Grüne verdreifachen bei der Europawahl ihre Stimmen

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Kleine Parteien sind im Kreis Borken die Gewinner der Europawahl. Die Grünen haben ihr Ergebnis fast verdreifacht, die FDP fast verdoppelt. Eine FDP-Kandidatin ist damit nicht zufrieden.

Ahaus, Heek, Legden, Stadtlohn, Südlohn

, 26.05.2019, 21:16 Uhr / Lesedauer: 3 min

Um 20.30 Uhr waren die Stimmen ausgezählt. 265.340 Bürger waren im Kreis Borken aufgerufen, zur Wahl zu gehen. Von Europaverdrossenheit keine Spur. Europa liegt den Menschen in Ahaus, Heek, Legden, Stadtlohn, Südlohn und Vreden am Herzen. 65,1 Prozent und damit rund 9 Prozent mehr als vor fünf Jahren gingen an die Wahlurnen. Im Münsterland wählen die Menschen nur zum Teil ähnlich wie der Bundesdurchschnitt. CDU und SPD verlieren deutlich, die AfD steigt moderat von 3,4 auf 5,42 Prozent und ist damit weit entfernt von dem Bundesergebnis. Von einem Rechtsruck, von einer Unterstützung der Wilders, Le Pens und Meuthens ist in unserer Region nicht viel zu spüren.

Der Verlierer:

Die SPD stürzte ab. Zwar verliert sie kreisweit etwa so viel wie die CDU, nämlich rund 10 Prozent. Doch 16,12 Prozent sind auch hier wirklich bitter. Sie sind damit jetzt drittstärkste Partei.

Die Gewinner:

Dass die Grünen deutlich gewinnen werden, hatten alle Prognosen vorausgesehen. Dass es allerdings im Kreis Borken von 7,7 auf 20,61 Prozent steigen würde, hatte wohl niemand vorausgesehen. Die FDP gewinnt ebenfalls dazu: von 3,6 Prozent auf 6,82 Prozent im Kreis.

Für FDP-Europakandidatin Nicole Weidemann ist das längst nicht genug. Die Vredenerin, in Winterswijk geboren, blickt da nach Holland, wo die Liberalen bei rund 15 Prozent liegen. „Wir sind drittstärkste Fraktion im Europaparlament“, sagt Nicole Weidemann über die Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa. „Ich hoffe, dass das auch uns in Deutschland hilft.“ Und was freut sie besonders? „Das schlechte Ergebnis der AfD.“

Grüne verdreifachen bei der Europawahl ihre Stimmen

Sonja Weidemann ist für die FDP Kandidatin für das Europaparlament. Die Vredenerin steht auf Platz 54 der Bundesliste. © privat

40 Parteien standen auf dem knapp einen Meter langen Wahlzettel, den viele Bürger erst einmal erstaunt ansahen und dann in der Wahlkabine wieder kunstvoll zusammenfalten mussten. Immerhin 6,94 Prozent der Wähler haben einen der 34 „sonstigen Parteien“ gewählt, zusammen also ungefähr so viel wie die FDP.

Wer ist außerdem Gewinner der Europawahl?

Für Dr. Markus Pieper, seit 2004 für die CDU Mitglied des Europäischen Parlaments, ist das eindeutig: „Der Gewinner ist Europa. Ich hätte dieses europäische Ergebnis nicht erwartet. Wenn es die Sperrklausel gegeben hätte, wäre es noch eindeutiger geworden.“ Der Europaabgeordneter hat das Ergebnis

am Sonntag in seinem Büro in Münster verfolgt. „Gleich gehe ich noch ins Stadion der Sportfreunde“, erzählt er im Gespräch mit der Münsterland Zeitung.

Grüne verdreifachen bei der Europawahl ihre Stimmen

Dr. Markus Pieper ist seit 2004 für die CDU im Europaparlament. © Joachim Busch

Was ist die größte Überraschung?

Viele werden das sehr gute Abschneiden der Grünen nennen. Für Markus Pieper ist es etwas anderes: „Ich bin überrascht, dass die Kampagne des Youtubers Rezo Null Wirkung hatte“, sagt er am Sonntagabend. Da habe es angesichts der mehr als elf Millionen Klicks für das Video „Die Zerstörung der CDU“ durchaus Befürchtungen gegeben. Dass die Ergebnisse für die CDU etwa so ausgefallen sind, wie es die Prognosen vor zwei Wochen vorausgesehen haben, sei doch durchaus beruhigend.

