Kosmetikerinnen mit Verständnis für Lockdown – aber er trifft sie hart

mlzCoronavirus in Ahaus

Die Haupteinnahmequelle bricht den Kosmetikstudios nun im November weg. Wie schon sieben Wochen im Frühjahr während des ersten Corona-Lockdowns. Aber immerhin: Fußpflege bleibt erlaubt.

Ahaus

, 31.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ihr erster Gedanke war „Mist, das gibt’s doch nicht.“ Am Mittwochabend dachte Heike Dirksen, sie müsste ihr Studio für Kosmetik, Nageldesign und medizinische Fußpflege komplett schließen. Wie schon im Frühjahr. Da war auch „Best of Beauty“ in Ahaus dicht: sieben Wochen im Corona-Lockdown.

Mit Verbot von Nageldesign nicht unbedingt gerechnet

Am Freitagvormittag steht fest: Zumindest Fußpflege fällt nicht unter die Coronaschutzverordnung. Aber Kosmetik und Nageldesign wird die 49-Jährige im November nicht anbieten. Kosmetik – damit hatte Heike Dirksen schon gerechnet. „Aber, dass Nageldesign nicht geht, damit nicht unbedingt.“

Sie sieht bei dieser Tätigkeit keinen allzu großen Unterschied zum Friseurbesuch. „Wir haben ja alle Schutzmaßnahmen getroffen“, sagt die Ahauserin und deutet auf die große Plexiglasscheibe über dem Behandlungstisch, die sie von ihren Kundinnen und Kunden trennt. Sie sei nicht unbedingt näher am Kunden als zum Beispiel ein Friseur.

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Denn: Mundschutzmasken und Handschuhe gehören von je her zur Ausstattung einer Nageldesignerin. „Und was die Desinfektionsmaßnahmen angeht, da mussten wir uns auch nicht umstellen“, spricht sie für die Kosmetik-und-Co-Branche. Behandlungswerkzeug, Arbeitsplatz und Möbel hat sie schon immer nach jedem Kunden desinfiziert: „Das sind ganz klare Vorgaben.“

„Ich möchte hier keinen anstecken, auf keinen Fall“

Nun tragen die Kunden auch noch einen Mundschutz – deswegen hätte sie sich auch weiterhin beim Nageldesignen sicher gefühlt. Und ihre Kunden in Sicherheit gesehen. Insgesamt aber nimmt sie die Entscheidung hin: „Ich möchte hier keinen anstecken, auf keinen Fall. Und wenn wir die Pandemie damit eindämmen können, dann ist das eben so.“

Das sieht Oksana Gerlinger, die ihr Kosmetikstudio Relax in Wüllen führt, genauso. „Gerade hatte sich so langsam alles wieder aufgebaut“, sagt sie etwas traurig im Telefonat mit der Redaktion. Und jetzt der zweite Lockdown, wenn auch nur zum Teil. Sie bleibt optimistisch, weil sie ja weiterhin Fußpflegetermine anbieten kann.

Normale und medizinische Fußpflege: Abstand reicht

Nicht nur medizinische, auch normale Fußpflege sei erlaubt, hat sie am Freitag bei einem Telefonat mit dem Ahauser Ordnungsamt erfahren. Wegen des Abstands ginge das. „Auch wenn die Kosmetik schon für den Hauptumsatz sorgt“, betont sie. Die Einnahmen brechen natürlich weg ebenso wie die durch den Kosmetikaverkauf.

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Auch bei Heike Dirksen kann es also zumindest mit der Fußpflege weitergehen. Sie hat aber seit Beginn der Corona-Pandemie festgestellt, dass vor allem ältere Kunden wohl aus Angst die Termine nicht mehr wahrnehmen, „Kunden, die sonst regelmäßig gekommen sind.“

„Ich möchte nicht in der Haut der Politiker stecken“

Ob sie Anfang Dezember ihre Studios wieder komplett öffnen dürfen – Oksana Gerlinger und Heike Dirksen sind skeptisch. „Man hat ja keine Planungssicherheit – soll ich jetzt für Anfang Dezember Termine machen?“ fragt sich Heike Dirksen.

Bei allem Ärger und aller Unsicherheit betont sie aber auch: „Ich möchte nicht in der Haut der Politiker stecken.“

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