Mit missbräuchlich genutzten Kreditkartendaten wollte ein 23-Jähriger in den Besitz eines neuen iPhones kommen. Der Betrug flog allerdings auf. © picture alliance/dpa/dpa-tmn
Computerbetrug

„Knappe Nummer“: Ahauser schrammt noch so eben an einer Freiheitsstrafe vorbei

Mit fremden Kreditkartendaten wollte ein 23-Jähriger zu einem neuen iPhone kommen. Der Betrug fiel auf, nicht die einzige Straftat des Ahausers. Der Richter gab ihm eine letzte Chance.

„Lassen Sie die Finger von solch einem Mist!“ Die Worte des Richters an den Angeklagten waren eindeutig. Angesichts der Palette an Einträgen ließ der Computerbetrug, wegen dessen der 23-Jährige aus Ahaus nun vor dem Amtsgericht zu erscheinen hatte, das Fass nahezu zum Überlaufen bringen.

Aber eben nur fast. Für diese „knappe Nummer“, so der Richter, setzte es noch einmal eine Geldstrafe. Diese hatte auch der Staatsanwalt gefordert. Die oft bemühte letzte Verwarnung wurde ausgesprochen.

Im November 2020 hatte der Ahauser mit einem ausgedachten Namen einen Fake-Account bei einem Softwareunternehmen eingerichtet. Mittels fremder Kreditkartendaten, die er missbräuchlich verwendete, habe er darauf 900 Euro aufgeladen, gestand er.

„Das Geld habe ich dann auf meinen eigenen Account geschickt“, erklärte der 23-Jährige. Im Shop des Unternehmens kaufte er darauf ein iPhone für 872 Euro – der Bluff flog aber auf.

Angeklagter ist kein unbeschriebenes Blatt

Wie er denn überhaupt an die Kreditkartendaten gekommen sei, fragte der Richter. Über eine bestimmte Telegram-Gruppe, erklärte der Angeklagte, der sich umfassend geständig zeigte: „Dort werden auch solche Daten eingestellt.“ Er habe für das Smartphone die Summe an den Shop überwiesen, ein finanzieller Schaden sei so nicht entstanden. Er habe auch als Einzeltäter gehandelt und bereue dies.

Der Registerauszug legte die lange Vorgeschichte offen: fahrlässige Körperverletzung, mehrfaches Fahren ohne Fahrerlaubnis, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Diebstahl. Vieles war allein angesichts des jugendlichen Alters nicht weiter verfolgt worden.

Der Staatsanwalt betonte in seinem Plädoyer aber durchaus, dass einige Vorstrafen schon „einschlägig“ seien. Zugute wolle er dem Ahauser das Geständnis und die zu erkennende Reue halten. 70 Tagessätze à 15 Euro seien der Tat und Schuld angemessen.

„Irgendwann ist auch für so etwas eine Freiheitsstrafe fällig“

Der Verteidiger des Mandanten merkte ebenfalls an, dass sein Mandant „den Kopf auf den Tisch gelegt“ habe: „Er hat aus purer Geldnot gehandelt.“ Das rechtfertige die Tat natürlich nicht. Man müsse berücksichtigen, dass sich der Angeklagte keine finanziellen Vorteile verschafft habe – ganz im Gegenteil. „Die Liste an Einträgen wird ja noch länger“, so der Verteidiger.

Jüngst war dem 23-Jährigen gekündigt worden, auch eine abgeschlossene Ausbildung sei keine vorhanden, hatte der Angeklagte schon zuvor berichtet. Leistungen habe er beim Jobcenter noch keine beantragt.

Insgesamt forderte der Verteidiger eine Geldstrafe „im Ermessen des Gerichts“: „Mein Mandant muss als Erwachsener nun den Ernst erkennen, es muss mehr als nur einen Fingerzeig nach Jugendstrafrecht geben.“ Diesen Faden spann dann auch der Richter weiter. Er folgte dem vom Staatsanwalt angesetzten Strafmaß. Er belasse es auch deswegen noch einmal dabei, weil das „Geld weg“, das iPhone sichergestellt und so kein Schaden entstanden sei. Und: „Ich habe den Eindruck, dass Sie das bereuen“, so der Richter.

Er schob aber gleich eine eindringliche Warnung hinterher: „Irgendwann ist auch für so etwas eine Freiheitsstrafe fällig.“

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