklarheiten gibt. Auch die Natur ist per se uneindeutig.“ Und so zitierte der Naturwissenschaftler am Ende den Kirchenlehrer Augustinus zu Rate: „Er hat gesagt: Gott geht über unser Denken hinaus.“ 

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