Irena-Sendler-Gesamtschule feiert ihre Namensgeberin

mlzGesamtschule Ahaus

Die Gesamtschule Ahaus heißt jetzt auch offiziell Irena-Sendler-Gesamtschule. Der Namensgeberin wurde nicht nur die offizielle Feierlichkeit, sondern auch 50 Schülerprojekte gewidmet.

Ahaus

, 07.02.2019, 19:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war eine besondere Atmosphäre, die am Donnerstag in der Ahauser Gesamtschule herrschte. Zum einen war die Freude über die offizielle Feier zur Namensgebung zu spüren, auf der anderen Seite war die bewegende Geschichte der Namengeberin Irena Sendler allerorts präsent. Die gebürtige Polin hatte während des Holocausts mit mehren Helfern 2500 Kindern die Flucht aus dem Warschauer Ghetto ermöglicht. Für die gesamte Schule ein Balanceakt, den die Organisatoren und vor allem die Schüler erstaunlich souverän bewältigten.

Wahrscheinlich auch deshalb, weil der Tag nicht – wie sonst häufig üblich – mit Häppchen und Sektempfang für Eltern und die Honoratioren der Stadt begann. Stattdessen öffnete die Schule schon eineinhalb Stunden vor dem offiziellen Teil ihre Pforten. „Wir wollten die Möglichkeit bieten, dass sich alle Interessierten schon vorher mit den Projekten der Schüler und der Biografie von Irena Sendler befassen“, erklärte Hendrik Sunderdiek, Lehrer und Koordinator der fächerübergreifenden Entwicklung von Unterricht an der Gesamtschule.

50 Projekte zu Irena Sendler und ihrer Lebenseinstellung

Von Dienstag bis Donnerstag arbeiteten über 50 Schülergruppen unter Betreuung der Lehrer an ihren Projekten. „Die Schüler konnten ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Es sollte nur zu Irena Sendler oder ihrer Philosophie passen“, sagte Sunderdiek. So konnten die Schüler die Projekte nach ihren Stärken ausrichten.

Irena-Sendler-Gesamtschule feiert ihre Namensgeberin

Das Programm der offiziellen Feier gestalteten die Schüler mit. © Kip-Pic

Die Techniker unter den 9. und 10.-Klässlern befüllten unter der Anweisung von Thomas Kortböyer die App „Biparcours“. Wer in Zukunft mit der geöffneten App durch Ahaus läuft, erhält Informationen über jüdische Biografien, Stolpersteine, jüdisches Leben und weitere Hintergründe, die am jeweiligen Standort historisch verwurzelt sind. Auch für den Schulalltag soll die App in Zukunft genutzt werden. „Es gibt die Möglichkeit, nach einer Erkundungstour durch Ahaus mit einem Fragebogen die Infos abzufragen“, so Thomas Kortböyer.

Irena-Sendler-Gesamtschule feiert ihre Namensgeberin

Insgesamt gab es 50 Projekte. Diese Gruppe gestaltete ein großes Logo aus Holz in der Schulmensa. © Johannes Schmittmann

Die kunstaffinen Schüler widmeten sich einem ganz besonderen Projekt. Der lange in der Franziskusschule bespielte Flügel wurde von den Schülern in Erinnerung an Irena Schendlers Leben für eine gute Sache zweckendfremdet. An den Füßen kleben Fotos vom Warschauer Ghetto, durch die Gitter des Notenhalters „blicken“ zwei Insassen, ein Stück Stacheldrahtzaun sorgt für einen beängstigenden Anblick. Doch wichtig war den Schülern, auch Hoffnung zu symbolisieren. Bunte Farben, ein gelber Schmetterling und Unterschriften von allen Schülern und Lehrern bilden den Kontrast.

Projekte zu Zivilcourage und Humanität

Doch es ging in den Projekten nicht nur um Irena Sendler, sondern auch um ihr Lebenswerk. Für die insgesamt 400 geladenen Gästen hatten die Schüler jeweils eine Tasche gestaltet. Die meisten sind mit Zitaten und Lebensweisheiten von Irena Sendler versehen. „Es ist ein Zeichen für Mitmenschlichkeit“, sagte Marco Schulze, der das Projekt betreute.

Irena-Sendler-Gesamtschule feiert ihre Namensgeberin

Für das Rahmenprogramm der offiziellen Feier war der Schülerchor zuständig. © Johannes Schmittmann

Auch bei der offiziellen Feier drehte sich alles um die Namensgeberin der Schule. In ihren Reden schlugen Bürgermeisterin Karola Voß und Schulleiterin Margot Brügger einen Bogen zur heutigen Gesellschaft. „Irena Sendler zeichneten große Menschenliebe und ein kluger Geist aus. Sie hat ihre eigenen Bedürfnisse zurück gestellt“, sagte Margot Brügger. Damit sei sie ein Vorbild für die heutige Zeit. Denn auch heute gebe es Verfolgung von Minderheiten wegen Religion, Geschlecht oder Herkunft. „Wir müssen aufstehen, wenn Unrecht geschieht“, appellierte sie. „Setzt ein Zeichen für ein respektvolles Miteinander“, ergänzte Karola Voß.

Irena-Sendler-Gesamtschule feiert ihre Namensgeberin

Das alte Klavier der Franziskusschule wurde von einer Schülergruppe umgestaltet. © Johannes Schmittmann

Das Rahmenprogramm wurde komplett von den Schülern gestaltet. Der Schülerchor sang ein jüdisches Lied, Elias Brügger spielte „Barfuß am Klavier“ und der Kurs Darstellen und Gestalten stellte in einem kurzen Stück Szenen aus Theresienstadt nach.

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