Hilfsbereitschaft überwältigt vierköpfige Familie nach dem Feuer an der Wessumer Straße

mlzWohnungsbrand

Äußerlich haben Sophia Sinningen und Nino Hubbeling den Brand ihrer Wohnung gut überstanden. Der Schock sitzt tief, doch die Welle der Hilfsbereitschaft macht sie endgültig sprachlos.

Ahaus

, 22.05.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die gute Nachricht vorweg: Sophia Sinningen (22), Nino Hubbeling (30) und die beiden Kinder Niklas (4) und Milina (3) haben den Wohnungsbrand am Dienstag an der Wessumer Straße unverletzt überstanden.

Die Bilder vom Dienstagmorgen haben sich ihr eingebrannt. Wie spät es genau war, weiß sie nicht. Aber der Feueralarm wurde kurz vor halb Zehn ausgelöst: „Ich hatte gerade die Kinder geweckt und ihnen im Wohnzimmer den Fernseher angestellt. Dann bin ich in die Küche gegangen, um Frühstück zu machen. Mein Sohn kam dann ganz aufgeregt in die Küche gerannt und sagt ‚Mama, Mama, da ist überall Feuer‘. Ich dachte, das sei im Fernsehen. Als ich ins Wohnzimmer geguckt habe, waren überall schon die Flammen“, erzählt die 22-.Jährige.

Flucht aus der brennenden Wohnung

Sie seien dann direkt aus der Wohnung gerannt – so, wie sie waren. „Die Kinder noch in Pampers. Ich hatte ein Top, Unterhose und Bademantel an“, erzählt sie. Ihr Lebensgefährte stand in Boxershorts auf der Straße. Ihr ganzer restlicher Besitz ging in Flammen auf. Sie haben nur das gerettet, was sie am Leib trugen.

Hilfsbereitschaft überwältigt vierköpfige Familie nach dem Feuer an der Wessumer Straße

Ruß-geschwärzte Wände, geborstene Scheiben, geschmolzene Rollläden – der Schaden ist groß. Zum Glück wurde bei dem Feuer am Dienstagmorgen aber niemand verletzt. © Stephan Teine

„Meine Tochter rief mich weinend an, dass ihre ganze Wohnung abgebrannt ist“, erzählt ihr Vater Gerhard Sinningen (54). „Ich bin dann natürlich sofort dahin gerast“, sagt er. Zum Glück sei niemandem etwas passiert. Auch die vorsorgliche Untersuchung im Krankenhaus blieb ohne Befund.

Spontane Idee beim Mittagessen

„Ich habe sie dann erst mal zu mir geholt, um für etwas Ruhe zu sorgen“, sagt er. Beim Mittagessen habe er dann spontan den Einfall gehabt, über Facebook um Hilfe zu bitten. In mehreren Ahauser Gruppen postete er einen Aufruf: „Meine Tochter hat ihr ganzes Hab und Gut verloren. Wir suchen dringend zwei Betten für die Kinder.“ Was dann kam, überraschte ihn total. Binnen weniger Minuten wurde der Beitrag zigfach weitergeleitet und geteilt. Die Handys standen vor lauter Nachrichten nicht mehr still. Auch am Mittwoch klingeln die Smartphones in einer Tour: Fremde bieten Kleidung, Möbel und Spielzeug an. „Die Leute haben sofort Hilfe angeboten, ohne nachzudenken“, sagt er mit großer Dankbarkeit. „Wir danken wirklich von tiefstem Herzen“, erklärt auch seine Tochter. Es sei ein völliger Wahnsinn, wie groß die Hilfsbereitschaft gewesen ist. Sie seien nicht einmal dazu gekommen, alle Nachrichten zu lesen und zu beantworten, ergänzt er noch.

