Gutes Essen macht den Menschen glücklich, heißt es. Genau das ist dem Ahauser Land- und Golfhotel bei unserem Restaurant-Check mit Kreativität, Geschmack und ansprechender Optik gelungen.

Ahaus

, 30.03.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 6 min

Ganz ruhig gelegen, zwischen Ottenstein und Alstätte und umgeben von Wald, Wiesen und Golfplatz, liegt das „Ahauser Land- und Golfhotel“. Von der Terrasse genießt man den Blick auf den Golfplatz und nach einem guten Essen lässt es sich dort auch schön spazieren gehen. Natürlich ist das Haus im Sommer ein beliebtes Ziel für Radfahrer aus den umliegenden Orten.

So funktioniert der Restaurant-Check

Wir gehen ohne Ankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale, zahlende Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Lokale so, wie wir über sie mit Freunden und Bekannten sprechen würden – mit ihren Schwächen und Stärken.

Dafür ist es an diesem Märzsonntag noch zu kalt, also wählen wir das Auto für unsere Fahrt zum Land- und Golfhotel. Von Ottenstein aus vorbei an Karpaten, wo die Zelte schon wieder stehen, und wenig später rechts abgebogen – ein Stück weiter werden schon die Ausläufer des 36-Loch-Golfplatzes sichtbar. Einer der zehn besten Golfplätze in Deutschland, heißt es auf der Internet-Seite des Land- und Golfhotels.

Vorbei an der Hotelrezeption geht es ins Restaurant Fairway, das sofort vornehme Gastlichkeit ausstrahlt. Der freundliche Kellner führt uns an einen festlich eingedeckten, runden Tisch unter einem Kronleuchter, mitten in dem Gastraum. Weißes Tischtuch, weiße Stoff-Servietten - das Restaurant gibt damit die erste gute Visitenkarte ab.

Festlich eingedeckt und nicht überladen: Unser Tisch unter dem großen Kronleuchter im Land- und Golfhotel.

Festlich eingedeckt und nicht überladen: Unser Tisch unter dem großen Kronleuchter im Land- und Golfhotel. © Markus Gehring

Als alle sechs Gäste am Tisch sitzen, ist der Kellner auch schon wieder zur Stelle und nimmt die Getränkebestellungen auf. Nachdem er zur Theke im Nebenraum gegangen ist, bleibt den Gästen ein wenig Zeit, den Raum auf sich wirken zu lassen. Alle Tische sind festlich eingedeckt, in einer Ecke des Raumes erhält eine zehnköpfige Gruppe Frauen gerade die Vorspeisen. Ein Pärchen nebenan ist schon beim Nachtisch. Die übrigen Tische werden später fast alle noch besetzt. Aber auch dann ist der Raum nicht überfrachtet. Die Tische stehen weit auseinander, was dafür sorgt, dass die angenehme Atmosphäre auch dann erhalten bleibt, als mehr Gäste im Raum sind.

Blick in das Restaurant des Land- und Golfhotels.

Blick in das Restaurant des Land- und Golfhotels. © Markus Gehring

Als die Servicekraft nach kurzer Zeit die Getränke bringt, muss er nicht lange fragen, wer was bestellt hat. Gekonnt ordnet er Potts Weizen Alkoholfrei (0,5 L, 4,80 Euro), Sinalco Cola (0,4 L, 4,40 Euro), Lillet Wildberry (6 Euro), den trockenen Weißburgunder (Hauswein, 0,2 L, 5,40 Euro), einen Apfelsaft (0,2 L, 2,50 Euro) und eine Flasche Gerolsteiner Mineralwasser (0,75 L, 5,80 Euro) seinen Gästen zu.

Ein paar Minuten später überreicht der junge Mann den Gästen die Speisekarten. Drei Suppen, zwei Vorspeisen, zwei vegetarische Gerichte, zwei Fischgerichte und acht Hauptspeisen, dazu drei Burger-Gerichte – die Speisekarte ist nicht seitenlang, was erfahrungsgemäß oft Klasse statt Masse heißt. Genau das wird sich im Laufe des Abends auch bestätigen.

Die Vorspeisen

Der Gruß aus der Küche, eine Couscous-Variation.

Der Gruß aus der Küche, eine Couscous-Variation. © Bernd Schlusemann

Es geht los mit einem „Gruß aus der Küche“. Das ist eine Couscous-Variation mit frischen Sprossen, Granatapfelkernen, Tomatenstückchen, Dressing, etc. Dazu knackiges Weißbrot mit Curry- und Tomatenbutter - lecker. Der Start ist gelungen.

