Knöllchen nach Augen-OP: „So tritt man in Corona-Zeiten nicht auf“

mlzKnöllchen in Ahaus

Zu Unrecht wegen Parkens auf dem Gehweg verwarnt fühlt sich Martin Künnemann. Besonders aber stört den Rheinenser das Auftreten der Ordnungsamts-Mitarbeiterin – gerade in der Corona-Krise.

Ahaus

, 11.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch 24 Stunden nach einer nach seiner Ansicht unerfreulichen Begegnung mit einer Mitarbeiterin des Ahauser Ordnungsamtes steht Martin Künnemann der Zorn noch ins Gesicht geschrieben. Der 51-Jährige aus Rheine fühlt sich nicht nur zu Unrecht mit einem Bußgeld von 55 Euro für das unrechtmäßige Parken auf dem Gehweg im eingeschränkten Halteverbot ausgesetzt, viel mehr ärgert ihn das Vorgehen der Mitarbeiterin. „Da habe ich mich in meiner Privatsphäre bedrängt gefühlt“, so der Familienvater am Donnerstagmorgen an gleicher Stelle. Begleitet wie am Vortag von Frau Birgit.

Auf dem Heimweg sackt der Kreislauf ab

Was war geschehen? Nach einer Augen-OP hatten sich die beiden Rheinenser am Mittwoch gegen 11.15 Uhr auf den Heimweg gemacht. „Ich hatte 18 Stunden nichts gegessen, spürte, wie der Kreislauf wegsackt. Deshalb habe ich meine Frau gebeten, kurz zu halten, um mir im K+K ein Brötchen zu holen“, berichtet der Gastronom. Und so stellte seine Frau den Wagen an der van-Delden-Straße 6 ab, direkt vor der Redaktion der Münsterland Zeitung.

Dort gilt ein eingeschränktes Halteverbot, auf das „Verkehrsschild 286“ weist Künnemann vor Ort hin. Er sei im Wagen geblieben, behindert habe man niemanden, es sei Platz genug für Fußgänger auf dem Gehweg geblieben. Auch habe man keine Ausfahrt blockiert.

„Meine Frau war noch nicht mal im Laden, da steckte eine Frau ihren Kopf förmlich durch die Tür, die ich etwas offen gestellt hatte, um besser Luft zu bekommen“, so erinnert sich der Familienvater. „Ordnungsamt Ahaus, das kostet sie 55 Euro“, habe die Frau ihn in schroffem Ton angefahren. „Und das weder mit Mundschutz ausgestattet noch mit dem nötigen Abstand.“ Er habe – von der OP noch leicht benommen – versucht zu erklären, dass es sich um einen medizinischen Notfall handele, er soeben operiert worden sei und seine Frau ihm nur kurz ein Brötchen besorge.

Kein Mundschutz und geringer Abstand

Alles „ohne Wirkung“. Mit sichtbar „feuchter Aussprache“, so die Auffassung Künnemanns, sei die Mitarbeiterin ihm dann noch näher gerückt, sie habe sich nicht aufklären lassen. Das Ticket sei binnen zwei Minuten ausgestellt gewesen – noch bevor seine Frau aus dem Markt zurückgekehrt sei.

Noch am gleichen Nachmittag kontaktierte der 51-Jährige das Ahauser Ordnungsamt, um eine Dienstaufsichtsbeschwerde anzukündigen. „Man sagte mir, diese müsse ich direkt an die Bürgermeisterin persönlich richten. Und das werde ich auch tun“, sagt Martin Künnemann.

Auftritt der Mitarbeiterin stößt negativ auf

„Fakt ist: Wir haben nicht unrechtmäßig geparkt, ich bin im Auto geblieben, meine Frau als Fahrzeugführerin war in direkter Nähe.“ Auch habe man nicht länger als drei Minuten gestanden und niemanden behindert. 55 Euro passten so schon gar nicht. Viel mehr noch stört ihn aber das Auftreten der Mitarbeiterin: „Wenn man in Corona-Zeiten so jemandem entgegentritt, gleichsam aber selbst von den Bürgern Abstands- und Hygienevorschriften einfordert, dann ‚Gute Nacht‘.“

So begegne man nicht seinen Gästen, für ihn sei das Kapitel Ahaus nach der Operation „vorerst abgeschlossen“.

Bürgern steht Recht auf Einwand zu

In Rücksprache mit dem zuständigen Bereich teilt Stefan Hilbring von der Pressestelle der Stadt Ahaus mit, dass es einem Fahrzeughalter, der sich zu Unrecht verwarnt fühlt, frei steht, das Verwarnungsgeld nicht zu zahlen und Einwände gegen die Verwarnung zu erheben. „In einem sich anschließenden Verfahren würde die Rechtmäßigkeit dann überprüft", erklärt Hilbring.

Weiter: Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes trügen bei Kontakt mit anderen Personen eine Mund- und Nasenbedeckung, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. „Ansonsten reicht im öffentlichen Raum die Einhaltung des Mindestabstands gemäß 12a der Coronaschutzverordnung aus“, sagt Stefan Hilbring. Weiter will sich der Pressesprecher nicht äußern, aus Gründen des Datenschutzes und auch, weil der Stadt bislang noch kein Vorgang vorliege.

Aber der Vorgang wird das Rathaus erreichen, wie der Rheinenser betont. Rechtsbeistand hat sich Martin Künnemann bereits eingeholt, sagt er: „Die 55 Euro werde ich sogar zahlen, aber an jemanden hier spenden, der es gerade in dieser Corona-Krise verdient hat.“

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