In Ahaus fallen Bäume, doch Ersatz wird in Rhede gepflanzt

mlzKlinikum Westmünsterland

Für den Anbau an das St.-Marien-Hospital werden mehrere Tausend Quadratmeter Wald gefällt. Ersatzpflanzungen gibt es aber nicht in Ahaus, sondern in Rhede. Das missfällt den Grünen.

Ahaus

, 05.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit im Industriegebiet Ahaus Ost, in der Nähe seiner Firma, Ende vergangenen Jahres illegal 18 alte Bäume gefällt wurden, ist Armin Siemes sensibilisiert. Ob illegaler oder offizieller Kahlschlag, für Armin Siemes steht fest: „In Ahaus wird zu leichtfertig gefällt. Das sage ich nicht alleine, das sagen auch viele andere Ahauser“ – sagt Armin Siemes.

Jüngster Aufreger ist für ihn das Abholzen der Bäume für den Erweiterungsbau am St.-Marien-Krankenhaus. Dort entsteht ein fünfgeschossiger, zwölfeinhalb Millionen Euro teurer Anbau mit 5000 Quadratmetern Nutzfläche.

Hinzu kommt eine gut 4000 Quadratmeter große, parkähnliche Fläche. Dafür werden insgesamt bis zu 18.000 Quadratmeter Wald gefällt. Was Armin Siemes sich fragt: „Warum wird der Wald nicht erhalten? Hätte der Anbau nicht an anderer Stelle am Krankenhaus gebaut werden können?“

„Moralische Verpflichtung“

Noch mehr ärgert Armin Siemes, dass die Ersatzpflanzungen nicht in Ahaus, sondern in Rhede vorgenommen werden sollen. Das hatte auch Grünen-Ratsmitglied Klaus Löhring in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses zum Thema gemacht.

Löhring sprach davon, dass es eine „moralische Verpflichtung“ des Krankenhauses gebe, Bäume in Ahaus zu pflanzen. Der Grünen-Ratsherr regte an, in Ahaus Flächen für Ersatzpflanzungen zur Verfügung zu stellen. Über einen entsprechenden Antrag soll in einer der nächsten Sitzungen debattiert werden.

Tobias Rodig, Leiter der Unternehmenskommunikation des Klinikums Westmünsterland, antwortet erst einmal auf die Fragen von Armin Siemes.

Hohe Investitionen

Was die Lage des Neubaus angehe, seien sämtliche Alternativen geprüft worden. „Nur zur Errichtung des Baufeldes auf einem Grundstück ist bereits eine hohe Investition nötig, die wir gerne bei einer sinnvollen anderweitigen Anbindung eingespart hätten“, erklärt der Klinikum-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion.

Den Anbau in Richtung Wald zu setzen, bezeichnet Tobias Rodig allerdings als „alternativlos“. Nur dort sei die Möglichkeit der Intensivstation-Erweiterung, einer sinnvollen Stationserweiterung mit kurzen Wegen, der Bau einer neuen, alle Etagen umfassenden Aufzugerweiterung und die problemlose Anbindung an Versorgungsstrukturen möglich.

Eigene Flächen

Warum die Ersatzpflanzungen in Rhede vorgenommen werden, erklärt Tobias Rodig so: Im Ortsteil Vardingholt könne eine Ausgleichsfläche geschaffen werden, weil die Gesellschafter des Klinikums dort eigene Flächen zur Verfügung stellen können. Für Ersatzpflanzungen in Ahaus hätten Flächen angekauft werden müssen – unter erheblichem finanziellen Aufwand.

Von der Stadtverwaltung Ahaus heißt es auf Anfrage, dass es gelegentlich vorkomme, dass für ein Bauprojekt in Ahaus die Ausgleichsfläche in einer anderen Kommune geschaffen werde. „Über die Anzahl und Größe der Fläche wird keine Statistik geführt“, teilt das Büro der Bürgermeisterin mit. Art und Umfang der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen seien abhängig von Bauvorhaben.

Aufforstung

Das Klinikum Westmünsterland hatte sich bei den Planungen mit dem Bezirksforstamt abgestimmt. So muss das Klinikum für jeden Quadratmeter Wald, der in Ahaus gefällt wird, an anderer Stelle 1,5 Quadratmeter Wald neu pflanzen.

Für den Neubau sei die Umwandlung von 1,83 Hektar Wald genehmigt worden, teilt Friedrich Louen von der Pressestelle des Landesbetriebes Wald und Holz NRW mit. Dafür werden in Rhede-Vardingholt 2,74 Hektar in fünf Teilflächen aufgeforstet.

Alle Gebiete würden an bereits vorhandene Waldflächen angrenzen. Friedrich Louen: „Es werden grundsätzlich standortgerechte Laubgehölze anerkannter Herkunft gepflanzt.“ Für Armin Siemes ist das nur ein schwacher Trost. „Bis die Bäume dort so weit sind wie die gefällten in Ahaus, das dauert.“ Nicht zuletzt verliere die Stadt einen Teil ihrer grünen Lunge und ein Stück weit ein Naherholungsgebiet für Spaziergänger.

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