Radfahrer haben es im Moment auf der Wessumer Straße nicht leicht. Als ein Baustein des neuen Radverkehrskonzeptes soll die Straße umgebaut und der Verkehr gebremst werden. Kostenpunkt: Nach ersten Schätzungen rund 250.000 Euro. © Stephan Rape
Radverkehrskonzept

Gleichberechtigung für Radfahrer: Wessumer Straße soll umgebaut werden

Der Umbau der Wessumer Straße ist ein Baustein im Radverkehrskonzept. Das sieht vor, dass sich die Ausgaben für Radverkehr in Ahaus in Zukunft vervierfachen: auf 1,3 Millionen Euro – pro Jahr.

Die Wessumer Straße zwischen dem Kreisverkehr mit der Königstraße und der Kreuzung Arnoldstraße/Hessenweg ist seit Jahren ein Nadelöhr. Autofahrer, parkende Autos, Busse, Lieferverkehr, Radfahrer, Schülerverkehr – alles knubbelt sich in der schmalen Straße. Vor allem zu den Stoßzeiten.

Die Verwaltung hat nun im Rahmen des Radverkehrskonzeptes Pläne für einen ersten Umbau vorgelegt, der zumindest einen Teil der Probleme lösen soll.

Die Eckpunkte der Idee dahinter:

  • die Kreuzung Arnoldstraße/Wessumer Straße bekommt farbig markierte Radfahrstreifen in alle Richtungen;
  • zwischen der Kreuzung und dem Kreisverkehr werden die Fahrbahnen für beide Richtungen durch einen gepflasterten Streifen in der Mitte getrennt. Radfahrer sollen zukünftig mittig auf der Richtungsfahrbahn fahren und sich durch Autofahrer nicht an die Seite drängen lassen. Ein Überholen der Radfahrer ist in diesem Bereich ausdrücklich nicht gewollt;
  • die Pflasterung in der Mitte soll nur in Einzelfällen zum Überholen überfahren werden;
  • das Tempo wird auf 30 km/h reduziert;
  • die beiden Stellplätze vor der Bäckerei werden entfernt und durch neue Stellplätze gegenüber ersetzt. Dafür wird die Grenzmauer des jüdischen Friedhofs um rund fünf Meter nach hinten versetzt;
  • die Mündung der Kreuzstraße in die Wessumer Straße wird durch Poller für den Autoverkehr gesperrt.

Kostenpunkt für den Umbau: rund 250.000 Euro. Im Verkehrsausschuss gab es für die Pläne am Dienstagabend grünes Licht. Auch dafür, das Geld schon für das kommende Haushaltsjahr einzuplanen und so den zügigen Umbau möglich zu machen.

Erste Vorgespräche für neue Wessumer Straße sind gelaufen

Wie der Technische Beigeordnete Thomas Hammwöhner erklärte, seien erste Vorgespräche positiv verlaufen: Beispielsweise mit der Jüdischen Gemeinde, die keine Einwände gegen die Versetzung der Friedhofsmauer habe. Einzig mit dem dort ansässigen Bäcker sei noch nicht gesprochen worden. Das soll zügig nachgeholt werden.

Die Mauer am Jüdischen Friedhof soll um ein paar Meter nach hinten versetzt werden. Mit der Jüdischen Gemeinde sei das abgestimmt, hatte der Technische Beigeordnete Thomas Hammwöhner im Ausschuss erklärt. Der Platz, der so entsteht, soll für neue Stellplätze genutzt werden. So soll der Verkehr auch in Zukunft ausweichen können, wenn die Bäckerei dort beliefert wird.
Die Mauer am Jüdischen Friedhof soll um ein paar Meter nach hinten versetzt werden. Mit der Jüdischen Gemeinde sei das abgestimmt, hatte der Technische Beigeordnete Thomas Hammwöhner im Ausschuss erklärt. Der Platz, der so entsteht, soll für neue Stellplätze genutzt werden. So soll der Verkehr auch in Zukunft ausweichen können, wenn die Bäckerei dort beliefert wird. © Stephan Rape © Stephan Rape

Gemeinsamer Fahrrad- und Autoverkehr auf einer Straße ist in Ahaus bisher noch die Ausnahme. Zumindest außerhalb der Wohngebiete. „Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass Radfahrer bei Tempo 30 mit auf der Straße fahren“, erklärte der Technische Beigeordnete. Dabei bekam er Rückenwind von Bernhard Hackfort (CDU). Als Polizist hat er den Verkehr in Ahaus besonders im Blick. „Noch heute gibt es Menschen, die vom Kreisverkehr am Stadtpark über die Wessumer Straße und die Wallstraße zum Aldi an der Coesfelder Straße fahren“, sagte er. Schlicht, weil sie es immer so gemacht hätten.