Wann haben Sie das letzte Mal Schwarzwurzeln gegessen? Sofort ist beim Blick in die Speisekarte klar, dass es diese Vorspeise werden muss. Die Cremesuppe mit Crostini und Schinkenchips (6,40 Euro) kommt als gute Portion daher und sättigt richtig. Mit Schwarzwurzelstückchen und leckeren Schinkenchips ist die Suppe super lecker und sicher eine echte Rarität auf den Speisekarten von Restaurants.

Carpaccio mal anders, mit gelber Beete und gratinierten Ziegenkäsetalern.

Carpaccio mal anders, mit gelber Beete und gratinierten Ziegenkäsetalern. © Bernd Schlusemann

Warum muss denn ein Carpaccio aus dünn geschnittenem, gut abgehangenem und plattieren Rinderfilet bestehen? Dass es in der kreativen Küche auch anders geht, dafür ist das Carpaccio im Land- und Golfhotel ein gutes Beispiel. Statt Rind kommt dafür marinierte gelbe Beete auf den auch optisch toll angerichteten Teller. Ergänzt mit gratinierten Ziegenkäsetalern und Blattsalatvariationen in Feigendressing, wird das ein nicht alltägliches, aber dafür umso wohlschmeckenderes Carpaccio (9,60 Euro).

Die Hauptspeisen

Bei sechs Gästen am Tisch ist es gut, dass der nicht auch noch zusätzlich mit Dekoration überfrachtet ist. Eine einzelne Blüte und eine Kerze (leider batteriebetrieben) im Glas lassen Platz für das, was da kommt. Und das, soviel vorab, hat – bis auf eine Ausnahme – durchweg überzeugt.

Die Tranchen vom Schweinefilet haben total überzeugt.

Die Tranchen vom Schweinefilet haben total überzeugt. © Bernd Schlusemann

Bei mir sind es die Tranchen vom Schweinefilet (19,80 Euro). Eine gute Portion, die es auch kleiner für 13,20 Euro gibt. Das Stück Fleisch ist groß und lässt eigentlich nicht viel Platz für Beilagen. Da ist die dazu gereichte Schale hausgemachter Walnussspätzle genau passend. Mehr muss es definitiv nicht sein. Das Filet ist auf den Punkt gegart, zart und von innen noch leicht rosa. Serviert wird das Fleisch an einem Trauben-Zwiebel-Gemüse mit leichter Marsalasauce. Ganz einfach gesagt: genial, diese Kombination.

Der Münsterländer Burger mit Knusper-Bacon

Der Münsterländer Burger mit Knusper-Bacon © Bernd Schlusemann

Burger gibt es mittlerweile in fast jedem Restaurant. Viele verwenden dafür Burger-Pattys aus Rinderhack. Im Land- und Golfhotel ist in dem Rustico Brötchen (das war leider etwas trocken) ein zartes Stück von der Rinderbrust. Knuspriger Bacon und Kraut komplettieren den Münsterländer Burger (15,80 Euro). Dazu gibt es frittierte Kartoffelstäbchen mit Dip und einen Salat mit Kräutervinaigrette.

Sicher nicht alltäglich: eine mit Walnüssen gefüllte Schweinefiletroulade. Und ganz sicher lecker.

Sicher nicht alltäglich: eine mit Walnüssen gefüllte Schweinefiletroulade. Und ganz sicher lecker. © Bernd Schlusemann

Eine mit Walnüssen gefüllte Schweinefiletroulade (19,60 Euro) findet der Gast auch nicht jeden Tag auf der Speisekarte. Wieder ist das Stück Fleisch auf dem Teller ordentlich, was die Menge angeht. Die Walnüsse in Kombination mit dem Schweinefilet und der Köstritzer Sauce – die auch ordentlich nach dem Schwarzbier schmeckt – ergeben eine völlig neue Geschmackskomposition. Oder ganz einfach gesagt: lecker. Der dazu gereichte, gebutterte Wurzelgemüse-/Kartoffelstampf ist ebenfalls lecker und kommt mit einer ganz eigenen Geschmacksnote daher.

Das argentinische Rumpsteak mit gebratenen Champignons.

