Junger Palästinenser Oday macht seinen Weg

Spracherwerb schafft Perspektiven

Oday Mohammad ist ein junger Mann, der seine Worte sorgfältig wählt und lächelnd über seine Zukunft spricht. Das war nicht immer so. Weil ihm die Worte fehlten. Und weil ihm eine Perspektive für die Zukunft fehlte. Die Wende ist sozialpädagogischer Hilfe und ehrenamtlichem Einsatz zu verdanken – vor allem aber dem Willen Odays, die deutsche Sprache so gut wie möglich zu erlernen.

AHAUS

von von Stefan Grothues

, 04.09.2012, 18:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Junger Palästinenser Oday macht seinen Weg

Oday Mohammad hat seinen Weg ins Berufsleben gefunden - mit Unterstützung und zur Freude von Christine Menker, Jörg Damrath, Franziska Lengers (v.l.) und Guido Muddemann (nicht auf dem Foto).

 Und weil Oday eher ein zurückhaltender Typ ist, sprach er im Unterricht nicht viel. „Ich musste ja in meinem Kopf immer erst alles ins Arabische übersetzen. Das hat gedauert.“ Am Ende reichten seine Schulnoten nicht aus, um seinen Wunschberuf zu ergreifen. „Ich wollte Heilerziehungspfleger werden.“ Den Beruf hatte er kennengelernt, weil sein Bruder körperlich und geistig behindert ist. Am Berufskolleg Lise Meitner absolvierte Oday daraufhin eine Ausbildung zum Sozialhelfer. Aber er wollte mehr und wandte sich an den Jugendmigrationsdienst und an die Kompetenzagentur.Franziska Lengers und Christine Menker erkannten schnell die beiden Hauptprobleme: Oday darf sich nicht allein auf einen Wunschberuf fixieren. Und vor allem: Er muss besser deutsch sprechen und schreiben lernen. Oday ließ sich 2011 überzeugen, neue praktische Erfahrungen im Bundesfreiwilligendienst zu sammeln: in der mobilen Pflege des Caritasverbandes. Und es fanden sich mit Jörg Damrath und Guido Muddemann zwei Ehrenamtliche, die Oday seit einem Jahr Woche für Woche zwei Stunden lang Deutscheinzelunterricht erteilten. Für den pensionierten Lehrer Damrath war das ein echtes Vergnügen: „Oday hat so viele Fortschritte gemacht. Und er war immer höchst interessiert. In der Schule machen Lehrer oft andere Erfahrungen. Jetzt besprechen wir sogar schon Gedichte.“ Oday selbst hat unterdessen einen neuen Plan für die berufliche Zukunft. Und er hat bereits begonnen, ihn zu verwirklichen: Vor wenigen Wochen hat er bei der Caritas Pflege & Gesundheit eine Ausbildung zum Altenpfleger begonnen.  

 „Die Arbeit mit den alten Menschen macht Spaß. Wir kommen sehr gut miteinander aus“, berichtet Oday. Nach der Ausbildung möchte er auf jeden Fall weitere Erfahrungen in der Altenpflege sammeln.Aber er denkt auch schon an ein Studium. „Ich will auf jeden Fall noch weitermachen.“ Das gilt auch in Sachen Spracherwerb: Trotz Ausbildungsvertrag steht für den jungen Mann so wie auch für Jörg Damrath und Guido Muddemann fest: Die freiwilligen Deutschstunden werden fortgesetzt. 

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Gronau bietet Unterstützung für ausländische junge Menschen und Spätaussiedler bis 27 Jahre im Ahaus, Heek, Stadtlohn, Vreden, Legden und Schöppingen. Er wird gefürdert durch das Bundesfamilienministerium. Weitere Infos bei Franziska Lengers, Tel. (01 51) 16 77 00 72. www.ev-jugendhilfe.de/jmd-gronau  › Die

Ahaus im Berufsorientierungszentrum an der Fürstenkämpe richtet sich an junge Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren, die nicht mehr schulpflichtig sind, aber nicht wissen, welchen Beruf sie erlerenen sollen oder die keinen Ausbildungsplatz finden. Die Kompetenzagentur wird vom Bundesfamilienministerium und aus EU-Mitteln gefördert. Ansprechpartnerin: Christine Menker, Tel. (02561) 69 93 82. www.kompetenzagentur-ahaus.de

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