Helen Haveloh zeigt das rohe Bananenbrot, bevor es für circa eine Stunde in den Ofen muss. Normalerweise werden für ein Bananenbrot unter anderem Milch und Eier gebraucht. Aber es geht auch ganz einfach vegan. © Madlen Gerick
Vegane Ernährung

Keine tierischen Produkte: Ottensteinerin (23) sieht darin nur Positives

Viele Menschen ernähren sich in Deutschland mittlerweile vegan. Doch setzt sich diese Ernährungsform auch in Ahaus durch? Wir haben mit einer Veganerin und Lebensmittelmärkten gesprochen.

Mit einer Gabel zerquetscht Helen Haveloh Bananenstücke in einer Schüssel. Statt Kuhmilch fügt sie Hafermilch hinzu. Das Ei lässt sie weg. Das kann durch die Bananen und das Öl nämlich ganz gut ersetzt werden, sagt die 23-jährige Lehramtsstudentin aus Ottenstein.

Seit gut zwei Jahren ist sie Veganerin. Das heißt sie verzichtet auf alle tierischen Produkte sowohl bei der Ernährung als auch bei der Kleidung. Damit gehört sie zu den 2,6 Millionen Menschen in Deutschland, die vegan leben – doppelt so viele wie noch 2016.

Heute backt Helen Haveloh Bananenbrot. Das macht sie schon seit langem fast jede Woche, aber so richtig zum Trend geworden ist es erst 2020 während des Lockdowns. Das Gute an Bananenbrot: Es ist schon fast vegan. Das Rezept muss nur minimal abgeändert werden.

Und auch andere Gerichte lassen sich oft sehr einfach vegan gestalten. „Es gibt mittlerweile so viele Optionen für vegane Ersatzprodukte. Ich glaube, die Lebensmittelläden haben gemerkt, dass sich das lohnt“, sagt Helen Haveloh.

Immer mehr Lebensmittelmärkte setzten auf vegane Produkte

Besonders im Januar machen viele große Lebensmittelketten beim „Veganuary“, also dem veganen Januar, mit und bieten vermehrt vegane Produkte an. Bei der Kampagne werden Menschen dazu aufgerufen, einen Monat lang zu testen, wie es ist, auf tierische Produkte zu verzichten.

Das Unternehmen Kaufland macht zwar nicht bei der Kampagne mit, hat aber mit rund 180 Artikeln viele vegane Produkte in seinem Sortiment – darunter Brotaufstriche, Pflanzenmilch und Burgerscheiben. „Die Nachfrage unserer Kunden nach vegetarischen und insbesondere veganen Produkten hat in den letzten Jahren stetig zugenommen“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage. Seit 2016 hat das Unternehmen deswegen eine Eigenmarke für eben solche Nahrungsmittel.

Auch kleinere Lebensmittelmärkte bemerken den Trend. Marina Lindemann von Edeka Lindemann in Ottenstein sagt: „Vegetarische und vegane Produkte kommen immer mehr.“ In ihrem kleinen Markt gebe es nicht ganz so viel Platz für solche Lebensmittel wie in größeren Filialen, aber: „Wir haben zum Beispiel vegane Burger-Patties und Hähnchenfleisch oder Chips und Nudeln aus Linsen. Und die Produkte laufen auch alle gut.“

Ethische und gesundheitliche Gründe sprechen für Veganismus

Von Ersatzprodukten wie veganem Fleisch und Käse ist Helen Haveloh kein besonders großer Fan. Hin und wieder isst sie diese, aber meistens bleibt sie bei Gemüse, Hülsenfrüchten, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Nüssen und Früchten, die ja sowieso vegan sind.

Sie sagt, dass ihr tierische Produkte gar nicht fehlen. Schon seit ihrem 14. Lebensjahr lebt sie vegetarisch, der Umstieg zur veganen Ernährung fiel da nicht mehr ganz so schwer. Vor allem, da sich für sie nur positive Dinge daraus ergeben haben.

Hautbild wurde klarer

„Ich hatte früher starke Akne und als ich dann auf Milchprodukte verzichtet habe, habe ich gemerkt, wie mein Hautbild klarer geworden ist und wie ich mich allgemein fitter gefühlt habe.“ Hauptgrund für ihre Entscheidung vegan zu leben war aber der ethische Aspekt.

Sie möchte nicht, dass Tiere für ihren Konsum leiden müssen. „Es läuft einfach vieles schief bei den Haltungsbedingungen für Tiere. Klar gibt es auch gute Haltungsbedingungen, aber trotzdem stirbt ein Tier für mich, wenn ich Fleisch esse. Wenn es also auch ohne geht, warum nicht?“

Eine abwechslungsreiche Ernährung ist der Schlüssel

Nährstoffe oder Vitamine fehlen ihr durch den Verzicht nicht, sagt sie. Diese könne sie auch durch eine abwechslungsreiche vegane Ernährung aufnehmen. „Dadurch, dass ich bei meinem Essen darauf achte, dass es vegan ist, achte ich generell viel mehr darauf, was ich esse, also auch wie viele Nährstoffe darin enthalten sind. Ich glaube, dass viele Leute, die Fleisch essen, das nicht machen.“

Nachdem Helen Haveloh Mehl, Zucker, Backpulver und Kakaopulver zu dem Teig für das Bananenbrot hinzugefügt hat, zerhackt die 23-Jährige erst die gerösteten Walnüsse, dann Zartbitterschokolade und gibt beides in die Schüssel. Obwohl es Schokolade ist: In Zartbitterschokolade ist keine Milch enthalten. „Es gibt eigentlich ganz viele Sachen, von denen man gar nicht direkt denkt, dass sie vegan sind“, findet Helen Haveloh.

Wenige vegane Speisen in Restaurants in der Umgebung

In der Imbissbude oder im Restaurant sei es trotzdem schwierig, ein veganes Gericht auf der Speisekarte zu finden – gerade hier auf dem Land. „Hier im Umkreis gibt es nicht so viele vegane Gerichte. Aber wenn man fragt, dann machen die meisten Restaurants gerne etwas. Da bin ich bisher oft positiv überrascht worden.“

So wurde bei der Pizzeria, bei der sie öfter bestellt, irgendwann ein veganer Döner auf die Speisekarte gesetzt. „Aber zur Not: Eine Pommes geht immer“, sagt Helen Haveloh.

Missionieren will die Veganerin nicht

Auch wenn sie sich freut, wenn andere Menschen vegan leben, stört es sie absolut nicht, wenn Freunde in ihrer Gegenwart Fleisch braten und essen. „Wenn Leute mit mir über das Vegansein reden wollen, dann tue ich das gerne, aber ich würde nie jemanden missionieren wollen. Was jemand isst, ist allein seine Sache.“

Und bei Helen Haveloh ist diese Sache heute Bananenbrot. Nur noch den Teig in die Form geben und für eine Stunde backen. Dann wird das Brot mit etwas Ahornsirup und Zimt glasiert und schon kann sie es genießen.

Denn es gibt nur eines, das ihr bei der Diskussion über verschiedene Ernährungsformen wichtig ist: „Dass wir bewusst mit unserer Nahrung umgehen – unabhängig davon, ob es tierische Produkte sind oder nicht.“

Über die Autorin
freie Mitarbeiterin
Das Praktikum bei der Münsterland Zeitung hat mich für den Journalismus begeistert. Also ging es nach Dortmund, um Journalistik zu studieren. Wenn ich wieder in der Heimat bin, liebe ich es über Themen zu berichten, die die Menschen hier bewegen.
Zur Autorenseite
Madlen Gerick

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.