Grandioser Auftakt in die neue Spielzeit

Nelson Mandela Story

AHAUS Theater ist Theater. Aber als sich das Publikum am Ende der Vorstellung begeistert von den Sitzen erhob, mussten sich die Schauspieler den Beifall wohl auch mit dem Helden des wirklichen Lebens teilen: Nelson Mandela.

von Von Stefan Grothues

, 14.10.2009, 15:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Nach der Haftentlassung: Nelson und Winnie Mandela (Ron Williams und Diana Marie Müller).

Nach der Haftentlassung: Nelson und Winnie Mandela (Ron Williams und Diana Marie Müller).

Bretterverschläge, Gitter und ein paar kahle Äste botten den Hintergrund für den schnellen Szenenwechsel, der wichtige Stationen im Leben „Madibas“ wie Mandela bei seinen Freunden heißt, nachzeichnten. Vom Vergnüngungsviertel Sophiatown Mitte der fünfziger Jahre, wo sich der Xhosa-Häuptlingssohn Nelson Mandela (Ron Williams) und die seine spätere Frau Winnie (Diana Maria Müller) kennenlernen, über Gerichtssäle bis hin zur Gefängniszelle, die fast drei Jahrzehnte sein Zuhause sein sollte. Und immer wieder bricht überfallartig und gewalttätig die Macht des weiße Apartheid-Systems ein, räumt Stadtviertel, demütigt Schwarze, misshandelt Gefangene.

  Geschickt collagiert Regisseur Goldmann die Lebensgeschichte mit der beklemmenden Anhörung des Polizeischergen Eugene de Kock (Jörg Reimers), der im Namen der Apartheid Tod und Terror verbreitete.

Facetten- und faktenreich zeinet die dramaturgische Verknüfung ein halbes Jahrhunder südafrikanischer Geschichte nach – ohne Schwarzweißmalerei. Weiße Opfer und schwarze Täter kommen ebenso zu Wort wie Mandelas Zweifel am gewaltfreien Widerstand, seine später gespielte Harmonie mit Ehefrau Winnie und die Doppelmoral friedliebender Bürger. Ron Williams, der Star des Ensembles, ist nicht der einzige der durch Intensität und mit gereifter Soulstimme bestach. Erschütternd die Darstellung der erlittenen Folterqualen Winnie Mandelas durch Diana Marie Müller, augenzwinkernd klug brillierte Ronald Mkawanazi als Bischof Tutu, beängstigend zynisch Jörg Reimers als Mörder de Kock. Und der Brasilianer Bani Silva Prado schlug live in afrikanischem Kostüm die Trommeln der Freiheit, die das Publikum am Ende mit langem Applaus feierte.

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