Große Inszenierung: „Hexe“ Hille Blomers steht vor Gericht und beteuert ihre Unschuld

mlzTheaterstück

Das Schauspiel beleuchtet auf dem Rathausvorplatz gekonnt und atmosphärisch das Schicksal von Hille Blomers und bringt bei der Premiere viele Menschen zusammen.

Ahaus

, 03.09.2019, 05:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwischen Lachen und Entsetzen schwankte die Stimmung bei den zahlreichen Besuchern, die auf den Rathausvorplatz zur Premiere des Laientheaters um das Schicksal von Hille Blomers aus Marbeck gekommen waren. Im Februar 1609 starb diese Frau nach Folterungen und Entbehrungen als vermeintliche Hexe im Gefängnis, ein historisch belegter Fall.

Vor zwei Jahren sah Hermann Volmer, Mitglied des Arbeitskreises Geschichte des Heimatvereins Ahaus, im Drilandkolleg eine Ausstellung über Hexenverfolgungen. „Es gab sie auch in Ahaus. Bis 1571 wurden Hexenverhandlungen am „Steenern Krüze“ geführt, danach am Rathaus in Ahaus. Zwischen 1550 und 1650 sind in Deutschland 25.000 Menschen als sogenannte Hexen ermordet worden, darunter Frauen, Männer und Kinder. Gewalt vor allem gegen Frauen gibt es auch heute noch“, schickte Volmer der Aufführung seines Theaterstücks voraus.

Franziskus Mels vertritt die Position der katholischen Kirche

Vehement vertrat der Dominikanermönch (Franziskus Mels) die damalige Position der katholischen Kirche, die alle Frauen unter Generalverdacht stellte. Sie seien „sexuell unersättlich“, mit dem Satan im Bund und schon bei der Schöpfung minderwertig gewesen. Als die rund 300 Besucher drei Mal „Wir widersagen“ riefen, nahm das Schicksal der Hille Blomers seinen Lauf.

Drei „Waschweiber“ (Dorothee Herick, Maria Osterholt, Maria Pesenacker), so bezeichnet von der Sprecherin (Heike Mönkediek), schürten die Gerüchteküche der vermeintlichen „Vergehen“ der Hille Blomers in plattdeutscher Mundart.

Unschuld beteuert

In der Befragung durch den Richter (Ulrich Früchting) und seine Schöffen (Monika Hemling, Norbert van der Linde) stritt Hille alle Beschuldigungen ab. Auch als vier Zeugen sie beschuldigten, blieb sie bei ihrer Unschuldsbeteuerung. Vergeblich.

Als der Scharfrichter (Josef Früchting) ihr die Folterwerkzeuge anlegte und sie danach im Gefängnis landete, wurde ihre Verzweiflung sichtbar.

Die Widersprüche der „Hexe“ in plattdeutscher Sprache im Prozess erzeugten noch im Publikum ein leises Schmunzeln. Doch auch das wich ernsten Mienen, als es an die dezent angedeutete Folterung der 73-jährigen Hille mit anschließendem Gefängnis ging.

Im Februar 1609 starb Hille im Gefängnis

„Im Februar 1609 starb Hille im Gefängnis. Es gab viele Gelehrte, die an der Rechtmäßigkeit der Hexenverfolgung zweifelten. 1631 veröffentlichte der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld anonym seine Cautio Criminalis gegen die Hexenverfolgung“, klärte die Sprecherin am Ende auf. „Ich zweifle, ob es überhaupt Hexen gibt. Hört auf damit“, rief der Jesuit Friedrich Spee (Reinhard Büter) ins Publikum.

„Bischof Christoph Bernhard von Galen beendete 1650 im Bistum Münster den Hexenwahn. Wie steht es heute mit Frauen in der Kirche und ihren Diskriminierungen in dieser Welt? Es geht um Wertschätzung des Lebens weltweit“, ergänzte die Sprecherin diesen Aufruf und beeindruckte damit zusätzlich das Publikum.

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