88 Jahre Firmengeschichte: Thomas Dieker (57) führt das Unternehmen in der dritten Generation. Kinder Jana (25) und Niko (23) stehen als vierte Generation schon bereit und wollen die Tradition fortführen. Erst einmal steht jetzt aber die Erweiterung in der Nachbarschaft an. © Stephan Rape
Geplante Erweiterung

Kein einstimmiger Beschluss: Dieker braucht mehr Platz für den Onlinehandel

Euronics XXL Dieker braucht mehr Platz für ein neues Lager. Seit der Spielplatz nebenan entwidmet wurde, ist das eine Option. Doch die sorgt längst nicht überall für Freude.

Thomas Dieker will erweitern: Der Geschäftsführer von Euronics XXL Dieker am Adenauerring braucht mehr Platz: Einerseits werden TV-Geräte oder Haushaltsgeräte immer größer und brauchen entsprechend mehr Platz. Andererseits werde der Online-Handel immer wichtiger. Die geplanten rund 865 Quadratmeter Erweiterung sollen deswegen auch ausschließlich als Lagerfläche dienen.

„Ich weiß, dass ich nicht die geringste Chance habe, auch nur einen Zentimeter mehr Verkaufsfläche zu bekommen“, sagt er. Die Vorgaben der Stadt machen das auf dem Firmengelände unmöglich. Stichwort Einzelhandelskonzept und Schutz der Innenstadt.

Mehrere Außenlager sollen an einem Ort konzentriert werden

Aktuell ist das Unternehmen auf mehrere Außenlager angewiesen. Wo die liegen, will Thomas Dieker lieber nicht sagen. Um es unliebsamen Besuchern nicht zu leicht zu machen. In jedem Fall sei die Logistik aktuell deswegen sehr aufwendig. „Wir müssen die Artikel mehrfach hin- und herfahren“, erklärt er. Mit dem neuen, zentralen Lager soll dieser Lieferverkehr deutlich verringert werden. Thomas Dieker rechnet mit ungefähr der Hälfte des An- und Ablieferverkehrs.

Mehr Lagerfläche ist unbedingt nötig: Um den immer wichtigeren Onlinehandel bedienen zu können: „Wir haben keine scharfe Trennung zwischen Online- und stationärem Handel“, sagt Thomas Dieker. Das Konzept bei Euronics beruhe darauf, die Menschen durch den Onlinehandel in den stationären Laden zu locken. „Wenn aber jemand nur online kaufen möchte, ist das für uns auch in Ordnung“, fügt er hinzu. So sieht er das Traditionsunternehmen – Thomas Diekers Großvater baute und verkaufte schon 1933 die ersten Radios in Ahaus – mit seinen 45 Mitarbeitern gut aufgestellt.

Die Idee für eine Erweiterung habe er schon lange mit sich herumgetragen. Aber erst mit der Entwidmung der Fläche in der Nachbarschaft sei sie konkret geworden. „Vorher hätte ich ja gar nichts machen können“, sagt er. Erst im vergangenen Juni hatte der Jugendhilfeausschuss den ehemaligen Spielplatz zwischen Markt und dem Wohngebiet Scharfland entwidmet – einstimmig.

Andreas Dönnebrink wütend über Aufgabe der Spielplätze

Genau dieser Punkt trieb Andreas Dönnebrink (SPD) in dieser Woche gleich zwei Mal die Zornesröte ins Gesicht. Sowohl im Ausschuss für Bauen, Planen und Stadtentwicklung als auch im Rat kamen die Pläne von Thomas Dieker zur Sprache. Bevor die erste Baumaschine anrücken kann, müssen nämlich die Bebauungspläne geändert werden.

Andreas Dönnebrink war aber schon die Entwidmung der Spielfläche ein Dorn im Auge: Es gebe anderslautende Ratsbeschlüsse. „Es kann nicht sein, dass alle Spielflächen aufgegeben werden“, sagte er. Die Entscheidung hatte der Jugendhilfeausschuss allerdings auch mit den Stimmen der SPD-Mitglieder getroffen.

