In der Bahnhofstraße schlugen Beamte der Kriminalpolizei im Oktober 2019 zu und stellten kiloweise Drogen und Waffen in der Wohnung des Dealers sicher. © Markus Gehring
Landgericht Münster

Kiloweise Drogen im Gefrierschrank: Ahauser Dealer muss hinter Gitter

Eine Machete, Schusswaffen und kiloweise Drogen haben Kriminalbeamte im Oktober 2019 in einer Wohnung in der Bahnhofstraße sichergestellt. Die Hintergründe der Drogengeschäfte sind dubios.

Die Polizei schlug in der Ahauser Bahnhofstraße am 16. Oktober 2019 zu. Mit einem Durchsuchungsbeschluss betraten Beamte der Kriminalpolizei die Wohnung eines seinerzeit 34-jährigen Mannes. Ein Hinweis brachte die Ermittler auf die Spur des Ahausers. Und was die Beamten sicherstellten, war schon beachtlich.

Gut 3,3 Kilo Amphetamine (Feuchtgewicht) in einem Gefrierschrank im Keller, Waffen wie eine Machte und eine Schreckschusspistole, 3,5 Gramm Heroin und eine fünfstellige Summe Bargeld. Eine erdrückende Beweislast, die dem Ahauser Drogendealer vor dem Amtsgericht Ahaus eine knapp dreijährige Haftstrafe ohne Bewährung einbrachte. Doch gegen das Urteil ging der Mann vor. Darum wurde die Sache jetzt vor dem Landgericht in Münster verhandelt.

Der Grammpreis betrug drei bis fünf Euro

Dabei ging es dem Verteidiger des heute 35-jährigen Dealers nicht um die Schuldfrage, sondern darum, die Strafe zu reduzieren. Eine Bewährungsstrafe sollte es seiner Ansicht nach werden. Doch es kam anders. Aber der Reihe nach. Denn die Umstände, die hinter den Drogengeschäften stecken, sind so fragwürdig wie dubios.

Eines vorweg: Laut Ermittlungen der Polizei hatte der 35-Jährige ursprünglich vier Kilo Amphetamine von seinem Lieferanten bekommen. Als die Polizei zuschlug, hatte er bereits rund 700 Gramm in Umlauf gebracht. Zu je drei bis fünf Euro das Gramm. Der Einkaufswert soll pro Gramm einen Euro betragen haben. Wobei richtig eingekauft hatte der Ahauser den Stoff dann auch nicht.

„Kunden“ waren Freunde und Bekannte

„Der Typ (der Lieferant – d. Red.) hat mir den Stoff so überlassen. Ich sollte ihn verkaufen und ihm dann 4000 Euro geben“, erklärte der Ahauser. Die sichergestellte Drogenmenge überschritt, so las es der Richter vor, um das 79-fache die „geringe Menge“ und war zudem hochkonzentriert. Zum Kundenstamm des 35-jährigen Dealers sollen vor allem Freunde und Bekannte gehört haben.

Dass die Polizei dem Ahauser überhaupt auf die Schliche kam, hing mit einem Hinweis zusammen. Und der macht die Sache richtig kurios. Denn so soll es der Lieferant des 35-Jährigen gewesen sein, der den entscheidenden Tipp gab. „Das ist doch merkwürdig. Damit fällt doch auch auf den Lieferanten etwas zurück“, hakte der Staatsanwalt nach.

Lieferant soll „Druck gemacht haben“

„Keine Ahnung. Der Typ hat was gegen mich. Ich habe ihm das Zeug nicht schnell genug verkauft. Er hat Druck gemacht“, erklärte der Ahauser. Und: Während der Verhandlung vor dem Amtsgericht Ahaus im Juni 2020 offenbarte er zugleich die Personalien des Lieferanten. Somit haben sich die beiden Männer gegenseitig verpfiffen. „Und weil mein Mandant das verraten hat, sollte die Strafe reduziert werden“, so der Verteidiger.

Ebenfalls kurios: Während der Verhandlung merkte der Vorsitzende Richter an, dass gegen den 35-jährigen Ahauser noch eine weitere Anklage wegen Drogenhandels im Zeitraum von August bis September 2020 und ein Strafbefehl wegen Fahrens ohne Führerschein vorliege. Ersteres war dem Verteidiger nicht bekannt. Beides war aber nicht Gegenstand des Berufungsverfahrens.

Teures Auto mit Drogengeschäften finanziert?

Und: Obwohl der 35-Jährige sich nach eigenen Angaben nur mit Aushilfsjobs und „elterlicher Hilfe“ über Wasser hält, konnte er sich doch ein BMW für 22.000 Euro leisten. Bezahlt natürlich in Bar. Das Geld soll eine Bürgschaft eines Bekannten gewesen sein.

Etwas, das der Staatsanwalt in sein Plädoyer aufnahm. „Die Berufung ist zu verwerfen. Der Mann hatte keine Skrupel, sich illegal zu bereichern. Mit dem Verkauf der Drogen sollte das Auto finanziert werden.“

Schlussendlich kam der Richter dem Antrag der Verteidigung geringfügig entgegen. Das Strafmaß wurde um zwei Monate auf zwei Jahre und acht Monate reduziert. Ohne Bewährung. Der Ahauser nahm das Urteil kopfschüttelnd zur Kenntnis.

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