Grenzland-Wäscherei bietet Chancen für Arbeitnehmer mit Handicap

Integrationsunternehmen

Fast die Hälfte der 74 Beschäftigten der Grenzland-Wäscherei hat eine Behinderung oder ein anderes Handicap. Am kommenden Donnerstag stellt sich das Ahauser Integrationsunternehmen auf einer Messe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe in der Halle Münsterland vor.

von von Stefan Grothues

, 19.03.2012, 15:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Heike Wissing-Hungerecker ist gehörlos. Und ihre Kollegin Lena Eliz lernt gerade Gebärdensprache: „Ich will mich doch mit meiner Kollegin unterhalten können – und nicht nur Zettel schreiben“, sagt sie. Darum besucht sie zurzeit immer samstags sieben weiteren Kolleginnen und Kollegen aus der Grenzlandwäscherei einen Kursus des Caritasverbandes in Gebärdensprache. Was woanders Inklusion heißt, ist in der Grenzlandwäscherei Alltag: Das Miteinander von behinderten und nichtbehinderten Menschen. Fast die Hälfte der 74 Mitarbeiter hat eine Behinderung, eine Krankheit oder ein anderes Handicap, das ihn auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. „Es gibt immer weniger Nischen in der Landwirtschaft, in der Hauswirtschaft oder in den Firmen, die den Benachteiligten eine Chance auf Beschäftigung bieten. Wir wollen diesen Menschen eine Arbeit geben“, so Bernhard Herdering, Geschäftsführer des Caritasverbandes Ahaus-Vreden.

1993 wurde die Grenzlandwäscherei ins Leben gerufen und entwickelte sich – nicht ohne Jahre mit „dicken Problemen“ (Herdering) – zu ihrer heutigen Größe. Täglich durchlaufen jetzt neun Tonnen Wäsche aus Altenheimen und Krankenhäusern aus dem Münsterland und vom Niederrhein die Wäscherei, die im Zwei-Schichten-Betrieb arbeitet. Es gab zwar Investitionsbeihilfen von Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und von der Aktion Mensch. „Aber“, so betont der Betriebsleiter und gelernte Textiltechniker Martin Kotting: „Wir müssen uns im Wettbewerb mit Top-Qualität in Sachen Reinheit und Hygiene am Markt behaupten. Wir dürfen nicht zu teuer sein. Und wir müssen zuverlässig alle Termine einhalten.“ Das kann für die Mitarbeiter auch Arbeitsdruck und Überstunden bedeuten. Und auch die wird im Sinne der Inklusion bewältigt, so Arno Elsing vom Caritasverband, der die Mitarbeiter sozialpädagogisch betreut und regelmäßig Sprechstunden in der Grenzland-Wäscherei abhält: „Das ist unsere Erfahrung: Behinderte Mitarbeiter wollen keine Sonderrolle – auch nicht, wenn es um Überstunden geht.“

› 113 Integrationsunternehmen beschäftigten in Westfalen rund 1200 Mitarbeiter mit Handicaps. › Nach Angaben des Landschaftsverbandes wird dadurch nicht nur die Integration gefördert. Ein Arbeitsplatz in einem Integrationsunternehmen ist mit rund 6000 bis 7000 Euro Jahresförderung durch die öffentliche Hand um die Hälfte günstiger als ein Arbeitsplatz in den Werkstätten für behinderte Menschen. › Am Donnerstag, 22. März, präsentiert sich die Grenzland Wäscherei mit über 80 Integrationsfirmen auf der LWL-Messe in der Halle Münsterland. Die Messe steht allen von 9 bis 18 Uhr offen, der Eintritt ist frei.

  

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