Gottessohn aus dem Müll gerettet - oder ein unerwarteter Jesus am Arbeitsplatz

Coronavirus

Wenn einem in der Krise Jesus Christus erscheint, kann man sich an den Vatikan oder einen guten Psychiater wenden. Oder an die Polizei, wie Redaktionsassistentin Anna-Lena Haget es getan hat.

29.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diese Herz-Jesu-Figur ist bei der Münsterland Zeitung aufgetaucht. Ein Unbekannter hatte sie einfach an den Containern abgestellt.

Diese Herz-Jesu-Figur ist bei der Münsterland Zeitung aufgetaucht. Ein Unbekannter hatte sie einfach an den Containern abgestellt. © Anna-Lena Haget

Vieles haben die Menschen Jesus von Nazareth angetan. Sie haben ihn verspottet, ihn verfolgt, gepeinigt und ihn schließlich sogar ans Kreuz geschlagen. Jetzt, mehr als 2000 Jahre später, ist er beim Müll gelandet. Dabei brauchen wir den Sohn Gottes in Zeiten der Coronakrise mehr als je zuvor.

Wenigstens nicht kopfüber in den Container gesteckt

Eines Morgens stand da plötzlich neben dem Müllcontainer ein kleiner Mann mit langem Haar und Bart, eingehüllt in eine Art Toga. Der Unbekannte, der ihn im Hof der Münsterland Zeitung ausgesetzt hat, hatte wenigstens so viel Anstand, ihn nicht kopfüber in den Container zu stopfen.

Ich nahm mich des gütig lächelnden Heilands an und trug die Figur nach oben in die Redaktion – ehrfürchtig und auch ein wenig verwirrt nach der unerwarteten Ankunft Jesu an meinem Arbeitsplatz. Ein wenig ramponiert sah er schon aus, hier und da schien der Gips durch sein buntes Gewand.

Wunder oder Diebstahl?

Wo mochte er hergekommen sein? Und warum war er ausgerechnet mir erschienen? Handelte es sich um ein Wunder? Oder hatte ein Langfinger schlicht ein schlechtes Gewissen bekommen und Jesus ausgerechnet hier zurückgelassen? Vielleicht vermisste irgendwo da draußen jemand den Heiland bereits? Also tat ich das, was ich am besten kann: Recherchieren.

Und tatsächlich – in Epe war kurz zuvor eine Jesusstatue aus einer Kapelle entwendet worden. Ich rief die Polizei an und berichtete von meinem sensationellen Fund und schickte sogar einige Fotos.

Inzwischen brach bei den Kollegen rund um den kleinen Christus herum ein Tumult aus. Vorschläge machten die Runde, was denn nun mit der Figur zu tun sei. „Behalten!“ sagten die einen. „Zurückgeben!“ riefen die anderen. „Bares für Rares!“ meldeten sich die Dritten.

Einfach mal abwarten

Jesus und ich, wir beschlossen stattdessen, abzuwarten. Dann kam der mit Spannung erwartete Rückruf von der Polizei. Der gestohlene Eperaner Christus sehe anders aus, sagte der Beamte, aber man gehe der Frage nach, ob irgendwo anders ein Jesus fehlt.

Wir warten also weiter, der Gottessohn aus Gips und ich. Aus einer alten Postkiste habe ich ihm inzwischen ein Podest gebaut. Und ich muss sagen, Jesus ist ein sehr angenehmer Arbeitskollege.