In Ahauser Shisha-Bar kommt es erneut zu handfester Auseinandersetzung – Zeugen schweigen

mlzAmtsgericht Ahaus

In einer Shisha-Bar in der Tembrinkstraße hat ein 50-Jähriger den Besitzer aufgesucht, bedroht und geschlagen. Später litten alle Beteiligten aber offenbar an Gedächtnisverlust.

Ahaus

, 28.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Shisha-Bar „7ays Ahaus“ an der Tembrinkstraße ist es Ende 2018 zu einem handfesten Streit gekommen, der nun vor dem Amtsgericht Ahaus verhandelt wurde. Laut Anklage kam damals ein 50-jähriger, offensichtlich erboster Mann in die Shisha-Bar. Der 50-Jährige suchte sofort die Konfrontation mit dem Inhaber der Bar. Laut Zeugenberichten lieferten sich beide zunächst ein Wortgefecht in einer fremden Sprache, bevor der 50-Jährige offenbar mehrfach zum Schlag ausholte.

Ein 17-jähriger Schüler, der als unbeteiligter Gast die Situation beobachtet hatte, schilderte vor Gericht: „Der ältere Mann hat mit der flachen Hand versucht, den Shisha-Bar-Besitzer im Gesicht zu treffen. Doch der konnte alle Schläge abwehren.“ Ein weiterer Zeuge konnte diese Version bestätigen und ergänzte: „Ich wollte dem Inhaber zur Hilfe eilen, weil er ein Kumpel von mir ist. Aber dann kamen noch zwei weitere Personen herein. Einer riss sofort die Überwachungskamera von der Wand und ein anderer hatte einen Hockeyschläger in der Hand.“

Weil sie sich selbst in Gefahr sahen, flüchteten die beiden Schüler nach draußen und riefen die Polizei. Die rückte mit mehreren Streifenwagen an, durchsuchte die drei Männer und deren Autos. Einer der Verdächtigen: der Sohn des 50-Jährigen, der deshalb ebenfalls auf der Anklagebank platznehmen musste. Er soll die Kamera von der Wand gerissen haben.

Merkwürdige Erinnerungslücken bei den Beteiligten

Wie schon bei ähnlich gelagerten Fällen in der jüngeren Vergangenheit hatten die direkt an der Aktion Beteiligten angeblich große Schwierigkeiten, sich vor Gericht an das Geschehen zu erinnern. Beispiel: Der Bruder vom Inhaber der Shisha-Bar hatte bei der ersten Vernehmung berichtet, dass damals ein Schuss gefallen sei. Davon wollte er im Zeugenstand aber nichts mehr wissen: „Es ist über ein Jahr her. Keine Ahnung, ob damals geschossen wurde.“

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Die Warnung des Richters, dass eine Falschaussage massive Konsequenzen haben könne, ignorierte der 28-Jährige geflissentlich: „Das nehme ich in Kauf. Unsere Familien sind befreundet. Für uns ist die Angelegenheit erledigt.“ Kurios: Der Inhaber der Shisha-Bar – also der Geschädigte – wurde zur Verhandlung erst gar nicht mehr geladen, weil er schon im Vorfeld hatte durchblicken lassen, keine Erinnerungen mehr an die Ereignisse zu haben. So waren es nur die beiden Schüler, die zur Aufklärung des Falls beitrugen.

Richter und Staatsanwalt unzufrieden mit der Situation

Für Richter und Staatsanwalt eine unbefriedigende Situation. Denn mehr als offensichtlich wurde hier versucht, sie an der Nase herumzuführen. Wohl nicht zuletzt deshalb schlossen sie einen Freispruch der beiden Angeklagten aus. „Für mich ist klar, dass Sie versucht haben, den Shisha-Bar-Inhaber zu schlagen. Deshalb wird es keine Einstellung des Verfahrens ohne Auflage geben“, erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft in Richtung des 50-Jährigen. Schließlich einigte man sich auf eine Geldauflage in Höhe von 450 Euro.

Ganz aus dem Schneider lassen wollte der Staatsanwalt auch den Sohn des Haupttäters nicht: „Ein Zeuge hat gesehen, dass Sie eine Kamera von der Wand gerissen haben. Einen Freispruch sehe ich deshalb nicht.“ Dieses Verfahren wurde schließlich ohne Auflage eingestellt. Allerdings trägt der Angeklagte die Kosten des Verfahrens.

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