Herausforderung für Tierheim: In Coronazeiten wollen viele einen Hund

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Homeoffice oder Kurzarbeit: Viele Menschen haben jetzt Zeit für ein Tier. Züchter und Tierheime bekommen vermehrt Anfragen. Auch in Julias Tierheim werden viel mehr Tiere vermittelt als sonst.

Ahaus

, 05.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele Menschen haben mehr Zeit als sonst, viele Freizeitangebote fallen für Eltern und Kinder aus. Was wäre nahe liegender, als sich ein Haustier anzuschaffen? Tatsächlich melden Tierheime landauf landab seit Beginn der Corona-Pandemie vermehrt Anfragen. Auch Julia Rehermann erlebt das in ihrem Tierheim in Ahaus.

„Die Vermittlungsquote war vor allem am Anfang sehr, sehr gut“, sagt sie. „Kaum hatten wir einen Hund online vorgestellt, trudelten die ersten Anfragen herein.“ Es gab Wochen, in denen wurden vier Hunde vermittelt. Auch bei den Katzen wurden so viele erwachsende Tiere wie nie in ein neues Zuhause gegeben. „Sogar ein Kater, der schon zwei Jahre bei uns war, hat sein Glück gefunden“, erzählt die Leiterin des Tierheims. Das ist besonders gut, weil „wir jetzt die Kittenschwemme erwarten.“

Dabei ist das Vermittlungsgeschäft nicht leichter geworden. Denn offiziell ist das Tierheim zurzeit für Besucher geschlossen. Alle notwendigen Beratungsgespräche müssen also am Telefon geführt werden. „Wir fragen genau ab, ob ein Tier in Frage kommt und welches vielleicht das richtige sein könnte“, so Julia Rehermann. Dazu gehören auch Fragen nach den Umständen: Ist also genug Zeit für das Tier, wenn es kein Homeoffice mehr gibt. Mehr als vier Stunden, so sagt sie, soll ein Tier nicht allein gelassen werden.

Auch ältere Hunde bekommen jetzt eine Chance

Anschließend gibt es Vermittlungsgespräche im Tierheim in Sabstätte, bei dem Tiere vorgestellt werden. Dass die Auswahl teilweise nicht so groß war, findet Julia Rehermann nicht schlecht. „Da werden auch die gesehen, die älter sind oder sich sonst lieber etwas verstecken.“ Die Bewerber können die Hunde ausführen. Passen Hund und Mensch zusammen, kann die Vermittlung bei einem weiteren Besuch fest gemacht werden.

Bei den meisten Anfragen hat die Tierheimleiterin ein gutes Gefühl. „Manche ziehen die Entscheidung von den Ferien jetzt vor“, sagt sie. Denn Zeit ist wichtig, wenn man einen Hund in seiner Familie aufnimmt. „Ein Hund braucht Zeit für die Eingewöhnung, man muss geduldig sein.“ Wenn jetzt Kinder selten in der Schule und die Eltern im Homeoffice sind, kann diese Eingewöhnung gut gelingen.

Normalerweise bringen die Mitarbeiter des Ahauser Tierheims ihre Schützlinge in das neue Zuhause, um sich dort ein Bild machen zu können. Das geht in Corona-Zeiten nicht. „Wir werden aber später alle besuchen“, sagt Julia Rehermann. Viele Familien schicken aber auch Berichte und Fotos, die auf der Homepage unter der Rubrik „Glückspilze“ veröffentlicht werden. Ob es eine Welle von Rückkehrern geben wird? Julia Rehermann ist zuversichtlich. „Aber merken werden wir es erst in ein paar Wochen.“

Noch warten 20 Hunde im Tierheim auf ein neues Zuhause

Auch wenn viele Hunde auszogen. Noch leben 20 Hunde im Tierheim. „Wir haben Tiere vom Berliner Tierheim übernommen, weil sie dort so voll waren“, begründet sie.

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Es gibt Berichte von anderen Tierheimen in Deutschland, die finanzielle Schwierigkeiten haben, weil die Vermittlungszahlen zurückgehen. Das muss Julia Rehermann keine Sorgen machen. Auch die Anzahl der Spenden ist sogar gestiegen. „Drei Damen haben Masken genäht und uns den Erlös gespendet“, nennt sie ein Beispiel. Die Spenden werden für besondere Ausgaben verwendet. Zurzeit sind das saisonbedingt hochwertiges Trockenfutter für Katzen und Katzenaufzuchtmilch. „Wir haben 50 Katzenbabys und täglich kommen neue rein.“

Finanzielle Sorgen macht eher die Tierpension. Sie ist ein wichtiges Standbein des Betriebs. Von heute auf morgen blieben die Tiere aus, weil ihre Eigentümer jetzt selbst Zeit hatten. „50 Prozent der Einnahmen fehlen“, sagt Juila Rehermann. „Jetzt hoffen wir auf die Sommerferien.“

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