Hilfsbereitschaft überwältigt vierköpfige Familie nach dem Feuer an der Wessumer Straße

Mit diesem Aufruf hatte sich Gerhard Sinninger an die Ahauser gewendet. Die Welle der Hilfsbereitschaft war riesig. © Stephan Teine

„Es wird immer so viel schlecht geredet, aber hier hat sich wirklich der Zusammenhalt in der Stadt gezeigt. Wir sind wirklich unendlich dankbar“, sagt Gerhard Sinningen. Seine Tochter und ihr Lebensgefährte nicken. Im Wohnzimmer stapelt sich gespendete Kinderkleidung. Auch im Auto sei noch einiges. „In der Garage haben wir zwei komplette Jugendzimmer, die uns gespendet wurden“, erzählt er weiter. Am Mittag könne sich die Tochter noch bei einer Haushaltsauflösung als Erste umsehen und sich mit dem Nötigsten versorgen. Auch die Ahauser Drehscheibe hilft: Dort können sich die Brandopfer mit der nötigsten Kleidung eindecken. „Ich habe mir erst mal was bei Freunden geborgt“, sagt Nino Hubbeling.

Kinder gehen wieder zum Kindergarten

Die beiden Kinder sind am Mittwoch wieder in den Kindergarten gegangen. „Bis zum Dienstagabend waren sie eigentlich recht ruhig. Erst kurz vor dem Schlafen-gehen habe man ihnen den Schock angemerkt. Auch am Mittwochmorgen seien sie noch „völlig durch den Wind“ gewesen.

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Bildergalerie

Wohnungsbrand an der Wessumer Straße

Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße wurden vier Personen verletzt.
21.05.2019
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Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte
Bei einem Wohnungsbrand an der Wessumer Straße in Ahaus wurden vier Personen verletzt.© Victoria Thünte

Wie es genau weitergeht, wissen sie noch nicht. Eine Versicherung gegen Feuer hatte die junge Familie nicht. „Das Ordnungsamt hatte ihnen angeboten, in einer Obdachlosenunterkunft unterzukommen“, so Gerhard Sinningen, „aber das ist natürlich keine Option.“ Seine Tochter und die Enkelkinder werden erst einmal bei ihm wohnen. Der Lebensgefährte will versuchen, bei seiner Mutter unterzukommen. „Und dann machen wir uns wohl erst mal auf Wohnungssuche“, sagt er. „Erst mal gucken...“

In die Vier-Zimmer-Wohnung an der Wessumer Straße war das Paar mit den Kindern erst im vergangenen Februar eingezogen.

Nachbarn dachten erst nur an eine Kleinigkeit

Auch die Nachbarn im Haus, sind froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Henry Paul (74) wohnte mit ihnen Wand an Wand. „Man mag sich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn das Feuer in der Nacht ausgebrochen wäre“, sagt er unserer Redaktion. „Ich hab einen Knall gehört, dachte aber, dass da etwas in den Müllcontainer auf dem Hof geworfen wurde“, sagt er. Erst als seine Nachbarn panisch klingelnd vor der Tür standen, hätten er und seine Frau von den Flammen erfahren. „Da dachte ich aber immer noch, dass es eher eine Kleinigkeit gewesen ist“, sagt er. Das ganze Ausmaß habe er erst erkannt, als er mit den anderen Bewohnern auf der Straße den Feuerwehreinsatz beobachtet hat.

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Die Wohnung im Obergeschoss des Hauses ist erst einmal nicht bewohnbar. Sie ist auch noch von der Polizei beschlagnahmt. Die Wohnung direkt darunter ist aktuell noch wegen des Brandgeruchs nicht bewohnbar. Das übrige Gebäude ist – soweit der bisherige Stand – vom Brand nicht betroffen. Auch in den Büros in den unteren Etagen ging der Betrieb noch am Dienstag relativ normal weiter.

Derweil ermittelt die Polizei zur Brandursache. „Es deutet vieles daraufhin, dass das Feuer durch fahrlässige Brandstiftung durch die Kinder verursacht wurde“, sagt dazu Thorsten Ohm von der Pressestelle der Polizei im Kreis Borken. Endgültig abgeschlossen seien die Ermittlungen aber noch nicht.

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