Das Ergebnis im Kreis Borken:

„Für die CDU sieht es nicht so schlecht aus“, sagte Markus Pieper eine dreiviertel Stunde nach Schließung der Wahllokale und ersten Ergebnissen aus den Kreisen Borken und Steinfurt. Das Wichtigste für ihn: Die Christdemokraten sind die stärkste Partei. „In solch unruhigen Zeiten ist das schon eine Leistung.“ Sein Blick ist schon nach vorne gerichtet. Für ihn und seine Parteikollegen gehe es jetzt darum, sich „um den Spitzenkandidaten Manfred Weber zu scharren und seinen Anspruch als Kommissionspräsident zu unterstützen.

So wählte Ahaus:

Die Wahlbeteiligung ist in Ahaus um knapp zehn Prozent auf 65,56 Prozent gestiegen. Die CDU fällt von 52,9 auf 44,32 Prozent und liegt damit noch etwas über dem Kreisdurchschnitt. Die SPD landet bei nur 15,56 Prozent (2014: 26,2 Prozent), die Grünen steigen von 7,6 auf 19,75 Prozent.

Hier geht es zu den Ahauser Wahlbezirken.

So wählte Heek:

Heek bleibt eine Hochburg der CDU, die zwar auch hier verliert, aber ihre absolute Mehrheit mit immerhin 55,85 Prozent behaupten kann. Die SPD landet mit 13,31 Prozent eines der schlechteren Ergebnisse im Kreis genauso wie die Grünen. Sie kommen auf „nur“ 13,44 Prozent der Stimmen. Zugelegt haben sie allerdings gewaltig: 2014 bekamen sie im Dinkeldorf nur 3,5 Prozent und damit das schlechtestes Ergebnis für ihre Partei im Kreis.

Hier geht es zu den Heeker Wahlbezirken.

So wählte Legden:

Kurz vor 19 Uhr waren die fünf Wahlbezirke ausgezählt. Die CDU verliert im Dahliendorf und kommt auf 48,26 Prozent. 2014 waren es noch 60,2 Prozent. Die SPD verliert weniger stark als die CDU und fällt von 21,1 um ein Drittel auf 14,07 Prozent. Die AfD hat mit 4,03 Prozent das schlechteste Ergebnis im Kreis.

Hier geht es zu den Legdener Wahlbezirken.

So wählte Stadtlohn:

Im Verbreitungsgebiet der Münsterland Zeitung findet sich der Spitzenwert für die Grünen in Stadtlohn. 20,37 Prozent der Wähler haben grün gewählt, vor fünf Jahren waren es 6,3 Prozent.

Hier geht es zu den Stadtlohner Wahlbezirken.

So wählte Südlohn:

18,34 Prozent für die Grünen, also auch hier das Dreifache des 2014er-Ergebnisses von 6,7 Prozent. Da sollten sich die grünen Kommunalpolitiker doch vielleicht noch mal überlegen, ob sie sich wirklich aus der Kommunalpolitik zurückziehen wollen. Erst vor wenigen Tagen hatten sie angekündigt, für die Kommunalwahl 2020 keine Liste mehr aufstellen zu wollen. Sehr gut auch die Wahlbeteiligung mit 70,19 Prozent.

Hier geht es zu den Südlohner Wahlbezirken.

So wählte Vreden:

70,83 Prozent Wahlbeteiligung, 8,4 Prozent mehr als vor fünf Jahren – das ist Spitze im Vergleich der sechs Kommunen. Im Kreisvergleich fällt auf, dass in Vreden die AfD mit 4,05 Prozent eines ihrer schwächsten Ergebnisse hat. Die CDU kommt auf 43,9 Prozent (55,0), die SPD auf 16,43 Prozent (26,1). Die FDP schafft mit 8,26 Prozent eines der besten Ergebnisse im Kreis. Für Nicole Weidinger eine Bestätigung, dass sie im Gespräch vor Ort überzeigen konnte.

Hier geht es zu den Vredener Wahlbezirken.



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