Am Dienstag noch freute man sich beim Klinikum Westmünsterland über den erfolgreichen Impfstart. Oberarzt Gerasim Temelkov, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, wird hier durch Pflegedirektor Oliver Lux (links) und Dr. Martin Lederle (rechts), dem Ärztlichen Leiter der Notaufnahme, geimpft. © Klinikum Westmünsterland
Coronavirus

Impfzentrum in Velen kann erst mit einer Woche Verzögerung starten

Das Unternehmen Biontech kann momentan nicht so viele Impfdosen liefern, wie bestellt wurden. In den Krankenhäusern werden Impfungen verschoben, das Impfzentrum startet später.

Für reichlich Ärger bei Ärzten und Krankenhauspersonal im Kreis Borken hat gestern die Ankündigung des NRW-Gesundheitsministeriums gesorgt, dass wegen Lieferproblemen beim Impfstoff des Unternehmens Biontech/Pfizer der Start der 53 Impfzentren im Land vom 1. Februar auf den 8. Februar verschoben wird. Betroffen ist auch die Einrichtung in Velen.

„Ich bin darüber extrem verärgert“, sagt Dr. Amin Osman, Hausarzt aus Gemen und Leiter der Borkener Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die für den Betrieb der Impfzentren zuständig ist. Er habe von der Verschiebung der Öffnung der Zentren am späten Dienstagabend erfahren. „Woran es liegt, dass auf einmal nicht genug Impfstoff da ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht.“ Für die vielen Menschen, die auf die Impfungen als Ausweg aus den Lockdown-Maßnahmen hingefiebert hätten, sei das „sehr enttäuschend“.

„Frustrierend“ sei zudem, so Osman, dass die niedergelassenen Ärzte und ihre Mitarbeiter zurückgestuft wurden und sich bei den Impfungen hinten anstellen müssen. „Das sind alles Menschen, die unmittelbaren Kontakt zu Patienten haben“, gibt Osman zu bedenken. Die Rückmeldungen aus der Ärzteschaft seien entsprechend. „Da hat die Politik aus meiner Sicht ihre Arbeit nicht gemacht“, sagt der Mediziner.

Klinikum Westmünsterland wurde von der Nachricht überrascht

Als „ungemein frustrierend“ hätten die Mitarbeiter des Klinikums Westmünsterland die Mitteilung des NRW-Gesundheitsministeriums empfunden – was vor allem an der kurzfristigen Absage gelegen habe, so Kliniksprecher Tobias Rodig. „Völlig überraschend“ habe das Ministerium dem Krankenhausverbund am Dienstagabend mitgeteilt, dass die für den 20. und 21. Januar bestellten Biontech-Impfstoffe nicht mehr ausgeliefert würden.

Deswegen erhalte beispielsweise das St.-Marien-Krankenhaus Ahaus-Stadtlohn-Vreden nur die Hälfte der zugesagten 480 Impfdosen, das Bocholter St.-Agnes-Hospital 100 Impfdosen weniger als eingeplant. Im Borkener St.-Marien-Hospital mussten die für Donnerstag geplanten Impfungen der Mitarbeiter der Kategorie 1 (z.B. auf Notaufnahmen und Covid-Stationen) wegen der ausbleibenden Impfstoff-Lieferungen komplett ausfallen.

Wann die Impfungen im Klinikverbund nachgeholt werden, könne man nicht sagen. Ludger Hellmann, Sprecher der Geschäftsführung, sagte dazu: „Viele Verantwortliche in unseren Häusern haben sich bemüht, die Impfbereitschaft im Personal zu fördern. Zuletzt war die ganz überwiegende Zahl der Mitarbeitenden bereit zur Impfung. Gerade für jene ärztlichen und pflegenden Mitarbeitenden, die schon viele Monate direkt in der Versorgung der Covid-19-Erkrankten tätig sind und sich nach persönlichem Schutz sehnen, ist dies ein schwerer Schlag und eine herbe Enttäuschung. Vertrauen ist verloren gegangen.“

Anmeldungen fürs Impfzentrum sind trotzdem möglich

Landrat Dr. Kai Zwicker betont in einer Pressemitteilung, dass der Kreis Borken auf die Impfstoffzuteilungen keinen Einfluss habe. Bedauerlich sei, dass die gerade auf den Weg gebrachten rund 23.500 Schreiben an die Über-80-Jährigen im Kreis Borken diese Terminverschiebung noch nicht berücksichtigten, sondern den ursprünglich geplanten Termin Anfang Februar beinhalteten. Ungeachtet dessen werde man aber am Montag (25. Januar) mit den Anmeldungen fürs Impfen starten.

Auch an den Planungen für die Zweitimpfung der bereits einmal geimpften Personen ändere sich durch die Lieferverzögerung nichts. Dafür gebe es ausreichende Liefermengen. „Auch ein verspäteter Start des Impfzentrums, den der Kreis nicht zu vertreten hat, eröffnet uns die Perspektive für eine Normalisierung des Alltags und die Hoffnung auf eine Rückkehr zu einem Leben ohne pandemiebedingte Einschränkungen.“

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