Junge Frau leidet seit einem Griff an den Po unter Angstzuständen

Sexuelle Belästigung

Nur wenige Sekunden dauerte das Geschehen am 21. September 2019 in einer Kinobar an der Bahnhofstraße in Ahaus. Das 22-jährige Opfer ist noch heute davon gezeichnet.

Ahaus

, 11.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In der Kinobar des Cinetech an der Bahnhofstraße kam es im September vergangenen Jahres zu einem Fall von sexueller Belästigung.

In der Kinobar des Cinetech an der Bahnhofstraße kam es im September vergangenen Jahres zu einem Fall von sexueller Belästigung. © Christian Bödding

Konkret ging es am Dienstag im Amtsgericht in Ahaus um eine sexuelle Belästigung. Diesen Tatbestand warf die Staatsanwaltschaft einem 49 Jahre alten Vredener vor.

Der Vredener soll am 21. September 2019 gegen 21.30 Uhr in der Kinobar des Cinetech in Ahaus eine junge Frau sexuell belästigt haben. „Er fasste dort einer 22-Jährigen an den Po“, trug der Staatsanwalt aus der Anklageschrift vor. Der Vredener hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt und beteuerte am Dienstag: „Ich habe das nicht gemacht.“

„Das hat mein Herz berührt“

Er sei nach Feierabend in die Kinobar gegangen, um etwas zu trinken und dort auf den Bus zu warten, der ihn nach Vreden bringen sollte. Die junge Frau und ihr Begleiter hätten Billard gespielt. Die Frau habe eine Beinprothese getragen. „Das hat mein Herz berührt, das habe ich ihr gesagt.“

Der Richter spielte daraufhin mehrere Videosequenzen ab, die an dem Abend in der Kinobar aufgenommen wurden. „Sie stehen längere Zeit neben der jungen Frau, das ist zu sehen“, sagte der Richter dem Angeklagten.

Merkwürdig sei, so der Richter, dass ein Video, das das Geschehen aus einer anderen Perspektive zeigt, abrupt endet. „Da wurde etwas weggeschnitten“, sagte der Richter. Das Video endet just in dem Moment, in dem der Angeklagte seinen linken Arm in Richtung der 22-Jährigen bewegt. Allerdings war auf weiteren Sequenzen in der Vorderansicht zu sehen, wie die Hand des Angeklagten zum Gesäß der Frau geht.

Jetzt lesen

Die 22-Jährige leidet seit dem Geschehen unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Der Richter las eine Stellungnahme der Therapeutin der 22-Jährigen vor. Demnach weine das Opfer seit der Tat viel und zeige heftige Angstsymptome. Die junge Frau sehe laut Therapeutin in allen Männern seit der Tat eine sexuelle Bedrohung.

Der Freund der 22-Jährigen berichtete im Zeugenstand, dass sich seine Partnerin vom Vredener beobachtet gefühlt habe. „Ich sprach den Mann an, aber es wurde nicht besser“, sagte der 20-Jährige. „Dann kam der Angeklagte, schüttelte mir die Hand und entschuldigte sich. Danach ging er zu meiner Freundin und stellte sich dicht neben sie. Meine Freundin rief: Er hat mir an den Hintern gefasst.“

Tränen im Zeugenstand

Der 22-Jährigen fiel es im Zeugenstand sichtlich schwer, das Geschehene wiederzugeben. Sie hatte – in Absprache mit ihrer Therapeutin – den Sachverhalt zu Papier gebracht. Bei der Schilderung der Tat brach sie in Tränen aus. „Er sprach mich an. Ich dachte nicht den geringsten Moment daran, dass etwas passieren könnte. Dann legte er seine Hand auf mein Gesäß und berührte mich seitlich im Schritt.“

Ob es sich nicht auch um eine versehentliche Berührung gehandelt haben könne, wollte der Richter wissen. Die Zeugin: „Nein, so weit unten kann man die Hand nicht heben, dass das versehentlich war.“ Neun weitere Zeugen

– darunter Kinogäste – warteten darauf, ihre Erinnerungen des Abends zu schildern. Nach der Aussage des ersten Zeugen wurde auf weitere Details verzichtet. Der 24-Jährige gab an, genau gesehen zu haben, wie der Angeklagte die Frau berührte.

Der Richter belehrte daraufhin den Angeklagten, seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen. „Wenn es heute zu einem Urteil kommt, bleibt es nicht bei einer Geldstrafe“, machte der Richter deutlich. Der Vredener folgte der Aufforderung. Der 49-Jährige muss eine Geldstrafe in Höhe von 900 Euro zahlen.

Lesen Sie jetzt