Das argentinische Rumpsteak mit gebratenen Champignons. © Bernd Schlusemann

Kommen wir nun zum argentinischen Rumpfsteak mit gebratenen Champignons (22,60 Euro). Meine Frau hat kurz überlegt, ob sie das auch nimmt. Als das Gericht jetzt serviert wird, ist sie froh, dass sie es nicht genommen hat. Warum? Das Steak ist ihr zu groß. Die Männer am Tisch schätzen es auf 300 Gramm und sind begeistert. Gereicht wird es mit Julienne von roten Zwiebeln und Champignons. Julienne ist beim Kochen übrigens nur eine ganz bestimmte Schneideart, um Gemüse in streichholzartige Stifte zu schneiden. Das ist unserem Steak-Esser aber egal. Der ist begeistert von seinem Steak, für ihn hat der Koch alles richtig gemacht. Dazu gab es übrigens noch Bartkartoffeln mit Zwiebeln und Speck sowie einen Salat.

Die Entenbrust an einer Orangen-Portweinsauce.

Die Entenbrust an einer Orangen-Portweinsauce. © Bernd Schlusemann

Auch die gebratene Entenbrust (23,80 Euro) überzeugt. Schön rosa, so wie es sein soll, werden die Scheiben von der Entenbrust serviert. Orangen-Portweinsauce ist vielleicht etwas viel auf dem Teller, doch geschmacklich passt sie perfekt. Gebackene Rosmarin-Krapfen und ein paar Zuckerschoten runden die Komposition ab.

Vegetarisch: Die Kartoffel-Spinatpfanne.

Vegetarisch: Die Kartoffel-Spinatpfanne. © Bernd Schlusemann

Die Kartoffel-Spinatpfanne (11,80 Euro) im Land- und Golfhotel ist vegetarisch. Kartoffelstücken und Spinat in einer Kräuterrahmsauce, dazu ein paar Cocktailtomaten - unsere nicht-Vegetarierin lässt nichts übrig und findet es superlecker. Beim dazu bestellten Hähnchenschnitzel aus der Pfanne hat der Koch beim Würzen wahrscheinlich gerade an seine Liebste gedacht. Jedenfalls hat er es mit dem Salz etwas zu gut gemeint. Dafür stand es am Ende aber auch nicht auf der Rechnung.

Der Nachtisch...

...muss leider ausfallen. Panna Cotta vom Pfirsich, fein garniert (5,20 Euro), Nougatknödel mit Vanilleeis (5,10 Euro) oder Mousse von Vollmilchschokolade mit rotem Beerenragout (6,10 Euro) hätte die Küche für uns zu bieten gehabt. Leider müssen wir aber an diesem Abend auf ein Dessert verzichten. Die Portionen waren eigentlich auch so, dass ein Nachtisch nicht noch unbedingt nötig gewesen wäre. Aber: „Die Küche schließt um 21.30 Uhr“, sagt die Bedienung, als wir um 21.40 Uhr Nachtisch bestellen wollen. Vielleicht wäre hier zuvor ein kurzer Hinweis an die Gäste sinnvoll gewesen.... Zumal zwei Minuten später am Nebentisch noch ein Dessert serviert wird.

Der Salat zum Steak.

Der Salat zum Steak. © Bernd Schlusemann

Den Koch jedenfalls hat es geärgert, dass wir für unseren Restaurant-Check kein Dessert erhalten haben, berichtet mir Peter Geusendam später. „Da wurde ein Kommunikationsproblem zwischen Service und Küche aufgedeckt“, ergänzt der Geschäftsführer des Land- und Golfhotels. Und: „Nun – daran sieht man, dass auch die Dienstleistung sich in einem ständigen Entwicklungsprozess befindet“.

Der Service

Unsere Bedienung hatte ein wachsames Auge auf ihre Gäste, hielt sich aber gleichzeitig dezent zurück. Souverän hat der Kellner alleine das ganze Restaurant bedient, immer freundlich und zuvorkommend.

Die Preise

Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt absolut. Hier wird Qualität und Frische zu einem mehr als akzeptablen Preis geboten. Mit sechs Personen haben wir für zwei Vorspeisen, sechs Hauptgerichte und Getränke 173,90 Euro bezahlt, das heißt 28 Euro im Durchschnitt.

