Wie Jan Bertling (25) aus einer Schnapsidee „Feuertonnen Bertling“ entwickelte

mlzFeuertonnen Bertling

Von der Schnapsidee zum Nebengewerbe: Der Wessumer Jan Bertling (25) verkauft Feuertonnen wie warme Semmeln. Kon­ti­nu­ier­lich erweitert er sein Sortiment und geht mit der Zeit.

Ahaus

, 03.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Dem Eskimo einen Kühlschrank und dem Papst ein Doppelbett verkaufen zu können, gilt in manchen Kreisen als größtest Kompliment für einen Vertriebler. Dem Wessumer Jan Bertling sagt man genau das nach. Doch dieses Kompliment wird den Fähigkeiten des 25-Jährigen nicht gerecht. Wer kein Doppelbett braucht, dem verkauft Jan Bertling auch kein Doppelbett – um im Bild zu bleiben. „Ich habe im Laufe meiner Ausbildung zum Industriekaufmann gemerkt, dass es mein Ding ist, mit Menschen zu kommunizieren und da spielt Ehrlichkeit eine wichtige Rolle“, erklärt der Wessumer.

Nach seiner Lehre wechselt er den Betrieb und steigt bei Metallbau Bruns in Reken in den Vertrieb ein. Seitdem ist er deutschlandweit unterwegs, seine offene Art kommt bei den Kunden an. Was ihn auszeichnet, ist sein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen.

Aus einer Bierlaune entsteht die Feuertonnen-Idee

Und genau dieses Gespür war es dann auch, das ihn im April 2017 auf eine Idee brachte. Von einem seiner Kunden erhält er damals als kleines Geschenk eine Feuertonne. Vier Stahlplatten, simple Verarbeitung, an jeder Seite ein Motiv. Aus einer Bierlaune heraus denkt sich Jan Bertling: „Gute Idee, aber das kann man selbst noch besser machen.“

Wie Jan Bertling (25) aus einer Schnapsidee „Feuertonnen Bertling“ entwickelte

Weltkarte, Anker, Baum mit Krone: Die Motive sind vielfältig. © Feuertonnen Bertling

Der Wessumer profitiert von seinem ausgezeichneten Netzwerk und findet schnell einen Händler, der ihn mit zunächst zehn Feuertonnen beliefert. Er meldet ein Kleingewerbe an und beginnt mit der Einrichtung eines Online-Shops sowie einer Facebook-Seite. Damit steht der Name fest: Feuertonnen Bertling. „Es gab keinen Businessplan. Ich wollte einfach mal gucken, ob und wie das ankommt“, erklärt der Wessumer. Er bietet Feuertonnen mit standartisierten und individuellen Motiven an.

Feuertonnen gehen weg wie warme Semmeln

Was dann folgt, hätte er sich nicht erträumen lassen. Wie die sprichtwörtlichen warmen Semmeln reißen sie ihm die ersten zehn Feuertonnen aus den Händen. Sinnbildlich dafür eine Anekdote, die Jan Bertling lachend erzählt: „Wir hatten eine Tonne mit dem Schriftzug ‚Feuertonnen Bertling‘ für Eigenwerbung anfertigen lassen. Eine Frau aus dem Ruhrgebiet rief an und wollte sie unbedingt haben, denn ihr Mann hieß ebenfalls mit Nachnamen Bertling.“ Damit war die erste Feuertonne verkauft.

Wie Jan Bertling (25) aus einer Schnapsidee „Feuertonnen Bertling“ entwickelte

Die Mini-Feuertonnen sind das neueste Produkt im Sortiment und werden demnächst auch über Amazon vertrieben. © Johannes Schmittmann

Von den Einnahmen aus den ersten Verkäufen kauft er neue Feuertonnen. Aus dem Schneeball wird eine Lawine. Egal ob als Hochzeits- oder Weihnachtsgeschenk; für Vereine oder den Vorgarten: Die Leute reißen sich um die Tonnen. „Nach drei Monaten musste ich das Kleingewerbe zum Nebengewerbe ummelden“, erklärt der 25-Jährige. Auf der Plattform Facebook explodiert die Fangemeinde. Gut 26.000 Usern „gefällt“ nach aktuellem Stand die Seite von „Feuertonnen Bertling“. Seine regelmäßigen Gewinnspiele erreichen bis zu 1,5 Millionen Nutzer.

Erste Bewährungsprobe bestanden

Im Januar 2018 flattert dann der erste Großauftrag bei Jan Bertling ein. Ein Stadtlohner Unternehmer bestellt 150 Feuertonnen auf einmal. „Er wollte sie als Weihnachtsgeschenk an seine Kunden verschicken. Deshalb hatte ich für die Fertigung und Auslieferung mehrere Monate“, erklärt der Wessumer. Nach Feierabend und an den Wochenenden arbeitet er auf Hochtouren, damit alles glatt läuft. Und es läuft glatt.

Wie Jan Bertling (25) aus einer Schnapsidee „Feuertonnen Bertling“ entwickelte

Die Feuertonnen werden mit standardisierten und individuellen Motiven angeboten. © Feuertonnen Bertling

400 Feuertonnen wurden im vergangenen Jahr bei Jan Bertling in Auftrag gegeben, Tendenz steigend. Mittlerweile gibt es in Ahaus und Umgebung zehn Geschäfte, bei denen die Feuertonnen ausgestellt werden. In Ahaus stehen sie unter anderem beim Gartencenter Hilgert und Mima Möbel. Und auch das Sortiment hat sich im Laufe der Zeit erweitert. Mittlerweile gibt es Grablichter, Fässer und seit neuestem auch Mini-Feuertonnen, die als Tischdeko gefragt sind. Als Zubehör bietet er unter anderem Grillplatten und Flammlachse an. Weil der Online-Handel zunimmt, werden die Mini-Feuertonnen demnächst auch über den Versandhandel Amazon bestellbar sein.

Keine Gedanken, seinen aktuellen Job zu kündigen

Feuertonnen Bertling wächst und wächst. Vor einiger Zeit stellte Jan Bertling seinen ersten Mitarbeiter auf 450-Euro-Basis ein. Ob er bei diesem Wachstum darüber nachdenkt, seinen Neben- zum Hauptberuf zu machen? „Nein, niemals. Dafür macht mir mein Job bei Metallbau Bruns viel zu viel Spaß“, beton der Wessumer. „Es ist trotzdem schön, etwas Eigenes zu machen und durchgehend kreativ zu sein.“

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