Die Argumentation: Die Stadt konzentriert sich laut aktuellem Beschluss auf die Leuchtturmspielplätze im Schlossgarten und dem Freizeitgelände Ork. Daneben bleiben etliche Quartiersspielplätze erhalten, die jedoch sparsamer ausgestattet werden. Im Juni waren sechs Flächen entwidmet worden. Darunter auch die rund 1500 Quadratmeter große Fläche, auf der das Unternehmen Dieker jetzt erweitern will.

Auf der Fläche hinter dem Elektromarkt Euronics XXL Dieker – einem ehemaligen Spielplatz – möchte das Unternehmen ein neues Lager bauen. Bis es soweit ist, dauert es aber auch.
Auf der Fläche hinter dem Elektromarkt Euronics XXL Dieker – einem ehemaligen Spielplatz – möchte das Unternehmen ein neues Lager bauen. Bis es soweit ist, dauert es aber auch. © Stephan Rape © Stephan Rape

Doch auch mit der Erweiterung an sich konnte sich Andreas Dönnebrink nicht anfreunden: Das Sonderzentrum am Adenauerring zu genehmigen, sei 2003 ein Fehler gewesen. „Wir müssen der Erweiterung nicht zustimmen“, sagte er. Und das taten er und sein Fraktionskollege Hermann-Josef Herickhoff dann auch nicht. Genau wie die beiden WGW-Politiker Hermann-Josef Haveloh und Norbert Frankemölle. „Wo sollen denn die Spielplätze hin, wenn wir demnächst wieder welche brauchen?“, hatte Haveloh zuvor gefragt.

Erschließung des neuen Gebäudes macht Politikern Sorgen

Die Politiker sahen noch ein zweites Problem: die Erschließung. Die von Thomas Dieker eingereichten Skizzen legten den Verdacht nahe, dass das neue Lager sowie die Parkplätze vor dem Gebäude nur durch das Wohngebiet Scharfland erreicht werden könnten. Das sei den Anwohnern dort nicht zuzumuten. Da waren sich die Politiker einig. Und auch die Verwaltung bemühte sich, diese Wogen zu glätten. Das sei auch nicht vorgesehen. Die Erschließung solle weiter über den Adenauerring erfolgen.

Nachfrage bei Thomas Dieker: „Die Erschließung erfolgt weiter über den Adenauerring“, beteuert er. Ein Teil der Garagen im linken Teil des Gebäudes werde abgerissen. Das war auf den Zeichnungen, die er mit seinen Unterlagen bei der Stadt eingereicht hat, allerdings noch nicht zu sehen.

Den „Amazons dieser Welt die Stirn bieten“

Doch es gab aus der Politik auch deutlich positive Stimmen: Jörg Bliesniewski (CDU) etwa sah die Politik im Ausschuss am Dienstag dazu verpflichtet, den veränderten Bedingungen im Handel Rechnung zu tragen. Auch Ludwig Niestegge (UWG) begrüßte am Donnerstag im Rat, dass ein Ahauser Unternehmen „den Amazons dieser Welt die Stirn bieten will“. In diesem Fall sei die Aufgabe des Spielplatzes als Ausnahme sinnvoll.

Auch die Grünen konnten sich damit arrangieren: „Gekoppelt an eine verpflichtende Dachbegrünung oder die Aufstellung von PV-Anlagen auf dem Dach ist es sinnvoll, diesen Spielplatz aufzugeben“, sagte Dietmar Eisele.

Der Technische Beigeordnete Thomas Hammwöhner hatte sowohl im Rat als auch vorher im Ausschuss versucht, den Politikern zu erklären: Das Verfahren stehe noch ganz am Anfang. Erst einmal gehe es nur darum, den Bebauungsplan zu ändern. Die Detailplanung schließe sich erst daran an – und werde entsprechend in der Politik diskutiert.

Auch Thomas Dieker macht sich keine Illusionen, dass er erst ganz am Anfang der Planung steht: „Das wird wohl noch zwei bis drei Jahre dauern“, schätzt er.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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