Das Angebot

Die Karte ist nicht lang, aber es ist sicher für jeden etwas dabei, ob Vegetarier oder Fleischesser, ob jung oder alt. Vorspeisen und Suppen kosten zwischen 4,60 und 12,60 Euro. Die vegetarischen Gerichte kosten 11,80 und 12,40 Euro. Bei den Hauptspeisen geht es mit 12,20 Euro für eine kleine Portion gebratenes Buttermakrelenfilet los und endet bei 28,60 Euro für Tournedos vom argentinischen Rinderfilet. Schön ist, dass für viele Gerichte auch kleine Portionen zu einem reduzierten Preis angeboten werden. Die Burger kosten zwischen 14,80 und 18,80 Euro. Beim Dessert liegen die Preise zwischen 5,10 und 6,20 Euro.

Das sagt das Netz

Bei tripadvisor (4,0) überwiegen die gut- und ausgezeichnet-Bewertungen, jedoch beziehen sich diese überwiegend auf das Hotel. In den Kommentaren bekommt aber auch die Küche durchweg gute Noten. Da heißt es: „Sehr gute Küche. Opulentes Frühstückbuffet.“ oder „Das Abendessen ist wirklich top. Uns hat es sehr gut geschmeckt. Auch für Vegetarier wurde ohne Probleme das Arrangement angepasst. Die Mitarbeiter sind durchweg nett und freundlich.“

Bei google erhält das Land- und Golfhotel 4,3 von 5 Sternen. „Das Preis-Leistung-Verhältnis ist stimmig“ oder „Hat sich in der letzten Zeit zu einer Top Adresse entwickelt...“ ist da zu lesen.

Barrierefreiheit

Das Hotel hat eine PKW-Vorfahrt und das Restaurant ist barrierefrei zu erreichen. Die Toiletten im Keller sind über einen Aufzug direkt am Restaurant erreichbar.

Restaurant Infos

Ahauser Land- & Golfhotel GmbH

Peter Geusendam

Schmäinghook 36

D-48683 Ahaus

Tel. 02567 / 380

Fax. 02567/ 38200

E-Mail: info@ahauser-land-golfhotel.de

www.ahauser-land-golfhotel.de

Anfahrt und Parken

Das Land- und Golfhotel ist über den Ottensteiner Damm zwischen Ahaus-Ottenstein und Ahaus-Alstätte erreichbar. Bei der Anfahrt einfach auf das Hinweisschild achten, das zum Golfplatz führt. Auf der rechten Seite tauchen irgendwann die Parkplätze vom Golfplatz auf. Einfach ein paar Meter weiter und dann nach links auf die hoteleigenen Parkplätze fahren.

Die Tische sind festlich eingedeckt.

Die Tische sind festlich eingedeckt. © Markus Gehring

Mein Fazit

Das Land- und Golfhotel habe ich 2012 schon einmal für den Restauranttest einer Fachzeitschrift besucht. Das damalige Hampshire Hotel stand unter anderer, ich meine niederländischer, Leitung. Es hat damals mit Abstand nicht so überzeugt wie beim jetzigen Besuch. Das war mir aber eigentlich schon vorher klar. Das Haus steht seit einigen Jahren unter Leitung von Peter Geusendam. Der hat mich mit seiner Küche schon überzeugt, als er mit seiner Familie noch das Landhaus Lindenbusch in Weseke (1989 bis 2017) geleitet hat. Ein späterer Besuch im dann auch unter der Leitung von Geusendam stehenden Ahauser Ratshotel (2005 bis 2016) bestätigte den ersten Eindruck.

Seit 2015 leitet Peter Geusendam nun das Ahauser Land- und Golfhotel. „Wir haben das Haus völlig anders positioniert“, blickt Peter Geusendam zurück. Waren vor der Übernahme durch ihn und seine Familie überwiegend Golfer Kunden des Hauses, setzt Geusendam heute auf den „normalen Restaurantbetrieb, jeder ist willkommen“. Das wird auch im geänderten Namen deutlich, der jetzt nicht mehr das Golfen in den Mittelpunkt stellt, wobei das natürlich weiterhin ein Teil des Kerngeschäftes geblieben ist. Gerne genutzt wird das Hotel in der Parklandschaft des Münsterlandes heute auch von Unternehmen, die dort Seminare durchführen.

Nach den bisherigen positiven Erfahrungen verbunden mit dem Namen Geusendam, war meine Erwartungshaltung bei dem jetzigen Besuch natürlich hoch. Küche und Service konnten voll überzeugen, trotz eines kleinen Ausreißers außerhalb der regulären Karte. Alle sechs Hauptgerichte dagegen haben begeistert, was die Kreativität der Zusammenstellung, die Zubereitung, den Geschmack, die Menge und die Präsentation angehen. Einfach empfehlenswert.

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