Ralf und Stefan Honekamp räumen mit Friseur-Klischees auf und wollen für Handwerk begeistern

mlzAhauser Friseur

Die Friseure Stefan und Ralf Honekamp haben genug davon, dass ihre Branche immer mehr in Verruf gerät. Statt zu jammern, gehen sie neue Wege. Auch bei den Azubis.

Ahaus

, 18.01.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Brüder Stefan und Ralf Honekamp aus Ahaus kennen das Friseur-Handwerk aus dem Effeff. Ihren Salon an der Bahnhofstraße führen sie in zweiter Generation. Das Feuer für ihren Beruf brennt auch heute noch wie am ersten Tag, sagen die beiden Friseurmeister unisono. Doch in den vergangenen Jahren beobachten sie einen Trend, der ihnen Sorge bereitet. „Unsere Branche gerät mehr und mehr in Verruf. Und das auf sehr vielen Ebenen. Teilweise bin ich schockiert“, sagt Stefan Honekamp. Und nennt ein Beispiel.

„Es ist sehr traurig, wenn auf einer Schulveranstaltung über Friseure und andere Handwerksberufe gesagt wird: ‚Diese Berufe will ja eh keiner mehr machen‘“, ärgert sich Stefan Honekamp und verweist auf den deutlich besseren Ruf der Friseure in anderen europäischen Ländern.

Jetzt lesen

Doch genau wie sein Bruder hat er sich mittlerweile abgewöhnt, sich zu lange über solche Dinge aufzuregen. Stattdessen wollen die beiden Honekamps neue Wege gehen, um junge Menschen wieder für das Handwerk zu begeistern.

„Wir schneiden nicht nur die Haare.“

Dafür räumt Ralf Honekamp zunächst mit gängigen Klischees auf: „Es geht nicht nur um das Abschneiden von Haaren. Es ist hier keine Massenabfertigung. Wir wollen den Menschen ganzheitlich bedienen. Wir stellen uns die Frage: Wie können wir durch unsere Arbeit die Persönlichkeit unseres Kunden unterstreichen und dafür sorgen, dass er oder sie sich in seiner Haut noch wohler fühlt?“ Dafür sei es notwendig, immer am Puls der Zeit zu sein. Wie lauten die neusten Trends, welche Mode ist gerade angesagt? Auch die Atmosphäre im Salon und die Gestaltung der Homepage seien wichtige Themen.

Jetzt lesen

„Unser Beruf ist so facettenreich wie kaum ein anderer“, erklärt Ralf Honekamp. „Es ist extrem viel Kreativität gefragt; nicht nur beim Schneiden, sondern auch bei der Coloration oder dem Make-up.“ Diese Kreativität dürfen die Mitarbeiter nicht nur im Salon ausleben. Regelmäßig werden die Honekamp-Friseure zu großen Events wie der Berliner Fashion Week oder dem Dresdener Opernball bestellt, wo sie für das Styling der Top-Stars verantwortlich sind. „Das ist natürlich etwas, das unsere Mitarbeiter begeistert“, sagt Stefan Honekamp.

„Honekamp – die Friseure“ von Personalmangel nicht betroffen

Vielleicht auch deshalb ist der Salon „Honekamp – die Friseure“ – anders als viele andere Betriebe – vom Personalmangel nicht akut betroffen. „Klar, es gab Zeiten, wo es mehr Bewerbungen gab, aber wir können nicht klagen“, so Ralf Honekamp. Einen Grund dafür sieht er auch in seiner Tochter Theresa. Die 24-Jährige hat Ahaus nach ihrem Schulabschluss verlassen, um in Forchheim an der „Meininghaus – Akademie für Friseure“ zunächst ihre Ausbildung und dann ihren Meister zu machen.

Ralf und Stefan Honekamp räumen mit Friseur-Klischees auf und wollen für Handwerk begeistern

Mit Theresa Honekamp (r.) steht die nächste Generation bereits in den Startlöchern. © privat

Vor gut zwei Jahren kehrte sie dann zurück, um im Betrieb ihres Vaters und Onkels voll einzusteigen. „Es ist mein Traum-Beruf. Hier kann ich mich komplett entfalten“, erklärt die 24-Jährige, die bei „Honekamp – die Friseure“ vor allem für den Bereich Coloration zuständig ist. Ihr Vater Ralf Honekamp ist voll das Lobes: „Theresa ist für uns Gold wert. Sie nimmt die neue Generation mit und ist die perfekte Ergänzung für das Team.“

Flache Hierarchien als Erfolgsrezept

Team ist das Stichwort, denn für Ralf und Stefan Honekamp sind flache Hierarchien ein wichtiger Faktor für den Erfolg des Betriebes. „Wir wollen nicht über den Mitarbeitern stehen. Jeder soll Verantwortung übernehmen und seine Persönlichkeit entfalten können“, sagt Stefan Honekamp. Und das fange bei den Azubis an. „Wenn ein Auszubildender ein Jahr nur fegen oder Regale einräumen muss, verliert er jeden Spaß an dem Beruf.“

Jetzt lesen

Deshalb schicke man alle Azubis zum Ausbildungsstart für sechs Wochen auf die „Akademie der Friseure“, wo sie alle Grundlagen in verschiedenen Intensivkursen lernen. „Danach können wir sie sofort einsetzen. Wir sehen sie weniger als Auszubildende, sondern mehr als Assistenten“, so Ralf Honekamp. „Da ist eine ganz andere Wertschätzung vorhanden.“ Um den Teamgedanken weiter zu stärken, verbringt die gesamte Honekamp-Belegschaft jedes Jahr ein Wochenende gemeinsam. Es wird gemeinsam gekocht, gefeiert und über Visionen gesprochen.

Kritischer Blick auf „Geiz-ist-geil-Mentalität“

Ein wichtiger Punkt, das könne man nicht wegreden, sei aber immer auch die Bezahlung. Stefan Honekamp erklärt: „Wir haben Mitarbeiter, die für ihre Work-Life-Balance Stunden reduzieren und immer noch ein gutes Gehalt verdienen.“ Die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ mancher Kollegen betrachtet er mit Skepsis: „Wer für zehn Euro einen Haarschnitt anbietet, kann seinen Mitarbeitern auch kein Spitzengehalt zahlen.“

Der Friseurmeister glaubt: „Für meine Familie und mich ist der Beruf eine Leidenschaft. Und ich glaube, das überträgt sich auch auf das gesamte Team.“

Lesen Sie jetzt