Viele Betriebe bieten trotz Corona gerne Praktika an (Symbolbild). © picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB
Praktikumsplätze

In Ahaus überraschend viele Praktika trotz Corona möglich – wo gibt es noch Plätze?

Praktika bieten Schülern eine Möglichkeit, erste Berufserfahrungen zu sammeln. In Corona-Zeiten gibt es dabei manche Probleme. Eine Umfrage liefert aber auch überraschende Ergebnisse.

In den Beruf reinschnuppern, erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln und ausprobieren, was zu einem passt: Das machen Schüler üblicherweise im Rahmen eines Praktikums. Doch wie sieht es mit diesem Angebot in Zeiten der Corona-Pandemie aus? Und wo gibt es noch freie Plätze?

Unternehmen, die freie Praktikumsplätze anbieten und Praktikanten suchen, können sich bei der Münsterland Zeitung melden (Mail an lokalredaktion@muensterlandzeitung.de).

„Alle sind unsicher, ob das, was man plant, so durchgeführt werden kann“, berichtet Dirk Schütte, an der Anne-Frank-Realschule für die Praktika zuständig. Die Schüler der achten Klassen sollen im März im Rahmen der Berufsfelderkundung drei Tage lang unterschiedliche Bereiche entdecken. Die Neuntklässler machen normalerweise ein zweiwöchiges Betriebspraktikum. Im kommenden Jahr wird das Praktikum auf drei Wochen verlängert, weil im ersten Lockdown die Berufsfelderkundung ausfallen musste.

Doch nicht alle Betriebe können Schüler aufnehmen, wie Dirk Schütte erfährt. „Vor allem im Bereich Pflege haben die Betriebe aufgrund des Infektionsschutzes keine Möglichkeit“, erklärt er. Im handwerklichen Bereich hätten dagegen einige Schüler schon Zusagen.

Realschule denkt schon über Alternativen nach

Einige Schüler müssten angesichts der unklaren Lage noch auf eine Zusage warten. „Wenn wir sehen, dass es schwer fällt, können wir vielleicht nach hinten ausweichen“, überlegt er bereits. Alternativ könnten die Schüler einen der drei Berufsfelderkundungs-Tage in der Berufsbildungsstätte Westmünsterland verbringen und dort theoretisch lernen.

Dank gelungener Improvisation zieht Margot Brügger, Schulleiterin der Irina-Sendler-Gesamtschule, ein positives Fazit der Praktika. Die Zehntklässler waren zwei Wochen vor den Herbstferien unterwegs, die Neuntklässler drei Wochen nach den Ferien. „Das Interesse der Betriebe, Praktika durchzuführen, ist sehr groß“, hat Margot Brügger beobachtet.

Neue Lösung bei Praktikumsabsage möglich

Da die Planung frühzeitig abgeschlossen war, konnte für die Schüler, deren Betriebe ihnen absagen mussten, rechtzeitig eine neue Lösung gefunden werden. Das seien aber laut der Schulleiterin nicht mehr als 15 Prozent gewesen. „Wir hatten uns schon darauf vorbereitet, die Schüler mit berufskundlichem Unterricht in der Schule zu schulen“, erläutert Margot Brügger.

Auch Michael Hilbk, Schulleiter am Alexander-Hegius-Gymnasium, zeigt sich positiv überrascht. „Die Schüler haben nur wenige Absagen ereilt. Wider Erwarten hat das Praktikum ganz gut geklappt“, berichtet der Rektor anhand der Rückmeldungen der Zehntklässler, die sich nach den Herbstferien in die Betriebe begeben haben.

„Einige wenige Betriebe haben das Praktikum unterbrochen, weil es keinen Sinn gemacht hat“, blickt Michael Hilbk zurück. Die Schüler konnten ein theoretisches Alternativprogramm in der Schule nutzen.

Sparflamme bei Praktika am Berufskolleg

„Wir fahren zur Zeit auf Sparflamme“, stellt Alfred Kruft, stellvertretender Schulleiter am Berufskolleg für Technik, fest. Im Rahmen der Berufsvorbereitung ist für viele Schüler ein Praktikum erforderlich.

Die Schule versuche, mit den Betrieben in Kontakt zu bleiben. „Aber die Entscheidung liegt ganz klar in der Hand der Betriebe“, betont Alfred Kruft.

Natürlich würden derzeit weniger Praktikumsplätze als unter normalen Umständen vergeben.

Persönliche Kontakte fehlen Handwerkern

Und was sagen die Arbeitgeber? Daniel Janning, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Borken, hat sich vor drei Wochen noch mit dem Thema beschäftigt und die Zahlen in den Betrieben abgefragt. Das Ergebnis: „Wir haben noch 499 freie Praktikumsplätze in fast allen Branchen.“

„Vieles lebt in unserem Bereich vom persönlichen Kontakt. Das System hat sehr gut funktioniert“, meint Daniel Janning. Doch Angebote, bei denen Betriebe mit Schülern und Lehrern in Kontakt kommen, fallen weg.

Daniel Janning ist Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft am Standort Ahaus
Daniel Janning ist Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft am Standort Ahaus. © privat © privat

Und private Gespräche, aus denen berufliche Kontakte entstehen, sind in Corona-Zeiten ebenfalls deutlich seltener. „Viele Leute gehen deswegen weiter zur Schule, obwohl praktische Erfahrungen für sie sinnvoller wären. Das ist für uns ein großes Problem. Die Betriebe bieten gerne Praktikumsplätze an“, unterstreicht der Geschäftsführer.

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Bastian Becker

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