Jugendliche aus dem Süden Brasiliens lernen den Alltag in Ahaus kennen

mlzIrena-Sendler-Gesamtschule

Aus dem Süden Brasiliens nach Ahaus: Beim Schüleraustausch lernen 14 Schüler aus Tunápolis Leben und Kultur im Westmünsterland kennen. Und schneebedeckte Abhänge in Winterberg.

Ahaus

, 21.02.2019, 14:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rund 10.600 Kilometter liegen zwischen Tunápolis-Santa Catarina und Ahaus. Und gerade rechtzeitig zum kurzen Winterintermezzo mit Schnee kamen die Austauschschüler aus dem Süden Brasiliens zum Gegenbesuch im Westmünsterland an – so konnten sie gleich den ersten großen Unterschied zu ihrer Heimat erleben. Da wird es im Winter auch schon mal zwei Grad kalt, erzählen Daiane Scheren und Ericky de Souza im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Aber eher gewöhnt seien sie an Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad.

Zusammen mit Lea Plümer von der Irena-Sendler-Gesamtschule und Luana Dörken sind die Brasilianer, die die Schule „EEB Pe Balduino Rambo“ besuchen, in die Redaktion gekommen. Seit dem 31. Januar sind sie in Ahauser Gastfamilien untergebracht und haben schon viel gesehen und erlebt. 14 Schüler und zwei Lehrer sowie zwei Studenten und eine Professorin der Uni Ueff sind bis Donnerstag, 21. Februar, zum Gegenbesuch in Ahaus, nachdem 15 Irena-Sendler-Schüler im Oktober 2018 vier Wochen in Tunápolis-Santa Catarina verbracht hatten.

Karneval ist für die Brasilianer nicht so wichtig

Über Whats-App und Instagram hielten die Jugendlichen Kontakt zueinander, nun gab es in den vergangenen Wochen viele persönliche Begegnungen. Die Gäste aus Brasilien haben Münster und Köln mit ihren Sehenswürdigkeiten besucht, waren in Enschede an der Uni Saxion und auf dem Markt. Und: Karneval haben sie gefeiert in „Klein-Köln“. Mit einem Auftritt der Blauen Garde und mit dem Prinzenpaar.

In "Klein-Köln" feierten die Schüler aus Brasilien und aus Ahaus mit dem Wüllener Prinzenpaar Karneval. Lea Plümer (stehend, 3. v. l.), Luana Dörken (vorn, mit dem Prinzessinen-Umhang), Ericky da Souza (hinter ihr) und Daiane Scheren (unten vorn, rechts) genossen die Feier.

In "Klein-Köln" feierten die Schüler aus Brasilien und aus Ahaus mit dem Wüllener Prinzenpaar Karneval. Lea Plümer (stehend, 3. v. l.), Luana Dörken (vorn, mit dem Prinzessinen-Umhang), Ericky da Souza (hinter ihr) und Daiane Scheren (unten vorn, rechts) genossen die Feier. © Privat

Brasilien und Karneval – da müssen die Jugendlichen aus Tunápolis gleich mit einem Vorurteil aufräumen: Karneval ist dort nicht so angesagt. Luana Dörken erklärt, warum: In Tunápolis-Santa Catarina leben viele Nachkommen deutscher Auswanderer. „Dort werden viele deutsche Dialekte gesprochen und gefeiert wird vor allem das Oktoberfest“, weiß die Ahauserin. Die Schülerin des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung ist die Initiatorin des Austauschs. Ihre Mutter ist als junge Frau aus Tunápolis nach Stadtlohn gekommen, um dort Verwandte zu besuchen und als Au-Pair-Mädchen zu arbeiten. Der Liebe wegen ist sie in Deutschland geblieben.

Luana wuchs zweisprachig in Wüllen auf, verbrachte viele Familienurlaube im Süden Brasiliens. Sie kam erst auf die Idee, dort die Schule zwei Wochen lang zu besuchen. Dann darauf, einen Austausch zu organisieren. In Vianei Hammerschmidt, Konrektor der „EEB Pe Balduino Rambo“, fand sie einen Mitstreiter, und in Ahaus sprach sie bei Bürgermeisterin Karola Voß vor, die eine Rundfrage an die Ahauser Schulen schickte. Judith Schmidt, Lehrerin für Spanisch und Englisch an der Gesamtschule, war von der Idee angetan, und der Austausch über 10.600 Kilometer nahm seinen Lauf.

Die Lehrer sind in Brasilien nicht so streng

Nun gehen die Brasilianer hier auch zur Schule. Gibt es Unterschiede? Ericky de Souza und Daiane Scheren sind sich einig: An technologischer Ausstattung hat die Irena-Sendler-Gesamtschule ihrer Schule einiges voraus, von der Ahaus-Card für die Essensbestellung bis zum Whiteboard. In ihrer Heimat ist Schulbeginn schon um 7.30 Uhr. Der Unterricht dauert dann bis 11.30 oder – mit Pausen – schon mal bis 17.15 Uhr. Ein langer Tag – Ericky de Souza und Daiane Scheren nicken. Lea Plümer (10. Klasse) nennt einen weiteren Unterschied: „Die Lehrer sind da nicht so streng“ , hat sie im Oktober in Tunápolis festgestellt. Daiane stimmt lachend zu.

Spaß im Winterberger Rodelabhang hatte hier auch Daiane Scheren (Mitte)

Spaß im Winterberger Rodelabhang hatte hier auch Daiane Scheren (Mitte) © privat

Luana Dörken ist bei den privaten Unternehmungen dabei. Wenn es nötig ist, dolmetscht sie. Portugiesisch ist die brasilanische Landessprache, aber die Jugendlichen aus Tunápolis sprechen ganz gut Deutsch. Wegen der Geschichte ihrer kleinen Kolonie. „Ahaus ist verglichen damit eine Großstadt“, sagt Luana Dörken. Auch der Ausflug zu den Rodelhängen im sauerländischen Winterberg machte allen Spaß – sie erwischten einen sonnigen Tag für den Ausflug, bevor es zwei Tage später schon wieder „Abschied nehmen“ hieß.

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