Gregor Frankemölle ist Küster der Gemeinde und Messdiener-Legende

mlzKirche in Ahaus

Gregor Frankemölle ist eines der Gesichter der Ahauser Kirche. Seit dem Grundschulalter ist er Messdiener, seit 25 Jahren Küster. Dabei wäre alles fast ganz anders gekommen.

Ahaus

, 23.01.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Rampenlicht sucht Gregor Frankemölle aus eigener Initiative nie. Er zieht die Fäden im Hintergrund; sorgt dafür, dass alles nach Plan läuft. Egal ob als Küster der Marienkirche oder als langjähriger Lagerleiter der Ahauser Messdiener. Und doch gehört er zu Ahaus bekanntesten Gesichtern. Während Pfarrer und Kapläne wechselten, das Kirchenleben sich wandelte, war er die Konstante.

Bester Beleg: Als die Gemeinde vor knapp zwei Wochen nach der sonntäglichen Familienmesse Gregor Frankemölles Dienstjubiläum feierte, standen nach dem Gottesdienst unzählige Gratulanten Schlange. Kinder und Jugendliche genauso wie Senioren. So voll ist die Kirche sonst nur an Feiertagen.

So richtig anfreunden kann sich Gregor Frankemölle mit dem Trubel um seine Person nicht. „Ich will nicht im Mittelpunkt stehen oder gelobt werden, aber dagegen konnte ich mich nicht wehren“, sagt er. Doch neben der Verlegenheit ist da auch die Freude zu erkennen. Freude über Wertschätzung, die er sich in den letzten 25 Jahren erarbeitet hat.

Pfarrer Bringemeier muss Überzeugungsarbeit leisten

Im Alter von 28 Jahren trat Gregor Frankemölle seinen Dienst als Küster an. Doch bis zur feierlichen Schlüsselübergabe in der Silvesternacht 1993/1994, war es ein weiter Weg. Oder besser gesagt, ein harter Kampf. Denn es brauchte viel Überzeugungsarbeit, bevor Gregor Frankemölle schließlich zusagte.

Alles begann mit einer belanglosen Frage auf dem Patronatsfest der Gemeinde. „Habt ihr eigentlich schon einen neuen Küster gefunden“, erkundigte sich Gregor Frankemölle damals bei Hildegard Scholten, langjährige Pfarrhaushälterin. Sie verneinte und fügte an: „Wenn wir mal so jemanden wie dich kriegen könnten...“

Der Ahauser Pfarrer Heinrich Plaßmann gratuliert Gregor Frankemölle zum Dienstjubiläum.

Der Ahauser Pfarrer Heinrich Plaßmann gratuliert Gregor Frankemölle zum Dienstjubiläum. © Privat

Das Problem: Bei dem damals 28-Jährigen standen der Hausbau kurz vor dem Abschluss und die Hochzeit direkt vor der Tür. „Ich habe mal darüber nachgedacht, aber das kommt für mich nicht in Frage“, antwortete Frankemölle wahrheitsgetreu. Mit seiner Stelle beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe war er auch finanziell auf der sicheren Seite. Doch was bei Hildegard Scholten hängen blieb, war nur der erste Teil der Antwort.

Und nach der Hochzeitsreise ist es schließlich Pfarrer Bringemeier, der ihn überzeugte, die Stelle als Küster anzutreten. Auch, weil Dorothee Frankemölle ihrem Mann Mut zusprach: „Wenn du Spaß daran hast, dann schaffen wir das gemeinsam.“

„Der Pastor bringt die Software, für die Hardware bin ich zuständig“

Ohne große Einarbeitungszeit ging es ans Werk. Zwar kannte er die Abläufe in der Kirche, seit er im Grundschulalter Messdiener wurde. „Aber es sind die 100 Kleinigkeiten, die kein Mensch sieht, die den Job zur Herausforderung machen“, so der heutige Küster. Wie in zahlreichen Messdiener-Lagern bewies Gregor Frankemölle jedoch, dass er sich in kaltem Wasser wohlfühlt.

Durch seine zwei abgeschlossenen Berufsausbildungen machten ihm die technischen Herausforderungen keine Probleme. Die vielen anderen Aufgaben wie das richtige Auslegen der Gewänder, das Aufschlagen der Bücher und Dekorieren der Kirche, lernte er schnell. „Der Pastor bringt die Software, für die Hardware bin ich zuständig“, erklärt Gregor Frankemölle.

Sein Glaube war dabei immer eine Antriebsfeder: „Der Glaube ist grundlegend. Ansonsten wäre ich am total falschen Platz. Wenn der Glaube nicht da wäre, dürfte man diesen Job nicht machen.“ Umso mehr scherzt es ihn, dass die Besucherzahlen auch in der Ahauser Kirche stetig zurückgehen.

Besonderer Draht zu den Messdienern

Seit jeher verbindet den heute 53-Jährigen ein enger Draht mit den Ahauser Messdienern. Schon bevor er Küster wurde, war er drei Jahre Lagerleiter. Morgens läutete er seine berüchtigte Glocke, tagsüber plante er das Programm, abends stimmte er das Gute-Nacht-Lied an. „Ich bin den Messdienern trotz meines fortschreitenden Alters nie entwachsen“, erklärt er.

„Lager ist abschalten, Lager ist unbeschreiblich, Lager hält jung“, sagt er mit einem Funkeln in den Augen. Längst hat er bei den Messdienern eine Art Legendenstatus inne. Und doch hat er vor drei Jahren die Lagerleitung in die Hände von Christoph Klüsekamp übergeben. Er wollte den richtigen Moment nicht verpassen, die Verantwortung in andere Hände zu legen.

„Ich bin der Erste und der Letzte in der Kirche“

Ob er manchmal darüber nachdenkt, was gewesen wäre, wenn er die Stelle damals nicht angetreten hätte? „Die Arbeitszeiten als Küster sind zum Teil schwer mit der Familie zu vereinbaren. Ich bin der Erste und der Letzte in der Kirche“, sagt Gregor Frankemölle. „Andererseits kenne ich kaum jemanden, der zu jeder Mahlzeit mit seiner Familie am Tisch saß. Man muss sich seine Freiräume selbst schaffen.“

Doch die Leidenschaft für den Beruf hat auch nach 25 Jahren nicht gelitten. Sein 12-jähriger Sohn Michael packt schon jetzt oft mit an. Vielleicht sein eigener Nachfolger? „Für solche Gedanken muss ich noch zu lange arbeiten“, sagt Gregor Frankemölle und lacht.

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