Förster Lukas Effkemann vor einem Ilex-Exemplar am „Karnickelberg“ in Ahaus. Die Stechpalme mit den charakteristischen roten Beeren taucht öfter mal in den Wäldern des Westmünsterlandes auf, aber nicht in allzu großer Zahl an einem Ort. © Anne Winter-Weckenbrock
Baum des Jahres

Immergrüne Palme: „Baum des Jahres 2021“ wächst auch am „Karnickelberg“

Der „Baum des Jahres 2021“ mag schattige Standorte in europäischen Laubwäldern. So ist die Ilex aquifolia auch in Ahaus anzutreffen. Am Karnickelberg wächst die immergrüne Stechpalme.

Die Stechpalme ist Baum des Jahres 2021. Wer mit offenen Augen in den Wäldern des Westmünsterlands unterwegs ist, wird sie kennen: Ilex aquifolia ist immergrün, hat ganz besondere Blätter und leuchtend rote Beeren.

Revierförster Lukas Effkemann vom Landesbetrieb Wald und Holz hat im Buchenwald am „Karnickelberg“ in Ahaus ein paar Exemplare ausgemacht. Sie wachsen nicht in riesigen Stückzahlen nebeneinander, „aber in schattigeren Bereichen sind sie oft zu finden“, weiß der Förster. Und kommen eher als Strauch als als Baum daher.

Dabei war der immergrüne Baum sogar einmal im Bestand gefährdet. Die Art erfreute sich vor mehr als 100 Jahren dermaßen großer Beliebtheit als Feiertagsdekoration, dass sie in ganzen Wagenladungen aus

den Wäldern transportiert wurde. Das teilt die Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung mit, die für die Auszeichnung zum „Baum des Jahres“ verantwortlich zeichnet.

Die Stechpalme ist ein echter Hingucker mit ihrer spezifischen Blattform und den leuchtend roten Beeren.
Die Stechpalme ist ein echter Hingucker mit ihrer spezifischen Blattform und den leuchtend roten Beeren. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Es waren Forstleute, Naturschützer und Politiker, die in den 1920er-Jahren auf den dramatischen Rückgang der Stechpalme reagierten: Seit etwa 100 Jahren habe wildwachsender Ilex als Weihnachtsdeko nun ausgedient und stehe in Deutschland unter besonderem Schutz, wie die Stiftung mitteilt.

„Baum des Jahres 2021“ wächst auch am „Karnickelberg“

Aus rein forstlicher Sicht werde die Stechpalme eher in Ruhe gelassen, erklärt Lukas Effkemann. Da sie häufig im Unterholz schattiger Laubwälder als Strauch wächst, ist ihre wirtschaftliche Nutzung weitgehend unbedeutend, beschreibt es auch die Stiftung. Aber: Vögel mögen die Ilex aquifolia. „Sie ist attraktiv für Vögel, da sind häufig Nester drin“, weiß der Förster. Und mutmaßt, dass die dornigen Blätter der Stechpalme zum Beispiel Katzen gut von den Nestern fernhält.

Stechpalme ist eher in Ahauser als in Vredener Wäldern zu finden

Die Stechpalme breite sich nicht in jedem Wald im Westmünsterland aus. „In den sandigen Bereichen nach Vreden raus eher nicht so“, erläutert der Förster. Eher feuchtere Ecken, wo auch Eichen und Buchen wachsen, so wie eben am Karnickelberg, eigneten sich als Lebensraum für die wilde Stechpalme.

Ein kleiner Ilex im Wald am
Ein kleiner Ilex im Wald am “Karnickelberg” in Ahazus – der “Baum des Jahres” 2020 vermehrt sich von selbst. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

„Die Stechpalme ist ein Paradebeispiel für gelebten Artenschutz, dank dem sich die Bestände in den letzten hundert Jahren in Deutschland deutlich erholt haben“, wird Stefan Meier, Präsident der „Baum-des-Jahres-Stiftung“, in der Pressemitteilung zitiert. Seit Urzeiten in Europa beheimatet, habe Ilex aquifolia es aufgrund klimatischer Veränderungen geschafft, sich neue Lebensräume in Skandinavien und Polen zu erschließen.

Als Teil der heimischen Flora bilde die Stechpalme einen wertvollen Baustein der Biodiversität der Wälder, betonte auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. „Der sympathische Immergrün ist er ein hervorragender Brutplatz und eine Nahrungsquelle für Vögel, Bienen und Hummeln“, so Klöckner.

Man muss schon nah rangehen an einen Ilex, um die roten Beeren zu erkennen. Das stachelige Grün dominiert bei der Stechpalme, die an sich in Pyramidenform wächst.
Man muss schon nah rangehen an einen Ilex, um die roten Beeren zu erkennen. Das stachelige Grün dominiert bei der Stechpalme, die an sich in Pyramidenform wächst. © Anne Winter-Weckenbrock © Anne Winter-Weckenbrock

Als Ziergehölz ist die Stechpalme heute in kaum überschaubarer Farb- und Formenfülle in Gärten und Parks vertreten.

Beeren sind für Menschen giftig

  • Die Stechpalme, auch Walddistel oder Christusdorn genannt, ist in Deutschland besonders geschützt und darf nicht aus Natur entnommen werden.
  • Zum Schutz vor Verbiss bilden Stechpalmen die Bewehrung ihrer Blätter in der Regel bis zwei Meter Höhe aus.
  • Ihre Blüten dienen im Sommer Bienen als Nahrung und im Winter ergänzen die roten Beeren der weiblichen Stechpalmen den Speisezettel von Vögeln.
  • Für Menschen sind Blätter und Beeren übrigens giftig.
  • Das Holz der Stechpalme ist hart und zäh und eignet sich für kleine, feine Holzarbeiten.
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Anne Winter-Weckenbrock

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