In Ahaus wird kräftig gebaut – nur kaum Sozialwohnungen

mlzWohnungsmarkt in Ahaus

Für Sozialwohnungen können Investoren in Ahaus 5,35 Euro Miete je Quadratmeter verlangen – auf dem freien Wohnungsmarkt sind es 8 Euro. Das macht den Sozialwohnungsbau nicht attraktiv.

Ahaus

, 23.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Erkenntnisse gab es für die Mitglieder des Sozialausschusses in der jüngsten Sitzung, als es um den sozialen Wohnungsbau in Ahaus ging. Erstens: In Ahaus wird nicht zu wenig gebaut. Zweitens: In Ahaus werden zu wenig Sozialwohnungen gebaut.

Wie beides zusammenhängt, erläuterte Fachbereichsleiter Michael Bethmann. Zudem lag den Ausschussmitgliedern dazu ein umfangreicher Wohnungsmarktbericht der NRW-Bank vor.

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Insgesamt gibt es in Ahaus (Stand 2018) 16.677 Wohnungen. 10.188 (61,7 Prozent) werden selbst genutzt, 6043 (36,6 Prozent) sind vermietet.

Immerhin 264 Wohnungen (1,6 Prozent) stehen leer und 16 Wohnungen (0,1 Prozent) werden als Ferien- oder Freizeitwohnung genutzt.

Vor allem anerkannte Flüchtlinge, Rollstuhlfahrer, Transferleistungsempfänger und Haushalte mit geringem Einkommen haben Probleme, eine adäquate und preisgünstige Wohnung zu finden.

Flüchtlinge zieht es in die Ballungszentren

Laut der Studie der NRW-Bank trägt die Zuwanderung der Flüchtlinge zur größer werdenden Nachfrage maßgeblich bei. Flüchtlinge, die bislang zum Großteil in Flüchtlingsunterkünften untergebracht waren, orientieren sich nach ihrer Anerkennung nach und nach auf dem regulären Wohnungsmarkt und suchen preisgünstigen Wohnraum, heißt es in der Studie.

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Michael Bethmann sagte zur Situation in Ahaus: „Es gibt ein riesengroßes Problem für Flüchtlinge, auf dem 1. Wohnungsmarkt Fuß zu fassen.“ Gleichwohl sei es so, dass es viele Flüchtlinge in die Ballungszentren ziehe.

Ahaus verfüge aktuell über einen relativ ausgeglichenen Wohnungsmarkt, erklärte Michael Bethmann. Mit Blick auf den sozialen Wohnungsbau gelte heute: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die Leerstände von morgen produzieren.“

Nach dem aktuellen Pestel-Kurzgutachten für Ahaus ergibt sich für 2025 sogar folgendes Bild: Die Anzahl der neu gebauten Wohnungen – bei gleichbleibender Tätigkeit – wird den tatsächlichen Bedarf übersteigen.

Wohnungsmarktbericht

Hier weitere Daten aus dem Wohnungsmarktbericht: Vom Gesamtbestand in Ahaus sind aktuell 548 Wohnungen gefördert (preisgebunden). Der Anteil (in Ahaus sind es 13,7 Prozent) liegt NRW-weit eher im oberen Bereich.

Nach den Berechnungen der NRW-Bank werden von den 548 Wohnungen bis 2027 etwa 44 Prozent (245 Wohnungen) aus der Preisbindung herausfallen. Das resultiert laut NRW-Bank vor alllem daraus, dass vermehrt alte Förderdarlehen außerplanmäßig (vorzeitig) zurückgezahlt werden.

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Die ursprüngliche Preisbindung wird damit drastisch verkürzt. Aufgrund der niedrigen Zinsen auf dem freien Kapitalmarkt machen Eigentümer von einer vorzeitigen Tilgungsmöglichkeit Gebrauch. Der Hintergrund: In Ahaus kann öffentlich-geförderter Wohnraum zu einem Quadratmeterpreis von 5,35 Euro vermietet werden.

Dem stehen jedoch 8 Euro Miete je Quadratmeter für Neubauten auf dem freien Wohnungsmarkt gegenüber. Michael Bethmann: „5,35 Euro sind für private Investoren nicht rentabel.“

Das hat zur Folge, dass in Ahaus die Investoren nicht gerade Schlange stehen, um Sozialwohnungen zu bauen. Dennoch gibt es in Ahaus eine vielfach höhere Bauaktivität als in vergleichbaren Kommunen.

Hemmnisse für Investoren

NRW-weit gilt: Meistgenanntes Hemmnis beim (sozialen) Wohnungsneubau ist nach einer Umfrage der NRW-Bank bei die Investoren die unzureichende Verfügbarkeit von Bauland (93 Prozent der Befragten). Auch die Baulandpreise werden als hinderlich für den Neubau von Wohnungen eingestuft.

Weiteres Hemmnis: die Auslastung von Unternehmen aus dem Baubereich. Der Bauboom stelle die Bauunternehmen kapazitätstechnisch vor große Herausforderungen. Und: Vielerorts würden Kommunen nicht über ausreichend Personal verfügen, um Baurecht zu schaffen, oder die eingehenden Anträge in einer angemessenen Zeit zu bearbeiten.

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Ein weiterer Hemmschuh: die ablehnende Haltung mancher Anwohner und Lokalpolitiker gegenüber Neubauprojekten in der Nachbarschaft.

Die NRW-Bank hat sich auch mit der Eigenheim-Erschwinglichkeit (Basis 2017) im Münsterland befasst. Die Frage: Wie viele Netto-Jahreseinkommen müsste ein Haushalt ausgeben, um ein durchschnittliches Eigenheim zu kaufen?

Die Antwort: In Ahaus, Vreden und Legden sind zum Beispiel bis zu fünf Jahreseinkommen erforderlich. In Stadtlohn und Südlohn reichen laut Erhebung vier Jahreseinkommen. In Münster sind im Durchschnitt mehr als sieben Jahreseinkommen für den Eigenheim-Erwerb erforderlich.

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