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Hohe Ammoniumkonzentration tötet Koi-Karpfen

Fischsterben im Gartenteich

Eberhard Stockinger ist wütend. 25 seiner geliebten Koi-Karpfen in seinem Gartenteich sind gestorben. Einfach so. Im Wasser hat er Ammonium gefunden. Das ist ab einer gewissen Konzentration giftig für Fische. Ammonium ist unter anderem ein Hinweis auf Dünger und landwirtschaftliche Abwässer.

WÜLLEN

, 14.07.2016 / Lesedauer: 3 min
Hohe Ammoniumkonzentration tötet Koi-Karpfen

Eberhard Stockinger hat einige neue Fische in seinen 22 000 Liter großen Teich gesetzt. Das Wasser füllt er im Moment nur aus der Leitung nach. Er hat Angst, dass seine Tiere durch das Ammonium aus dem Grundwasser weiter geschädigt werden. Bis zu 25 Fische sind in diesem Jahr schon daran gestorben.

38 Fische hatte er einmal in dem großen Gartenteich am westlichen Rand von Wüllen. 25 von ihnen sind über mehrere Wochen plötzlich gestorben. Ein Schaden von rund 4000 Euro, rechnet er vor. Doch es geht ihm gar nicht mal nur ums Geld. „Die Tiere sind mir ja ans Herz gewachsen“, sagt er.

Im April ging es los. Einer der Fische in seinem Gartenteich starb. „Nichts Besonderes. Das passiert ja immer mal, dass ein einzelner Fisch stirbt“, erklärt er achselzuckend. Dann – einen Monat später – waren es plötzlich sechs weitere tote Tiere. Stockinger ließ den Teich ab, reinigte ihn, befüllte ihn neu. Das Sterben ging weiter.

Wasserprobe analysiert

Erst eine Wasserprobe brachte die Erkenntnis: Sie ergab, dass der Ammonium-Gehalt des Wassers zu hoch war. 0,01 bis 0,05 Milligram je Liter seien die Norm. „Bis zu 0,1 Milligramm pro Liter können die Tiere aushalten. Der gemessene Wert war aber noch einmal doppelt so hoch“, erzählt Eberhard Stockinger. Nicht so extrem, wie bei dem Fall in Legden Anfang Juli: Dort waren über 100 Forellen an einer zu hohen Ammoniumkonzentration gestorben. Messungen ergaben dort sogar einen Wert von 0,9 Milligram pro Liter. Aber dennoch offenbar tödlich für den Großteil seiner Fische.

14 Jahre lang hat er seinen Teich im Garten am Kaland schon. „Immer hab ich ihn mit Wasser aus meiner Pumpe gefüllt und nie Probleme gehabt“, sagt er. Auch befreundete Teichbesitzer und Koizüchter würden das so machen. Auch sie hätten nie Probleme bekommen. Doch in jüngster Vergangenheit würden sich die Fälle von Belastungen häufen, berichtet er aus seinem Bekanntenkreis.

Dann in diesem Jahr das Fischsterben. Den Verursacher glaubt er, ausgemacht zu haben und blickt dabei in Richtung der Äcker an der nahen Ortsgrenze. „Die viele Gülle und jetzt der starke Regen, der sie ins Grundwasser gespült hat“, sagt er. Schadenersatz würde er gerne geltend machen. Aber bei wem? „Das ist ja niemandem nachzuweisen“, sagt er.

Spezielle Bakterien

Mit speziellen Bakterien hat Eberhard Stockinger inzwischen die Ammonium-Konzentration in seinem Teich senken können. Er hat auch neue Tiere ins Wasser gesetzt. Besondere Sorgen macht er sich gerade um seinen ältesten Fisch: Den bläulichen Koi hat er schon seit 20 Jahren. Damals hat er ihn als kleines Fischchen in seinen ersten Teich gesetzt. „Heute ist der über 70 Zentimeter lang“, sagt er stolz.

Bei den Fachleuten, die sich täglich mit Wasser beschäftigen, gibt es indes noch keine Auffälligkeiten. Klaus Ikemann, Geschäftsführer des Gartencenters Hilgert, führt regelmäßig Wasserproben durch. In seinem Unternehmen kümmert sich eine ganze Abteilung um Teiche und Fische. „Es kommt immer mal wieder vor, dass Fische in einem Teich sterben“, sagt er. Eine besondere Häufung sei ihm in letzter Zeit aber nicht bekannt. Er sieht die Nutzung von Grundwasser für Fische allerdings auch kritisch: „Für einen Teich sollte man kein Grund-, sondern Regen- oder Stadtwasser nehmen“, rät er.

120 Messstellen

Selbst wenn das Grundwasser im Moment stärker belastet sein sollte, das Trinkwasser ist es nicht. „An unseren Messpunkten hat es noch keine Auffälligkeiten gegeben“, sagt Johannes Stentrup, Netzleiter Wasser bei den Stadtwerken Ahaus. Das Trinkwasser in Ahaus wird an über 120 Messstellen überwacht. Würden dort auffällige Werte ermittelt, gäbe es aber noch eine Vorlaufzeit von 50 Tagen, um zu reagieren. So lange braucht das Wasser von der ersten Messstelle bis in die Förderbrunnen.

Das Wasserschutzgebiet, wo das Trinkwasser gefördert wird, liegt aber auch noch einmal etliche Hundert Meter weiter weg. Eberhard Stockinger befüllt seinen Teich nur noch mit Leitungswasser und warnt alle Teichbesitzer. Er hofft, dass seine restlichen Fische überleben.

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