Wenn der Bäcker beliefert wird, der Schnellbus durch die Wessumer Straße fährt und gleichzeitig Fahrradfahrer dort unterwegs sind, kann es schnell eng werden. Zwar ist an der Breite der Straße nicht viel zu machen – doch durch einen Pflasterstreifen in der Mitte soll der Verkehr besser geordnet werden.
Wenn der Bäcker beliefert wird, der Schnellbus durch die Wessumer Straße fährt und gleichzeitig Fahrradfahrer dort unterwegs sind, kann es schnell eng werden. Zwar ist an der Breite der Straße nicht viel zu machen – doch durch einen Pflasterstreifen in der Mitte soll der Verkehr besser geordnet werden. © Stephan Rape © Stephan Rape

Da gehe es ganz einfach um Verkehrserziehung. „Lernen durch Schmerz“, nannte er es. Wenn man die Straßen in der Innenstadt für Autos unattraktiv mache, dauere es nur kurze Zeit, bis sich die Autofahrer andere Wege suchen. Im besten Fall über den Ring. „Wir müssen weg von den alten Fehlern hin zu einer modernen Verkehrsführung“, erklärte er. Die Stadt Bocholt habe etwa mit dem Verkehr auf der Münsterstraße ein gutes Beispiel abgeliefert.

Ausschuss stimmt 97-seitigem Konzept für Radverkehr zu

Doch die Wessumer Straße ist nicht die einzige Baustelle. Sie ist nur Teil einer von zehn Fahrradrouten, die die Stadt Ahaus mit dem Radverkehrskonzept für Radfahrer attraktiver machen will. Auch diesem 97-seitigen Konzept hat der Ausschuss am Dienstagabend zugestimmt.

Fernziel: Bis 2030 soll der Radverkehr in Ahaus und den Ortsteilen einen Anteil von 50 Prozent haben. Um das zu schaffen, reichen aber einfache Beschlüsse nicht aus. Wie Niklas Rischbieter von der Planersocietät – das Dortmunder Planungsbüro hatte das Radverkehrskonzept erstellt – erklärte, müsse Ahaus sowohl mehr Geld als auch mehr Personal in die Verkehrswende investieren.

Zukünftig 1,3 Millionen Euro pro Jahr für Radverkehr

Aktuell würden pro Jahr rund 300.000 Euro in die Radwegeinfrastruktur fließen. Um das Konzept umzusetzen, wären rund 1,3 Millionen Euro pro Jahr nötig. „Aber es bringt natürlich nichts, nur das Geld bereit zu stellen“, sagte er. Gleichzeitig müsse eben auch das Personal für die Rad- und Nahverkehrsplanung ausgeweitet werden.

„Es gibt Städte, die sind deutlich weiter als wir“, ergänzte Thomas Hammwöhner, „aber wir wollen mit dem Thema Radverkehr progressiv umgehen.“ Detailplanungen enthält das Konzept noch nicht. Über die wird die Politik jeweils einzeln sprechen.

Hermann-Josef Herickhoff (SPD) fürchtete indes um eine andere Gruppe im Verkehr: die Fußgänger. „Bei allem Hype um die Fahrradfahrer darf man die nicht vergessen“, sagte er und wählte abschreckende Beispiele etwa aus Münster, wo ein Fußgänger bei dem ganzen Radverkehr um seine Sicherheit fürchten müsse. „Vor allem mit Kindern“, ergänzte er. Thomas Hammwöhner versuchte, diese Bedenken zu zerstreuen: Es gehe darum, den Verkehr in Gänze umzustricken.

Freie Fahrt für Fahrradfahrer auf der Schlossstraße

Ein weiterer aktueller Baustein in diesem Konzept ist die Schlossstraße: Von der Einmündung der Wüllener Straße bis zum Kreisverkehr Frauenstraße/Stadtwall soll sie zur Fahrradstraße umgewidmet werden. Das Konzept hatte die Verwaltung am Wochenende bereits einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Dort war es gut angekommen. Auch der Ausschuss für Verkehr stimmte einstimmig zu. Für weitere Schritte, etwa die Sperrung der Kirmesplatz-Zufahrt in Richtung Schlossstraße, sei es aber noch zu früh. Das hatten sich etliche Anwohner gewünscht, die bei der Info-Veranstaltung am Sonntag dabei waren.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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