Philipp Pohlschröder in seinen neuen Büroräumen, die er in seinem Elternhaus in Alstätte eingerichtet hat. Zum neuen Jahr macht er sich in einem eigenen Bezirk selbstständig. Auf lange Sicht möchte er gerne in oder um Ahaus arbeiten. © Stephan Rape
Schornsteinfegermeister

Glücksbringer mit Hightech: Philipp Pohlschröder startet in eigenem Bezirk

Ein eigener Bezirk war für Schornsteinfeger Philipp Pohlschröder lange ein Traum. Zum Jahreswechsel hat es geklappt. Gerade macht er sich selbstständig und hat schon das nächste Ziel im Blick.

Schornsteinfeger gelten als Glücksbringer. Klar. Seit Jahrhunderten hält sich die Volksweisheit, dass es Glück bringe, wenn man den verrußten Anzug oder die goldenen Knöpfe der Jacke berührt. Einer dieser Glücksbringer ist Philipp Pohlschröder.

Kehrbesen weicht immer häufiger Hightech-Messgeräten

Dabei ist die schwarze, die schmutzige Arbeit der Schornsteinfeger heute nur noch ein kleiner Teil ihrer Arbeit. „Klar, gerade im ländlichen Raum gibt es noch viele Schornsteine zu kehren“, sagt Philipp Pohlschröder. In den Großstädten sei das anders. Doch auch auf dem Land greift er inzwischen häufiger zu Messgerät und Kamera als zu Besen und Putzkugel: „Das ist echte Hightech“, sagt er und deutet auf mehrere Taschen mit Gasmessgeräten oder einer Kamera an einem langen Optikleiter, mit der Abgasleitungen untersucht werden.

Als er dann aber seine schwarze Jacke aus dem Schrank holt und überstreift, weht ein deutlich rauchige Note durch den Raum. Ganz ohne Ruß und Rauch geht es eben auch heutzutage bei Schornsteinfegern nicht.

Eigener Bezirk und irgendwann mal die Arbeit nahe der Heimat

Für das neue Jahr braucht der 34-jährige Schornsteinfegermeister aber selbst eine Portion Glück – denn er macht sich in einem eigenen Bezirk selbstständig und übernimmt dort auch hoheitliche Aufgaben.

Brandschutz gehört mit zu seinem Angebot. Mit dem Gebietsmonopol der Schornsteinfeger wurde 2013 auch das Nebenbeschäftigungsverbot gekippt. Philipp Pohlschröder kann daher auf mehrere Standbeine setzen.
Brandschutz gehört mit zu seinem Angebot. Mit dem Gebietsmonopol der Schornsteinfeger wurde 2013 auch das Nebenbeschäftigungsverbot gekippt. Philipp Pohlschröder kann daher auf mehrere Standbeine setzen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Dazu gehören beispielsweise die vorgeschriebene Feuerstättenschau: Regelmäßig müssen alle Feuerstätten in einem Haus – sowohl die Zentralheizung als auch beispielsweise Kaminöfen oder offene Kamine – von einem Schornsteinfeger untersucht werden. So sollen mögliche Schäden an und Gefahren durch die Anlagen frühzeitig erkannt werden.

Die Bezirke werden von der Bezirksregierung vergeben. Hinter der Vergabe hängt ein detailliertes Punktesystem. Fortbildungen und Berufserfahrung bringen Punkte. „Und wer am Ende die meisten Punkte bei der Bewerbung hat, bekommt den Zuschlag“, sagt Philipp Pohlschröder. Am 1. Januar fängt der Alstätter in seinem neuen Bezirk in Altenberge an. Doch das soll erstmal nur eine Zwischenstation sein.

Punkte sammeln für den eigenen Bezirk

Ein Bezirk nahe der Heimat wäre für den geborenen Alstätter ein Traum. „In ein paar Jahren gehen hier etliche Kollegen in den Ruhestand“, sagt er. „Vielleicht klappt‘s dann.“ Als selbstständiger Schornsteinfegermeister mit eigenem Bezirk hätte er dann gute Chancen: Punkte für diese Jahre zählen nämlich doppelt. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Erstmal gehe es für ihn jetzt darum, den eigenen kleinen Betrieb ans Laufen zu bringen. In der aktuellen Corona-Krise kein einfaches Unterfangen.

Doch er setzt gleich auf mehrere Standbeine: Mit der Aufhebung des Schornsteinfeger-Monopols im Jahr 2013 sei gleichzeitig auch das Verbot von Nebentätigkeiten gefallen. Und für den Freiwilligen Feuerwehrmann Philipp Pohlschröder – er ist sowohl Mitglied der Alstätter als auch der Wüllener Feuerwehr – war schnell klar, dass er Beruf und Hobby miteinander verknüpfen möchte: Rund um das Thema Brandschutz, zu Rauchmeldern oder Feuerlöschern berät er daher auch. Dazu bietet er Unternehmen seine Dienste als externer Brandschutzbeauftragter an.

Und ein kleines bisschen ist er eben auch der Glücksbringer. Gebrauchen kann das im kommenden Jahr sicherlich jeder seiner Kunden.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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