Im Baubereich sind die Preise in den letzten Monaten teilweise explodiert, außerdem ist Baumaterial knapp. © dpa
Wirtschaft

Kaum Baumaterial und bis zu 300 Prozent teurer – Handwerker haben Beschaffungsprobleme

Die Material- und Rohstoffknappheit macht auch den hiesigen Handwerksbetrieben stark zu schaffen. Ist überhaupt Nachschub zu bekommen, muss tief in die Tasche gegriffen werden. Die Verunsicherung ist groß.

Trotz einer guten Auftragslage durch eine leicht gestiegene Nachfrage nach handwerklichen Leistungen ist die Belastung der Handwerksunternehmen durch die Corona-Krise in den vergangenen vier Wochen unverändert hoch geblieben. Grund sind zunehmende Beschaffungsprobleme der Betriebe.

Das ergab eine Corona-Blitzumfrage der Handwerkskammer Münster Anfang Oktober, an der 544 Unternehmen aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region teilnahmen.

Preissteigerungen bis zu 300 Prozent

Auch in Ahaus ist diese Materialknappheit massiv spürbar. „Alle Unternehmen aus den Bereichen Bau und Innenausbau sind betroffen“, sagt Daniel Janning, Chef der Kreishandwerkerschaft im Kreis Borken am Standort Ahaus. Grund seien massive Beschaffungsprobleme und drastische Preissteigerungen bis zu 300 Prozent.

Ulrich Bogenstahl sorgt sich als Obermeister der Bau-Innung vor allem um hohe Preise für Beton und Zement.
Ulrich Bogenstahl sorgt sich als Obermeister der Bau-Innung vor allem um hohe Preise für Beton und Zement. © Bogenstahl © Bogenstahl

Dies führe oft zu großen Verzögerungen im Bau, weil Materialien fehlen. Werde beispielsweise der Kunststoff für die Kabelummantelung nicht geliefert, könnten keine Kabel für die Elektrik verlegt werden. „So hängt eines am anderen“, sagt Janning.

Die Verunsicherung sei groß in den Betrieben, obwohl die Auftragsbücher voll seien. Zusätzlich zu den Beschaffungsproblemen kämen finanzielle Sorgen, da viele Altverträge kaum Absicherungen für den Betrieb enthielten.

Wird das Material teurer, fällt es schwer, den vorher zugesagten Preis für den Kunden einzuhalten, ohne ins Minus zu rutschen. „Die Betriebe versuchen, eine Lösung mit dem Kunden zu finden“, so Janning. „Der Betrieb kann das nicht alleine tragen.“

Neue Verträge mit Zusatzklausel

In den meisten Fällen gelinge eine Einigung. Neu geschlossene Aufträge würden nun aber stets mit der sogenannten „Preisgleitklausel“ abgeschlossen. „Der Kunde stimmt dann den Mehrkosten zu, wenn das Material teurer wird“, so der Ahauser.

Obwohl dies eine gewisse finanzielle Absicherung für die Handwerker bedeutet, sei die Stimmung in den hiesigen Firmen „durchwachsen“, wie man bei der Kreishandwerkerschaft beobachtet. „Man kann nicht langfristig planen, weil niemand weiß, ob und wann neues Material geliefert wird“, so Daniel Janning.

Trotz steigender Preise seien ihm glücklicherweise noch keine Insolvenzen gemeldet worden – obwohl die Preise stetig steigen.

Dies merken auch die Kunden, die zunehmend zurückhaltender reagieren und teilweise schon Aufträge storniert haben. In Ahaus seien sogar schon Grundstücke zurückgegeben worden, sagt Ulrich Bogenstahl, Obermeister der Bau-Innung für den Raum Ahaus. „Am Ende kann das lang geplante Eigenheim dann finanziell nicht mehr gestemmt werden.“ Die Situation sei für beide Seiten schwierig, ergänzt Daniel Janning.

Zement und Beton knapp, Transportkosten hoch

Kollege Bogenstahl, Geschäftsführer des gleichnamigen Familienbetriebs aus Legden, bereiten vor allem hohe Kosten für Zement und Beton große Sorgen. „Der Preis wird wegen der CO2-Abgabe zum 1. Januar noch weiter steigen“, so der Obermeister.

Außerdem sei es immer schwieriger, überhaupt an Material, wie zum Beispiel Kies für die Betonherstellung, zu kommen: „Abbaugebiete werden immer knapper.“ Zudem seien Spekulanten ein Problem, die zusätzlich Flächen aufkauften.

Problematisch seien auch hohe Transportkosten. „Ohne Diesel geht es nicht“, gibt er zu bedenken. Er hoffe nun auf ein Einlenken der Politik. „Die Probleme sind zum Glück auch bei der Politik angekommen und werden Teil der Koalitionsverhandlungen sein“, ist er sich sicher.

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