Ahauser Juden Alfred und Hedwig Löwenstein starben im Vernichtungslager

Hedwig Löwenstein (v.l.) mit ihrer Tochter Ruth und ihrem Mann Alfred.
Hedwig Löwenstein (v.l.) mit ihrer Tochter Ruth und ihrem Mann Alfred. © privat
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Heute sei an die jüdische Familie von Alfred und Hedwig Löwenstein erinnert, die beide am 23. Juli 1943 im Vernichtungslager Sobibor im heutigen Polen in der Gaskammer ermordet wurden.

Alfred Löwenstein war wie sein Vater Ledergroßhändler und betrieb eine Lohgerberei in einem Haus in der Ulmenstraße 12 (heute: van-Delden-Straße) in Ahaus, das um 1910 errichtet wurde. Heute erinnern vor dem Haus drei Stolpersteine an die Familie.

Alfred Löwenstein war der Sohn von Moses Löwenstein (1826-1898) und Bertha, geb. Hartog (1840-1877). Er entstammte einer alteingesessenen Ahauser Familie, wovon viele Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof in Ahaus Zeugnis ablegen. Alfred war erst sechs Jahre alt, als er seine Mutter verlor.

Großhandlung für Schuhmachereibedarf

Er besuchte die Ahauser Rektoratsschule, übernahm spätestens nach dem Tod seines Vaters die „Großhandlung für Schuhmachereibedarf“ und heiratete Hedwig (genannt Hannchen) Katz, die am 16. Mai 1870 in Vacha/Thüringen geboren wurde.

Zwischen 1899 und 1914 kamen ihre sieben Kinder – sechs Töchter und ein Sohn – zur Welt. Unter dem NS-Regime steigerten sich Ausgrenzung und Entrechtung der jüdischen Bevölkerung, die in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zur Demolierung des Hauses Löwenstein und zur Plünderung des Warenbestandes der Großhandlung führten. Alfred und Hannchen Löwenstein konnten sich vor dem wütenden Mob durch ein Dachfenster ins benachbarte Haus retten.

Flucht in die Niederlande

Noch vor dem überstürzten Verkauf ihres Hauses flüchtete das Ehepaar Ende Dezember 1938 nach Maastricht in den Niederlanden. Nach der Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen wurden die Löwensteins ins Lager Westerbork/NL gebracht, von wo sie am 20. Juli 1943 nach Sobibor deportiert wurden.

Drei Tage nach ihrer Ankunft dort verloren sie ihr Leben in der Gaskammer. Alfred und Hannchen Löwenstein waren bei ihrer Ermordung 72 beziehungsweise 73 Jahre alt.

Töchter überleben das Grauen

Während ihr einziger Sohn Max schon mit zwei Jahren verstorben war, überlebten ihre sechs Töchter Bertha, Martha, Else, Regina, Lydia und Ruth, die alle die Canisiusschule besucht hatten, den Holocaust, indem sie sich ins Ausland retteten.

Judith Shapir, die Tochter von Regina Löwenstein, war vor einigen Jahren zu Besuch in Ahaus. Nach Alfreds und Hannchens Tochter, der promovierten Chemikerin Dr. Else Löwenstein, ist heute eine Straße im Ahauser Industriegebiet benannt.

AN SCHICKSALE DER VERSCHLEPPTEN AHAUSER ERINNERN

  • In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und auf Initiative des VHS-Arbeitskreises Ahauser Geschichte 1933-1945 veröffentlichen wir in loser Folge die Geschichten und Schicksale der Ahauser, die während des Holocausts aus Ahaus verschleppt wurden.
  • Damit wollen wir einen kleinen Teil dazu beitragen, das Andenken an diese Menschen wachzuhalten. Das WDR-Portal (www.stolpersteine.wdr.de) zu allen Stolpersteinen in NRW ist seit kurzem erreichbar.